Pazifische Inselstaaten

Wettstreit im Südsee-Paradies: Wie China und die USA um Einfluss ringen

Veröffentlicht:

von Sven Hauberg

Galileo

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China will seinen Einfluss im Südpazifik ausbauen – und stößt auf erbitterten Widerstand der USA. Die Region wird zum neuen Schauplatz der Rivalität zwischen Peking und Washington.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Südpazifik ist eine nur dünn besiedelte Region – wird geopolitisch aber immer wichtiger.

  • Neben dem Anrainerstaat Australien versuchen auch China und die USA, ihre Präsenz hier weiter auszubauen.

  • Peking geht es dabei um den Wettbewerb mit dem Westen, aber auch um konkrete Sicherheitsinteressen.

Von oben betrachtet, auf der Landkarte oder auf Satellitenbildern, sieht man vor allem Wasser; nur hin und wieder erheben sich ein paar Fleckchen Land aus dem unendlich scheinenden Meer. Der Südpazifik, jene Region östlich von Australien, ist eine dünn besiedelte Weltgegend, nur wenige Millionen Menschen leben hier, verteilt auf Hunderte Inselchen.

Und dennoch ist um die Region ein Machtkampf entbrannt, ringen die USA, Australien und China hier um Einfluss: Washington, das den Südpazifik lange vernachlässigt hatte, hat sein Engagement in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut; die Regierung in Canberra hat zuletzt mehrere Abkommen mit Staaten der Region geschlossen; und Peking baut hier Häfen, Straßen und Fußballstadien – und will wohl auch militärisch Fuß fassen.

"Obwohl die Pazifikstaaten selbst recht klein sind, verfügen sie über große ausschließliche Wirtschaftszonen – zusammen machen diese etwa zehn Prozent der weltweiten Meeresoberfläche aus", erklärt Connor Graham von der australischen Denkfabrik Lowy Institute die Bedeutung der Region. Die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) ist ein Meeresgebiet, das sich bis zu 200 Seemeilen vor der Küste erstreckt und in dem ein Staat das alleinige Recht hat, Bodenschätze und andere natürliche Ressourcen zu erforschen und wirtschaftlich zu nutzen.

Daneben gehe es um geopolitischen Einfluss, so Graham gegenüber :newstime. "Geografisch gesehen liegt der Pazifikraum zwischen Asien, Nordamerika, Südamerika und Australien", sagt der Experte. "Und wer auch immer diese Region kontrolliert, verfügt über die Macht, den Schiffsverkehr in einem riesigen Gebiet zu überwachen und zu steuern."

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China verteidigt sein Engagement in der Region

Vor wenigen Wochen erst hofierte China Vertreter:innen aus neun Ländern der Region in Peking, gekommen waren Minister:innen und Diplomat:innen unter anderem aus Papua-Neuguinea, Samoa, Tonga und Nauru.

"Chinas Engagement in den pazifischen Inselstaaten ist eine Form der Süd-Süd-Zusammenarbeit, die auf gegenseitiger Hilfe und Unterstützung beruht", sagte der chinesische Außenminister Wang Yi bei dem Treffen. Und er verwehrte sich gegen die Lesart, seinem Land gehe es darum, seinen Fußabdruck in der Region zu vergrößern. "Diese Zusammenarbeit greift nicht in die inneren Angelegenheiten der Inseln ein, knüpft keine politischen Bedingungen, dient nicht der geopolitischen Rivalität und richtet sich nicht gegen Dritte; ebenso wenig unterliegt sie der Einmischung durch Dritte", behauptete Wang.

Experten wie Graham sehen das anders, er identifiziert drei Hauptgründe, warum sich Peking für die Region interessiere. Zunächst verlaufe hier die sogenannte Zweite Inselkette – eine Verteidigungslinie, die von Japan über Guam, Palau und Papua-Neuguinea bis nach Australien führt. Zusammen mit der weiter westlich verlaufenden ersten Inselkette stellt sie eine geografische Barriere dar, die China den Zugang zum offenen Pazifik erschwert, weil die USA hier die dominierende Macht sind. China will das ändern, indem es seinen Einfluss in der Region ausbaut.

Zweitens, so Graham, gehe es um das diplomatische Gewicht der Inselstaaten: Zusammen haben sie rund sechs Prozent der Stimmen in der UN-Generalversammlung, wo sie – so wünscht sich das Peking – möglichst im Sinne Chinas abstimmen sollen; zudem haben mehrere Staaten der Region in den vergangenen Jahren auf Druck Pekings ihre Unterstützung für Taiwan beendet, zuletzt Kiribati und Nauru. Drittens baue China seinen Einfluss in der Region aus, "um die Vorherrschaft der USA und des Westens in Frage zu stellen", so Graham.

