Experten sehen gemischt Signale
US-Wirtschaft am Scheideweg: Droht eine Rezession oder folgt die Erholung?
Veröffentlicht:
von Claudia ScheeleWie schlecht steht es tatsächlich um die US-Wirtschaft?
Bild: Keith Srakocic/AP/dpa
Die US-Wirtschaft zeigt deutliche Anzeichen von Schwäche: Steigende Arbeitslosigkeit, hohe Kreditkartenschulden und wachsende Inflation belasten das Land. Doch wie schlecht sieht es in Wirklichkeit aus?
Die wirtschaftliche Lage in den USA hat sich eingetrübt. Während die Arbeitslosenquote im August auf 4,3 Prozent gestiegen ist – den höchsten Stand seit 2021 –, bleibt die Inflation unter historischen Durchschnittswerten. Gleichzeitig sind die Auswirkungen von Präsident Donald Trumps Importzöllen und die wachsenden Sorgen der Verbraucher:innen über die wirtschaftliche Zukunft spürbar.
Arbeitsmarkt unter Druck
Der Arbeitsmarkt steht unter besonderer Beobachtung. Neue Daten zeigen, dass im August nur 22.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, während gleichzeitig 13.000 Stellen verloren gingen – der erste Nettoverlust seit 2020. Dies hat dazu geführt, dass zum ersten Mal seit vier Jahren mehr Menschen nach Arbeit suchen, als es offene Stellen gibt.
Eine Umfrage der New York Federal Reserve ergab zudem, dass Jobsuchende ihre Chancen auf eine neue Anstellung mit nur 44,9 Prozent so niedrig einschätzen wie noch nie seit Beginn der Erhebung 2013. Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in den Erwartungen wider: Viele Amerikaner:innen rechnen mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und einer Verlangsamung des Einkommenswachstums in den kommenden Monaten.
Inflation und steigende Preise
Die Inflation bleibt zwar mit einer Rate von 2,7 Prozent unter dem historischen Durchschnitt von 3,8 Prozent, doch Verbraucher:innen spüren bereits einen Anstieg der Lebenshaltungskosten. Eine neue Umfrage zeigt, dass sie für das nächste Jahr mit einer Inflationsrate von 3,2 Prozent rechnen. Verantwortlich dafür sind unter anderem die anhaltend hohen Importzölle, die Unternehmen zunehmend an die Verbraucher:innen weitergeben.
"Es ist nicht schwer, dunkle Wolken am Horizont zu erkennen", sagte Alexander Field, Wirtschaftsprofessor an der Santa Clara University. "Es gibt jedoch keine Garantie dafür, dass diese Wolken tatsächlich Sturm bringen – aber es ist ebenso schwer zu behaupten, dass die Wirtschaft derzeit in einem guten Zustand ist."
Kreditkartenschulden auf Rekordniveau
Ein weiteres Warnsignal kommt aus dem Bereich der Verbraucherfinanzen: Kreditkartenschulden haben ein Rekordhoch erreicht, und der Anteil der ernsthaft säumigen Konten – also solche mit über 90 Tagen Zahlungsrückstand – ist so hoch wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Dies deutet darauf hin, dass viele Haushalte Schwierigkeiten haben, mit den steigenden Kosten Schritt zu halten.
Unterschiedliche Perspektiven: Rezession oder Erholung?
Während einige Expert:innen wie Field vor einer möglichen Rezession warnen, sehen andere Zeichen für eine Stabilisierung. Die Analyst:innen von Morgan Stanley argumentieren, dass die USA sich von einer "rollenden Rezession" zu einer "rollenden Erholung" bewegen könnten. Bei einer rollenden Rezession erleben nur bestimmte Sektoren eine Abschwächung, während andere stabil bleiben – im Gegensatz zu einer klassischen Rezession, bei der alle Wirtschaftsbereiche betroffen sind.
"Wir glauben, dass das Schlimmste der rollenden Rezession hinter uns liegt", schrieben Analyst:innen von Morgan Stanley in einem Bericht. Sie verwiesen auf steigende Unternehmensgewinne und eine wachsende Zuversicht bei Verbraucher:innen und Unternehmen als Indikatoren für eine mögliche Erholung.
Die Rolle der Federal Reserve
Ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung wird die Geldpolitik der Federal Reserve sein. Angesichts der schwachen Arbeitsmarktzahlen wächst der Druck auf die Zentralbank, die Zinsen zu senken, um die Wirtschaft zu stützen. Dies könnte den Aktienmarkt weiter beflügeln – der S&P 500 hat bereits in diesem Jahr Rekordhöhen erreicht, angetrieben durch die Erwartung künftiger Zinssenkungen.
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