Rhenser Mineralbrunnen GmbH

Traditionsbetrieb nach Todesdramen insolvent: Doch jetzt gibt es einen Retter

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

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Insolvenz: Was bedeutet das für Unternehmen?

Videoclip • 01:15 Min • Ab 12


Nach dem Tod zweier Geschäftsführer innerhalb weniger Jahre rutschte die 164 Jahre alte Rhenser Mineralbrunnen GmbH erneut in die Insolvenz – nun gibt es eine gute Nachricht: Ein europäischer Marktführer übernimmt das Traditionsunternehmen und rettet die meisten der 140 Arbeitsplätze.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rhenser Mineralbrunnen GmbH, einer der ältesten Mineralbrunnen Deutschlands, wird nach ihrer zweiten Insolvenz von der Refresco Deutschland GmbH übernommen.

  • Auslöser der erneuten Insolvenz war der Tod beider Geschäftsführer, der Brüder Friedrich und Christian Berentzen, innerhalb von drei Jahren.

  • Der überwiegende Teil der 140 Mitarbeiter:innen soll übernommen werden.

Insolvente Rhenser Mineralbrunnen GmbH findet Käufer

Es ist eine Geschichte voller Rückschläge – und am Ende steht nun doch ein versöhnliches Ende: Die Rhenser Mineralbrunnen GmbH aus Rhens im rheinland-pfälzischen Kreis Mayen-Koblenz hat einen Käufer gefunden. Wie die Kanzlei Lieser Rechtsanwälte mitteilte, übernimmt die Refresco Deutschland GmbH mit Sitz in Mönchengladbach den insolventen Getränkehersteller. Zum Paket gehören Markenrechte, Grundstücke, Produktionsanlagen und Warenbestände am Standort Rhens, wie Merkur.de berichtet. Die Transaktion soll vorbehaltlich noch ausstehender Bedingungen zum 1. August 2026 wirksam werden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Geschichte von Rhenser reicht weit zurück: Der namensgebende Mineralbrunnen wurde bereits im Jahr 1577 erstmals urkundlich erwähnt. Als Getränkeabfüller ist das Unternehmen seit 1857 tätig – also seit 164 Jahren. Damit ist Rhenser einer der ältesten Mineralbrunnen Deutschlands.


Zwei Todesfälle, eine Insolvenz

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Die Brüder Friedrich Berentzen und Christian Berentzen – Söhne des bekannten Spirituosenfabrikanten Friedrich Berentzen senior, der den Apfelkorn in Deutschlands Supermärkte brachte – hatten Rhenser laut "Bild" im Jahr 2017 übernommen und damals bereits aus einer ersten Insolvenz geführt. Doch dann kam das Schicksal: Friedrich Berentzen starb überraschend im Jahr 2023 im Alter von 56 Jahren, sein Bruder Christian folgte ihm im Februar 2026 im Alter von 60 Jahren.

Mit dem Tod beider Geschäftsführer geriet das Unternehmen erneut in Schieflage. Kaufmännischer Leiter Christian Kolb erläuterte "Bild" die wirtschaftlichen Hintergründe: "Die Gründe für die Insolvenz sind der hohe Wettbewerbsdruck im Getränkemarkt, gestiegene Transportkosten, anhaltend geringe Margen sowie eine aktuelle Zurückhaltung der Konsumenten. Unser Ziel ist es, den Betrieb aufrechtzuerhalten und fortzuführen."

Das Amtsgericht Koblenz eröffnete am 3. März 2026 das vorläufige Insolvenzverfahren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Alexander Jüchser von der Kanzlei Lieser berufen. Die Eröffnung des eigentlichen Regelinsolvenzverfahrens wurde zunächst um einen Monat auf Anfang Juli verschoben – wegen vertiefter Gespräche mit mehreren Interessenten.

Refresco: Europäischer Marktführer als Retter

Nun steht fest: Mit Refresco Deutschland übernimmt einer der führenden unabhängigen Getränkeabfüller Europas das Traditionsunternehmen. Refresco Deutschland gehört zu 90 Prozent der Refresco Group mit Sitz in Rotterdam (Niederlande) und zählt zu den größten Abfüllern von Handelsmarken und Markenprodukten auf dem Kontinent.

Insolvenzverwalter Jüchser zeigte sich erleichtert: "Ich freue mich, dass die Zeit der Ungewissheit bei Rhenser vorbei ist und das Traditionsunternehmen nun an der Seite eines starken Partners fortgeführt wird. Der Verkauf an einen erfahrenen strategischen Investor ist die Grundlage für einen Neustart, wenngleich nicht alle Beschäftigten übernommen werden konnten."

Auch Rhenser-Geschäftsführer Holger Sieck äußerte sich optimistisch: „Mit Refresco Deutschland hat der Rhenser Mineralbrunnen eine kompetente, starke Muttergesellschaft gefunden. Das Wasser aus Rhens wird also weiter erfrischend sprudeln."

Auch in den News:

Nicht alle Jobs bleiben erhalten

Von den rund 140 Mitarbeiter:innen, die Rhenser bei der Insolvenzanmeldung beschäftigte, wird der "überwiegende Teil" im Rahmen eines Betriebsübergangs zu Refresco wechseln. Wie viele Stellen konkret wegfallen, ist bislang nicht bekannt. Refresco-Deutschland-Geschäftsführer Guido Kühne betonte dennoch: „Wir freuen uns, das Geschäft des Traditionsbetriebes Rhenser Mineralbrunnen fortführen und ausbauen zu können."



Verwendete Quellen:

Bild: "Deutscher Marktführer schluckt insolventen Traditionsbetrieb"

Merkur.de: "Insolvenzverfahren von traditionsreichem deutschem Getränkehersteller – jetzt gibt es Gewissheit"

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