Islam-Debatte

Hitzige Diskussion um Kopftuchverbot: Markus Lanz fordert muslimische Publizistin

Aktualisiert:

von Natascha Wittmann

:newstime

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Bei "Markus Lanz" geriet am Dienstagabend die Publizistin Khola Hübsch mehrfach in Erklärungsnot. Der Moderator fragte sie nicht nur direkt, ob sie für ein Kopftuchverbot sei, sondern auch, ob sich Homosexualität mit ihrem muslimischen Religionsverständnis vertrage.

Die Integrationspolitik in Deutschland ist seit Jahren ein Dauer-Streitthema - und auch bei "Markus Lanz" wurde es am Dienstagabend (16. Juni) schnell hitzig. Ausgangspunkt der Diskussion waren Warnungen von Sicherheitsbehörden wie dem Bundesamt für Verfassungsschutz vor islamistischen Strukturen, die über lange Zeit Einfluss in Gesellschaft und Politik gewinnen wollen. Besonders im Fokus stehen dabei Netzwerke wie die Muslimbruderschaft.

Schon früh sorgte Journalist Sascha Adamek mit einer deutlichen Ansage für Aufsehen: "Wir haben ein Problem - und zwar ein gewaltiges." Seine Behauptung: Die Muslimbruderschaft habe längst auch Parteien wie SPD und Grüne "infiltriert" - "insofern, dass es möglich gemacht wurde, dass Vereine, die vor ein paar Jahren noch im Verfassungsschutzbericht standen, heute rausgenommen wurden".

Autorin Güner Balci erklärte, warum solche Kontakte aus ihrer Sicht immer wieder zustande kommen: "Politiker denken immer nur so im Vier-Jahres-Rhythmus und erhoffen sich dadurch Wählerstimmen." Grünen-Politikerin Lamya Kaddor zeigte sich alarmiert: "Ich finde das irritierend." Sie machte deutlich: "Sprechen muss ich mit denen als Politikerin, aber ob ich mit denen zusammenarbeite, (...) das würde ich nicht tun."

Balci warnte in dem Zusammenhang vor einem "institutionalisierten Islam", der mit einem Weltbild und Werteverständnis daherkomme, welches "eigentlich komplett dem entgegensteht, was wir uns als freie Gesellschaft vorstellen". Als Lanz genauer nachfragte, nannte sie als Beispiel eine "Geschlechtertrennung als Normalzustand quasi schon in der Grundschule".

Publizistin Khola Hübsch musste sich am Dienstagabend mehreren spitzen Fragen von ZDF-Moderator Markus Lanz stellen.

Bild: ZDF / Markus Hertrich



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Hitzige Diskussion um Kopftuchverbot

Publizistin Khola Hübsch kritisierte dagegen, wie die Debatte geführt werde: "Wenn jemand Angst vor Islamisten haben müsste, dann bin ich das." Sie verwies darauf, dass nur 1.500 Menschen "zum harten Kern der Muslimbrüder" gehörten und 99,9 Prozent der Muslime mit ihnen "nichts zu tun" hätten. Ihr Punkt: "Was Sie aber jetzt sagen, ist, die muslimischen Verbände, die Institutionen, also diejenigen, die ja unsere Verbündeten sein müssten im Kampf gegen Islamismus, dass die kritisch zu beäugen sind. Und da wird so eine Verdachtskultur aufgebaut, da wird so ein Misstrauen geschürt, (...) statt zu sehen, das sind unsere Partner".

Daraufhin drehte Lanz das Gespräch auf gesellschaftliche Regeln - und fragte nach einem Kopftuchverbot. Hübsch antwortete klar: "Kopftuchverbote - das ist eigentlich das Gleiche wie Kopftuchgebote." Güner Balci wollte dennoch wissen: "Setzen Sie sich dafür ein, dass Kinder das nicht tragen müssen?" Hübsch entgegnete: "Das Kinderkopftuch ist theologisch gesehen nicht vorgeschrieben."

Als Balci nachsetzte - "Sind Sie für ein Verbot des Kinderkopftuchs?" - stellte Hübsch klar, sie sei auch hier "gegen ein Verbot". Balci konterte: "Dann ist den Kindern nicht geholfen". Als Hübsch argumentierte: "Wenn Sie das Betteln verbieten, dann schaffen Sie die Armut nicht ab", reagierte Lanz irritiert: "Das ist ein schräger Vergleich!"

Hübsch stellt sich gegen Diskriminierung von Homosexuellen

Hübsch ließ sich davon nicht beirren und forderte stattdessen, dass man "pädagogische Überzeugungsarbeit" leisten und mit Eltern sprechen müsse, die ihre Töchter dazu zwingen, ein Kopftuch zu tragen. Lanz hakte nach: "Also Sie bestreiten nicht, dass es das gibt?" Hübsch meinte: "Es ist ein absolutes Randphänomen. Wir haben keine Zahlen dazu in Deutschland." Als Lanz einwarf: "Nur weil wir keine Zahlen haben ...", kam von der Publizistin die Forderung: "Dann sorgen wir dafür, dass wir diese Zahlen haben!" Die Reaktion des ZDF-Moderators ließ nicht lange auf sich warten: "Entschuldigung, ich bin nicht das Statistische Bundesamt!"

Zum Schluss wurde es grundsätzlich. Lanz fragte: "Verträgt sich Homosexualität mit Ihrem Religionsverständnis?" Khola Hübsch wich zunächst aus: "Das können Sie einen Menschen jüdischen Glaubens, oder einen Katholiken genau so fragen." Lanz blieb jedoch dran: "Ich frage Sie!" Die Publizistin gab schließlich zu: "Es ist aus religiöser Sicht als Muslim nicht gottgefällig, Homosexualität zu praktizieren. Aber das ist bei jüdischen Menschen und bei katholischen Menschen nicht anders!"

Dennoch machte sie deutlich: "Ich bin absolut gegen jede Diskriminierung von homosexuellen Menschen. Ich würde mein Leben für sie geben. Sie können unsere Moscheen besuchen. Ich würde alles dafür tun, dass sie nicht verfolgt werden, belästigt werden, diskriminiert werden."

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