Ukraine-Krieg
Kremlkritiker warnt: Putin könnte Angriff gegen NATO vorbereiten
Veröffentlicht:
von Oliwia Kowalak:newstime
Insider: Putin will Ukraine-Krieg ausweiten
Videoclip • 01:10 Min • Ab 12
Russland erleidet im Ukraine-Krieg erhebliche Verluste. Trotzdem beunruhigen Berichte über ein bald bevorstehendes Manöver gegen die NATO Europa. Ein Kreml-Kritiker bestätigt nun die Meldungen.
Das Wichtigste in Kürze
Russland muss im Ukraine-Krieg erhebliche territoriale und Verluste von Streitkräften hinnehmen.
Zusätzlich setzt die Ukraine den Kreml mit Offensiven auf Ölraffinerien unter Druck.
Oppositioneller Garry Kasparov warnt vor einer Eskalation des Krieges. Eine Provokation der NATO könnte bevorstehen.
Die Kämpfe um die Gebiete in der Ukraine halten sich weiterhin zäh. Russlands Präsident Wladimir Putin zeigt sich zunehmend verhärtet. Der Krieg zieht sich bereits ins fünfte Jahr und die Aussichten für eine Einigung stehen laut neusten Einschätzungen schlecht. Trotz der Schwächung Russlands legen Berichte nahe, dass Putin sich auf eine Provokation gegen die NATO vorbereitet.
"Krieg, Krieg, Krieg, Krieg.", lautet auch die Warnung des im Exil lebenden Kremlkritikers Garry Kasparov gegenüber dem Magazin "Politico". Es gebe kein einziges Anzeichen in der russischen Propagandamaschinerie, in den Handlungen der russischen Regierung oder in Putins Reden, dass Russland sich auf Frieden vorbereitet.
Putin unter Druck: Territoriale Verluste, schwindende Soldaten und Angriffe auf Energieinfrastrukturen
Die Warnung des ehemaligen Schachspielers kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Russische Föderation sich einer erheblichen Schwächung im Krieg gegen die Ukraine gegenüber sieht. Russlands territoriale Vorstöße haben sich weiter verlangsamt. Auch musste der Kreml im Frühjahr 2026 erhebliche Gebietsverluste hinnehmen. Laut eines aktuellen Berichts des Center for Strategic and International Studies (CSIS) verlor Russland im April wie auch im Mai rund 400 Quadratkilometer an Territorium netto.
Zudem schwächen hohe Verlustzahlen der Streitkräfte das russische Militär. Seit Kriegsbeginn verlor die Russische Föderation bis Juni diesen Jahres 1,4 Millionen Streitkräfte, darunter fast eine halbe Million Todesopfer. Die Rekrutierungszahlen stocken. 2026 soll dem CSIS-Bericht zufolge die Verlustrate im Militär die monatliche Rekrutierungsrate übersteigen. Die Autoren der Analyse heben hervor, dass die Verlustzahlen Russlands im Krieg gegen die Ukraine ein "erschreckendes" Niveau erreicht haben. Demnach sind es die höchsten, die seit dem Zweiten Weltkrieg je eine Großmacht zu verbuchen hatte. Im Vergleich zu den ukrainischen Verlusten seien diese deutlich höher.
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Die Situation wird angesichts heftiger ukrainischer Angriffe auf russisches Territorium noch weiter verschärft. Im Jahr 2026 hat die Ukraine laut dem CSIS-Bericht ihre Offensiven gegen Russland aggressiv ausgeweitet. Durch Kurz-, Mittel- und Langstreckenangriffe haben ukrainische Streitkräfte in Entfernungen von bis zu 2.500 Kilometern wichtige Energieinfrastrukturen, wie Ölraffinerien, Produktionsstätten für beispielsweise Rüstung, Logistikziele oder militärische Stützpunkte getroffen. Das Ziel der ukrainischen Angriffe: Die Kosten für den von Russland geführten Krieg sollen so in die Höhe getrieben werden.
Laut Reuters-Berichten soll bis Ende Mai jede große Raffinerie im europäischen Teil Russlands mindestens einmal von ukrainischen Drohnen getroffen worden sein - mit Erfolg. Denn wie der Generalstab der Ukraine mitteilte, seien über 40 Prozent der Benzinproduktionskapazität in Russland zum Erliegen gekommen. Der Kreml hatte deswegen bereits mit Importen aus Indien begonnen. Die Internationale Energieagentur schätzte jüngst, dass die russische Ölforderung 2026 um drei Prozent zurückgehen werde – ein Schlag für Putins Kriegswirtschaft.
Kreml-Oppositioneller: Putin will Eskalation
Doch entgegen der Beurteilung von Experten über die militärische Schwächung des Kremls und die damit in Verbindung stehende Unfähigkeit, den Ukraine-Krieg auszuweiten, wird Putin sich nach Aussagen Kasparovs trotz des hohen wirtschaftlichen Drucks im eigenen Land und der angeschlagenen Kriegskasse dennoch nicht an den Verhandlungstisch mit der Ukraine setzen. Vielmehr werde ihn dies bestärken, weitere Kriegshandlungen vorzunehmen – auch gegen die NATO.
Der Oppositionelle bestreitet, dass Russland unter fehlenden Ressourcen leide. Seiner Einschätzung nach wird die Situation den Kreml-Boss eher zur Eskalation verleiten als zur Kompromissbereitschaft. "Putin hat immer dann eskaliert, wenn er sich in Schwierigkeiten sah … Die naheliegendste Eskalation ist die Provokation", sagte er "Politico".
Kasparov rechnet damit, dass diese Provokation beispielsweise ein Einmarsch in ein Land an der NATO-Ostflanke sein könnte. Die Einnahme einer kleinen Grenzstadt, beispielsweise in Lettland oder Estland, würde dem Kreml bereits erste Erfolge liefern – vorausgesetzt, die USA würden in diesem Fall nicht bei der Verteidigung helfen. Putins Ziel wäre damit erreicht: "Die NATO gibt es nicht mehr.", erklärte der Kremlkritiker weiter.
Steht ein baldiger Angriff Russlands auf die NATO bevor?
Die Prognose Kasparovs würde die jüngsten Berichte über eine von Russland geplante Provokationen in den baltischen Staaten oder Polen stützen. Sowohl der lettische Geheimdienst als auch ein hochrangiger politischer Insider eines NATO-Mitgliedstaates haben im Juni davor gewarnt, dass Wladimir Putin "etwas gegen die baltischen Staaten plane", wie "The Guardian" berichtet. Russland ist zwar laut lettischem Geheimdienst nicht fähig, eine zweite Front zu eröffnen. Jedoch sei der Kreml in der Lage, "hybride Angriffe wie Raketen, Drohnen oder andere Maßnahmen, die ein Signal senden sollen: Hört auf, die Ukraine zu unterstützen, sonst bekommt ihr selbst Probleme" durchzuführen.
Damit wolle Putin die Unterstützung der USA für einige der kleinsten NATO-Mitgliedstaaten auf die Probe stellen, hieß es. Polens Ministerpräsident Donald Tusk sagte dazu: "Auch wir teilen ausnahmslos die Ansicht, dass die Lage sehr instabil ist und in den kommenden Wochen und Monaten mit verschiedenen Formen der Eskalation zu rechnen ist".
Verwendete Quellen:
politico.eu: "Putin’s next move will be Baltic incursion, warns top Russian dissident"
Nachrichtenagentur Reuters
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