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China will seine militärische Präsenz ausbauen

China macht das, indem es viel Geld in der Region investiert, etwa in Infrastrukturprojekte. Aber auch, indem es versucht, militärisch Präsenz zu zeigen. 2018 soll Peking laut Berichten versucht haben, eine Militärbasis auf Vanuatu zu errichten, und vier Jahre später schreckte ein Sicherheitsabkommen zwischen der Volksrepublik und den Salomonen die Region auf. Laut dem Text des Abkommens, der damals geleakt wurde, erhalten Pekings Streitkräfte Zugang zu Einrichtungen in dem Inselstaat.

Doch es regt sich auch Widerstand gegen Chinas Expansion: Die Salomonen haben seit Kurzem allerdings eine Regierung, die Peking deutlich kritischer gegenübersteht, Premierminister Matthew Wale kündigte bereits an, das Abkommen mit China zu überprüfen. Für massiven Unmut in der Region sorgte zudem ein Test einer nuklearwaffenfähigen ballistischen Rakete, den China im Juli im Südpazifik durchgeführt hat. Als "total unangebracht" bezeichnete etwa der Außenminister von Papua-Neuguinea den Raketenstart.

Besonders heikel: Nur Stunden zuvor hatten Australien und Fidschi einen Verteidigungsvertrag sowie ein weiteres Abkommen unterzeichnet. Anthony Albanese, der australische Premierminister, sprach von "einem der bedeutendsten Vorhaben, die Australien jemals mit einem anderen Land in Angriff genommen hat". Konkret sichern sich beide Länder gegenseitige Unterstützung im Verteidigungsfall zu. Kurz zuvor hatte Albanese bereits einen Sicherheitspakt mit dem Inselstaat Vanuatu geschlossen. Zudem trat ein Verteidigungspakt mit Papua-Neuguinea in Kraft, und auch mit den Salomonen vereinbarte Albanese eine engere Zusammenarbeit.


"Australien will sicherstellen, dass es keinen chinesischen Militärstützpunkt gibt"

Hintergrund dieser diplomatischen Offensive Albaneses ist die Sorge, China könnte in der Region – und damit in unmittelbarer Nachbarschaft Australiens – eine dauerhafte militärische Präsenz errichten. "Australien will auf jeden Fall sicherstellen, dass es im Pazifik keinen chinesischen Militärstützpunkt gibt", sagt Experte Graham. "Außerdem versucht Australien, den Versuchen Chinas entgegenzuwirken, bedeutenden Einfluss oder Druckmittel gegenüber den Pazifikstaaten zu erlangen – Australien möchte der Partner erster Wahl bleiben und eine gleichgesinnte, freundschaftlich gesinnte Region bewahren."

Eine chinesische Basis im Südpazifik würde das Kräftegleichgewicht in der Region massiv verändern, fürchtet die australische Regierung. Sie sorgt sich, ein Außenposten Chinas könnte es Peking einfacher machen, Militäroperationen rund um Australien durchzuführen. Immer wieder beklagt Canberra schon jetzt die Anwesenheit chinesischer Kriegsschiffe in den Gewässern vor der eigenen Küste. Die australische Außenministerin Penny Wong spricht bereits seit Längerem von einem "permanenten Wettstreit" mit China in der Region.


USA fahren Engagement in der Region hoch

Neben China und Australien sind die USA der dritte große Machtfaktor in der Region. Das liegt einerseits daran, dass mit Guam, Amerikanisch-Samoa und den Nördlichen Marianen drei US-Außengebiete im Westpazifik liegen. Vor allem aber betrachtet Washington Peking als größten globalen Rivalen, dessen Einfluss die USA weltweit zurückdrängen wollen.

"Die Geschichte und die Zukunft der pazifischen Inseln und der Vereinigten Staaten sind untrennbar miteinander verbunden", erklärte die damalige Vizepräsidentin Kamala Harris im Juli 2022 bei einem Treffen mit Vertretern aus der Region. Unter der Regierung von Joe Biden startete Washington damals eine Diplomatieoffensive und eröffnete auf den Salomonen und im Königreich Tonga US-Botschaften.

Unter Donald Trump haben die USA ihr Engagement im Südpazifik zwar etwas zurückgefahren, vor allem die Entwicklungshilfe wurde gekürzt. Auch hat Trump mit seiner Zollpolitik viele Regierungen in der Region verunsichert. An der grundlegenden Bedeutung, die Washington dem Südpazifik zuweist, habe sich aber nicht geändert, sagt Experte Graham: Den USA gehe es um die Sicherung von Schifffahrtsrouten, um den Schutz von Unterwasserinfrastruktur wie etwa Datenkabeln und zunehmend auch um die Ausbeutung von Rohstoffen. Vor allem aber, so Graham, wollten die USA unbedingt verhindern, dass China in der Region zu mächtig werde.


Verwendete Quellen:

South China Morning Post: "China’s Pacific ties not part of 'geopolitical rivalry', Wang Yi tells island leaders"

Reuters: "China missile test deepens Pacific divide over growing militarisation"

Lowy Institute: "Australia's Pacific diplomatic blitz and China's missile test"

New York Times: "Why Australia Is Locked in a 'Permanent Contest' With China in the Pacific"

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