Französischer Fußballstar
Witz über "chinesischen Diktator": Mbappé sorgt in China für Shitstorm
Veröffentlicht:
von Sven Hauberg:newstime
Diktator-Meme: Mbappé verliert chinesische Sponsoren
Videoclip • 01:13 Min • Ab 12
Ein Videointerview, in dem er sich über Mao Zedong lustig macht, fällt Kylian Mbappé auf die Füße. Der französische Fußballer entschuldigt sich – doch der Shitstorm geht weiter.
Das Wichtigste in Kürze
Der französische Fußballer Kylian Mbappé hat in China mehrere Sponsorenverträge verloren, auch sein Verein Real Madrid ist unter Beschuss geraten.
Hintergrund ist ein Video, in dem Mbappé einen Witz über den chinesischen Diktator Mao Zedong macht.
Mbappé hat sich mittlerweile entschuldigt. Doch die Kritik an ihm geht weiter.
Mehr als eine Million Menschen folgen Kylian Mbappé bei Weibo, einem sozialen Netzwerk aus China. Die meisten von ihnen, davon konnte man zumindest bislang ausgehen, weil sie gut finden, was der französische Fußballstar so macht. Mbappé zeigt sich auf Weibo beim Wandern, im Hotelpool und natürlich auf dem Fußballplatz. Vor ein paar Wochen verschickte er über die Plattform Grüße zum chinesischen Mondfest, 2.200 Likes gab es dafür.
China liebt Fußball. Und es liebt Mbappé. Oder?
Unter dem letzten Post des 27-Jährigen nämlich – Mbappé bei der Arbeit, also beim Fußballspielen, darüber das Wort "Passion" – stapeln sich seit ein paar Tagen unzählige böse Kommentare. "Entschuldige dich feierlich beim chinesischen Volk und komm in Zukunft nicht mehr zu uns", heißt es dort etwa. Oder: "Dass so ein Typ überhaupt einen Account haben darf!" Mehr als 3.600 Likes erhielt ein Kommentar, der Mbappé ein gebrochenes Bein wünscht.
Der Pariser Fußballer, Kapitän der französischen Nationalmannschaft und bei Real Madrid unter Vertrag, ist in China in Ungnade gefallen. Mehrere Sponsoren haben sich bereits von Mbappé distanziert, die Lebensmittelhersteller Dongpeng und Mengniu sowie die Onlineplattform Xiaohongshu haben die Zusammenarbeit mit ihm mit sofortiger Wirkung beendet. Wenig später zog der Käsehersteller Miaokelando nach.
Auch in den News:
Mbappé-Witz über Mao sorgt für Shitstorm in China
Was war passiert? Auslöser für den Shitstorm ist ein französisches Videointerview, in dem Mbappé nach seinem liebsten Meme gefragt wird. Seine Antwort: Das, bei dem man sein Gesicht "auf irgendeinen Typen, ich glaube, es ist ein chinesischer Diktator" montiert hat. Zu sehen ist in dem Video eine Montage von Mbappé als Chinas Staatsgründer Mao Zedong.
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Mbappé wusste zwar offenbar nicht, wer Mao ist – so zumindest wirkt es in dem Video. Das Interview greift zudem ein weitverbreitetes Online-Meme auf: der Fußballer als Diktator, mal als Kim Jong-un, mal als Stalin und mal eben auch als Mao Zedong. Hintergrund des Witzes ist, dass Mbappé nachgesagt wird, nicht nur ein guter, sondern auch ein sehr einflussreicher Fußballer zu sein – ein Diktator eben, der sich schon mal in Personalentscheidungen einmische.
