Rekord

26 Jahre bewohnte ISS: Was Astronauten erforschen – und was wir davon haben

Aktualisiert:

von Emre Bölükbasi

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Raumschiff fliegt in Rekordzeit zur ISS (2. Oktober)

Videoclip • 01:09 Min • Ab 12


Seit 26 Jahren ist die ISS keinen Tag unbewohnt – doch hinter dem Rekord stecken Schweiß, Lecks und politische Spannungen. Was genau machen Astronaut:innen dort tagtäglich und wie lange hält die ISS noch durch?

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit exakt 26 Jahren ist die ISS durchgehend bewohnt – ein Rekord, der jetzt gefeiert wird.

  • Im Orbit gehören schweißtreibendes Training, aufwendige Wartung und bahnbrechende Forschung zum Alltag.

  • Doch die alternde Raumstation steht vor dem Aus – und ihre Zukunft ist noch offen.

Am 2. November 2000 schlugen drei Raumfahrer ihr Quartier auf der Internationalen Raumstation ISS auf: Die Kosmonauten Juri Gidsenko und Sergej Krikaljow sowie der US-Astronaut Bill Shepherd betraten als erste Langzeitbesatzung den damals noch kargen Außenposten – und lösten damit einen Countdown aus, der seitdem niemals gestoppt wurde.

Nun jährt sich dieser historische Tag zum 26. Mal. Fast drei Jahrzehnte später dreht das 450 Tonnen schwere Labor in rund 400 Kilometern Höhe weiterhin 16 Mal täglich seine Runden um die Erde.

Wie verbringen Astronaut:innen auf der ISS aber ihre Tage und was bedeutet das alles für die Menschheit?

Die ISS hat die Erde bereits unzählige Male umkreist und bleibt noch mindestens bis 2030 aktiv.

Bild: Adobe Stock


Was die ISS-Crew da oben eigentlich den ganzen Tag treibt

Wer sich das Leben auf der ISS als schwebenden Abenteuerurlaub vorstellt, liegt gründlich daneben. Der Alltag der Besatzung ist eng getaktet und hart. Mindestens zwei Stunden täglich sind Pflicht im bordeigenen Fitnessstudio – denn ohne intensives Training bauen Muskeln und Knochen in der Schwerelosigkeit rapide ab. Hinzu kommt ein erheblicher Aufwand für Wartung und Reinigung der Station, die längst in die Jahre gekommen ist.

Immer wieder führen die Astronaut:innen auch spektakuläre Einsätze vor der Tür durch – buchstäblich. Im August 2026 verbrachten zwei Besatzungsmitglieder fast sieben Stunden im freien Weltraum, um die Installation neuer Solarpanels an der Station vorzubereiten. Kurz darauf montierten zwei weitere Astronaut:innen bei einem mehr als sechsstündigen Außeneinsatz eine neue Kommunikationsantenne, die die ISS mit dem Kontrollzentrum in Houston verbindet.

Lecks suchen, abdichten, Systeme überwachen, Experimente betreuen – der Arbeitstag im All kennt kaum Leerlauf. Komfort? Fehlanzeige. Bei voller Besetzung ist kaum Privatsphäre vorhanden, Mahlzeiten kommen aus der Tüte, und selbst das Waschen ist eine Prozedur. Gelegentlich streiken sogar die Bordtoiletten. Ex-Bewohner:innen erinnern sich an Geräusche und Gerüche, die den Aufenthalt nicht gerade zu einem Sinnesgenuss machen.

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Was 26 Jahre Forschung der Erde gebracht haben

Trotzdem – oder gerade deshalb – ist die ISS eines der produktivsten wissenschaftlichen Instrumente, die die Menschheit je in Betrieb genommen hat.

Zentrale Eigenschaften der ISS sind:

  • Sie ist inzwischen so groß wie ein Fußballfeld.

  • Die Station ist mit Labors, sechs Schlafzimmern, zwei Badezimmern und einem Fitnessstudio ausgestattet.

  • Die Gesamtkosten liegen bei 100 Milliarden US-Dollar.

  • 2.950 Experimente wurden in den ersten 20 Jahren durchgeführt.

  • Insgesamt 140 deutsche Wissenschaftler:innen waren an diesen Experimenten beteiligt.

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst, der zweimal auf der ISS war, bezeichnete sie einmal als die "komplexeste, wertvollste und unwahrscheinlichste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat".

Bis zum heutigen Jubiläumstag hat die Station die Erde mehr als 150.000 Mal umrundet und dabei über 6,4 Milliarden Kilometer zurückgelegt – das entspricht dem 30-fachen der durchschnittlichen Entfernung zur Erde zum Mars.

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Ein Friedensprojekt unter Druck

Die ISS ist aber mehr als ein Labor. Sie wurde nach dem Ende des Kalten Krieges auch als Signal der Völkerverständigung ins Leben gerufen – ein gemeinsames Projekt der USA, Russlands, Kanadas, Japans und der europäischen Raumfahrtbehörde ESA.

Untersucht man die Ursprünge der ISS, muss man laut NASA sogar bis ins 19. Jahrhundert zurückgehen. Demnach zeichnete der russische Raumfahrtvisionär Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski bereits 1883 Skizzen davon, wie sich ein die Erde umkreisendes Raumschiff seiner Vorstellung nach darstellen könnte – darunter auch mehrere Insass:innen, die in der Schwerelosigkeit schwebten.

Heute, genau 143 Jahre später, bringt es der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer auf den Punkt: "Wenn man von dort auf die Erde schaut, fragt man sich: Was könnten wir wohl erreichen, wenn wir dort unten so gut zusammenarbeiten könnten wie hier oben?"


Raumfahrt im Schatten des Ukraine-Krieges

Diese Frage stellt sich heute dringlicher denn je. Denn trotz des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine läuft die Kooperation im All weiter. Im Juli 2026 reiste der NASA-Chef eigens nach Baikonur, um dem Start einer gemeinsamen russisch-amerikanischen Mission beizuwohnen – erstmals seit acht Jahren war damit wieder ein NASA-Direktor persönlich vor Ort.

Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Zusammenarbeit auf der ISS offiziell bis 2030 verlängert. Derzeit sind auf der Station neben den vier Mitgliedern der frisch eingetroffenen "Crew 13" – zwei US-Amerikaner:innen, einem Kanadier und einem Russen – noch die Astronaut:innen der Vorgängerbesatzung an Bord, bevor diese zur Erde zurückkehren.


Das Ende naht – aber noch nicht heute

26 Jahre Dauerbetrieb fordern ihren Tribut. Die Technik der Station, deren Grundkonzept noch aus den 1980er-Jahren stammt, ist alles andere als frisch. Lecks tauchen immer wieder auf – im Juni 2026 mussten sogar fünf Raumfahrer:innen vorübergehend die Station verlassen und in einem angedockten Raumschiff Schutz suchen, während Reparaturarbeiten an einem undichten Transfertunnel vorbereitet wurden. Mehr als 80 Prozent der russischen Ausrüstung haben inzwischen ihre garantierte Höchstlebensdauer erreicht.

Das Ende der ISS ist absehbar: Nach 2030 soll sie kontrolliert in den Pazifik gesteuert werden. Was dann kommt, ist noch offen. Russland plant eine eigene Orbitalstation, der Bau soll frühestens 2028 beginnen. Die NASA denkt laut über kommerzielle Nachfolgestationen nach. Matthias Maurer sieht die Zukunft als eine Art Marktplatz im erdnahen Orbit, auf dem verschiedene Stationen verschiedene Schwerpunkte setzen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

NASA: "Space Station 20th: Historical Origins of ISS"

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