Neue Plattform
"Menschen aus Filterblasen rausholen": Europäische X-Alternative "W Social" geht an den Start – kann sie überzeugen?
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Ethikrat gegen Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche (12. Juni)
Videoclip • 01:36 Min • Ab 12
Social Media ohne KI-Bots, ohne Desinformation, Propaganda und Hass: Die neue Plattform W Social will genau das möglich machen – und als europäisches Unternehmen unabhängiger von X, Truth Social und Co. werden. Wie kann das gelingen?
Das Wichtigste in Kürze
Am 17. Juni startet die Testversion der europäischen Plattform W Social für die Allgemeinheit.
Die Koordination der neuen Plattform stammt aus der EU und soll nach europäischen Datenschutzrichtlinien erfolgen.
Nutzer:innen müssen sich über einen Personalausweis oder Reisepass identifizieren – das soll verhindern, dass KI-Bots W Social erreichen.
Wie Truth Social, X und Co. – aber "made in Europe". Das verspricht die neue Plattform "W Social", die ab Mittwoch (17. Juni) verfügbar ist. Die Schweizer Geschäftsführerin Anna Zeiter will damit eine neue Social-Media-Ära schaffen: Unabhängig von nicht-europäischen Unternehmen.
Auch in den News:
Für alle – außer KI-Bots
Die Nachfrage nach einer Plattform jenseits des Einflusses von Musk, Trump oder Zuckerberg sei überraschend groß, so Anna Zeiter, CEO der Plattform W Social, auf Nachfrage von :newstime. "Menschen haben uns zum Beispiel geschrieben: 'Endlich – darauf hat Europa so lange gewartet!' oder auch 'Hurry the hell up – Europe needs you right now!'", berichtet Zeiter. Nicht nur Europäer:innen, sondern Menschen aus der ganzen Welt wollten einen Wechsel. "Zivilisierte Konversationen mit echten Menschen. Nicht mit Bots."
Genau das ist das große Versprechen des schwedischen Unternehmens. KI-Bots sind auf der Plattform nämlich ausdrücklich nicht erlaubt. Dazu braucht es weitaus mehr als einen einfachen Klick auf "Ich bin kein Roboter" oder Motorräder auf Bildschnipseln zu Verifikationszwecken zu zählen.
Über eine externe App sollen sich künftige Nutzer:innen verifizieren, heißt es auf der Homepage von W Social. Anschließend müsse die eigene Identität mit einem Personalausweis oder Reisepass bestätigt werden. Die persönlichen Daten würden dabei ausschließlich auf dem eigenen Gerät gespeichert werden.
Privatsphäre nach EU-Richtlinien
"Privacy First." (Privatsphäre zuerst), schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Weiter heißt es, man sei überzeugt, dass es "eine vertrauenswürdige Social-Media-Plattform braucht, die sich in europäischem Besitz befindet, von Europa aus betrieben und in Europa gehostet wird".
Dieser Annahme ging eine Recherche des Unternehmens voraus. In dieser seien Social-Media-Aktivitäten von über 10.000 öffentlichen Persönlichkeiten in ganz Europa analysiert worden, mit der Frage, welche Plattformen sie als ihre wichtigsten Kommunikationskanäle nutzen. Die Ergebnisse hätten die "Abhängigkeit von außereuropäischen Unternehmen" verdeutlicht.
Alle Daten würden nach Angaben von W Social somit in der EU gehostet und gemäß der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verarbeitet werden – anders als bei der Konkurrenz aus dem Silicon Valley. Passend dazu der Name: Grund für das W im Namen der Plattform sei, "dass der Buchstabe im Alphabet vor X kommt", so die CEO im Interview mit "Blick".
"Alice Weidel ist bei uns willkommen"
Gründerin des Unternehmens ist die Juristin Anna Zeiter, die zuvor als Datenschutzbeauftragte bei der Händlerplattform eBay tätig war. Der Vorstandsvorsitzende ist ebenso kein Unbekannter: Ingmar Rentzhog. Der Schwede gründete die Online-Plattform "We don't have time", die sich als "größte Medienplattform für Klimaschutz" bezeichnet.
Auf den ersten Blick könnte sich die Spitze der neuen Social-Plattform schnell in eine politische Schublade stecken lassen, doch Zeiter hält dagegen: Man wolle die "Menschen aus ihren hyper-fragmentierten Filterblasen rausholen", so die Schweizerin gegenüber :newstime.
AfD-Chefin Alice Weidel hatte sich zuvor bereits via X zu dem europäischen Neuankömmling geäußert. "Ich habe eine Idee, wofür das 'W' steht... Woke", spottete sie im Januar.
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"Auch Alice Weidel ist bei uns willkommen", so Anna Zeiter im Interview mit "Blick". W suche gezielt konservative Medien und Politiker:innen. Auch gegenüber :newstime versichert die CEO: "Social W möchte alle erreichen. Jede und jeder ist eingeladen, teilzunehmen. Es gibt keine Blocklisten" – außer eben für KI-Bots.
Über 55.000 Anfragen weltweit
Die nun an den Start getretene Testversion ist für alle ab 18 Jahren zugänglich. Zuvor hatte es eine erste Version für ausgewählte Nutzer:innen gegeben.
Wer Teil der neuen Plattform werden will, muss sich aktuell noch auf eine Warteliste setzen lassen. Auf dieser befänden sich mittlerweile 55.000 Menschen aus 175 Ländern, so Zeiter. Man werde diese nach und nach zulassen. "Bis alle an Bord sind, wird es ein paar Tage oder auch Wochen dauern."
Der Launch der kompletten Version sei demnach für Januar 2027 vorgesehen. Ob W Social dann wirklich mit Plattformen wie X in Konkurrenz treten kann, bleibt bis dahin wohl offen.
Verwendete Quellen:
WSocial
Deutschlandfunk: "Europäische Plattform 'W Social' als X-Alternative sieht kurz vor Start der Testphase weltweites Interesse"
Blick: "Auch Alice Weidel ist bei uns willkommen"
LinkedIn: "Anna Zeiter"
X: "Alice Weidel"
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