Trotz dieses an sich harmlosen Hintergrunds hat das Video in China eine Welle der Empörung ausgelöst. "Einerseits die Vorteile des chinesischen Marktes genießen, andererseits die Gefühle der Chinesen verletzen: Der Zusammenbruch von Mbappés Ansehen ist ganz und gar selbstverschuldet", kommentierte etwa die staatliche chinesische Nachrichtenagentur CNS. "Wer die chinesische Geschichte missachtet und die nationale Würde verletzt, wird letztendlich den Preis für seine Worte und Taten zahlen müssen", heißt es dort weiter. Noch deutlicher wurde die Zeitung "Guangming Daily": "Chinas Essen essen und dabei Chinas Kochtopf zerschlagen? Mbappé, du bist dessen nicht würdig", schreibt das Blatt in einem online geteilten Beitrag.
Mbappé drohen Verluste in Millionenhöhe
Das chinesische Staatsfernsehen CCTV kündigte mittlerweile an, keine Werbung mehr mit Mbappé zu zeigen und auch die Übertragung von Spielen der spanischen La Liga einzustellen. Sogar das chinesische Außenministerium hat sich inzwischen in die Debatte eingeschaltet. "Jede Äußerung oder Handlung, die die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt, wird in allen Bereichen Chinas selbstverständlich abgelehnt werden", erklärte am Dienstag (27. Oktober) ein Außenamtssprecher.
Für Mbappé und seinen Verein geht es um viel Geld: Real Madrid ist einer der beliebtesten Vereine im fußballbegeisterten China, Mbappé bislang der Liebling der Fans. Laut französischen Medienberichten sollen sich allein Mbappés Werbeverträge mit Dongpeng und Mengniu auf jährlich umgerechnet rund sieben Millionen Euro belaufen.
Inzwischen haben sich nicht nur Real Madrid und La Liga, sondern auch Mbappé selbst bei den chinesischen Fans entschuldigt. "Meine Äußerung war unüberlegt, und mir ist nun klar, dass sie viele Menschen in China und in chinesischen Gemeinschaften auf der ganzen Welt verletzt hat", erklärte der französische Fußballstar. "Ich entschuldige mich bei allen, die sich durch meine Worte gekränkt gefühlt haben."
Mbappé hat eine rote Linie überschritten
Der Shitstorm tobt indes weiter. Denn wer Witze über Mao macht, überschreitet in China eine der vielen roten Linien, die im öffentlichen Diskurs des Landes gezogen wurden. Mao ist als Gründer der Volksrepublik China für viele noch immer ein Nationalheld – obwohl in den Jahren seiner Herrschaft Dutzende Millionen Menschen ums Leben kamen. "Mao Zedong ist ein äußerst heikles Thema, und Humor, der sich auf ihn bezieht, unterliegt so gut wie immer der Zensur", schreibt Manya Koetse, die Herausgeberin von "Eye on Digital China", einem Newsletter über chinesische Online-Kultur.
Auch wenn über Mbappé in China derzeit also bisweilen wüste Beleidigungen einprasseln: Nicht jeder Online-Nutzer, der dem Franzosen das Ende seiner Karriere wünscht, scheint zu wissen, worum es in der ganzen Debatte eigentlich geht. Denn in den allermeisten chinesischen Medienberichten wird gar nicht erwähnt, über wen Mbappé eigentlich gewitzelt hatte. Offenbar gilt Mbappés Mao-Kommentar als derart sensibel, dass der Zusammenhang mit Mao Zedong lieber ganz verschwiegen wird. "Zu erklären, welche rote Linie er überschritten hat, birgt die Gefahr, eben diese Linie erneut zu überschreiten", so Koetse. Am Mittwoch (28. Oktober) trendete bei Weibo denn auch der Hashtag: "Was hat Mbappé eigentlich gesagt?"
Verwendete Quellen:
Weibo: "KylianMbappe姆巴佩"
Chinesisches Außenministerium: "Foreign Ministry Spokesperson Guo Jiakun’s Regular Press Conference on October 27, 2026"
Weibo: "中国新闻网"
Eye on Digital China: "Mbappé, Mao, and the Joke That Shall Not Be Named"
Le Monde: "En Chine, le coût financier exorbitant des propos de Kylian Mbappé sur le 'dictateur' Mao"
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