Trotz Rekordjahr

Thermomix floriert - aber Vorwerk verzweifelt an Deutschland

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

Mit dem Thermomix kann man unter anderem Lebensmittel zerkleinern, vermischen und erhitzen.

Bild: Oliver Berg/dpa


- Anzeige -
- Anzeige -

Der neue Thermomix TM7 bescherte Vorwerk ein Rekordjahr. Dennoch sieht Firmenchef Stoffmehl dunkle Wolken aufziehen - für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorwerk hat 2025 so viele Thermomixe verkauft wie noch nie zuvor.

  • Für den Boom ist besonders das neue Modell TM7 verantwortlich.

  • Warum das Wuppertaler Unternehmen lieber in Frankreich fertigen lässt als im heimischen Deutschland, macht Firmenchef Stoffmehl deutlich.

Der Haushaltsgerätehersteller Vorwerk hat 2025 so viele Thermomix-Küchenmaschinen verkauft wie noch nie zuvor. Wie das Unternehmen vor wenigen Tagen mitteilte, wurden mehr als 1,4 Millionen abgesetzt - mehr als eine Million davon vom neu eingeführten Modell TM7. Im Vorjahr waren es gut 1,2 Millionen.

Der TM7 sei die erfolgreichste Produkteinführung der Unternehmensgeschichte, schwärmt Vorstandschef Thomas Stoffmehl. Um ist der Der Umsatz beim Thermomix stieg im vergangenen Jahr um fast 24 Prozent, von 1,7 auf nun 2,1 Milliarden Euro. "Und wir planen weiterhin mit einem ambitionierten Wachstum", betonte Stoffmehl im "Welt"-Interview.

Auch wie das Wachstum erzielt werden soll, erklärt er: "Je mehr Berater im Markt unterwegs sind, desto mehr Geräte werden verkauft." Die Wuppertaler Firma beschäftigte Ende des Jahres knapp 130.000 Berater - rund 15.000 mehr als im Vorjahr. Das 1883 gegründete Unternehmen ist nach eigenen Angaben das drittgrößte Direktvertriebsunternehmen der Welt. Von den Bearter:innen, die allermeisten sind Frauen, sind allein 85 Prozent im Segment Thermomix unterwegs.

- Anzeige -
- Anzeige -

Neues Thermomix-Modell TM7 sorgt für Rekordjahr

Der neue Thermomix, der Lebensmittel unter anderem erhitzen, zerkleinern und vermischen kann, kostet 1.549 Euro. Eine Preiserhöhung ist derzeit nicht geplant. Für Vorwerk ist die 1971 erfundene Küchenmaschine das wichtigste Produkt. Knapp 60 Prozent der Erlöse entfielen zuletzt darauf. Den Rest steuert das Staubsaugersystem Kobold mit rund 22 Prozent bei. 18 Prozent kommen von der hauseigenen akf-Bank.

Das neue Modell TM7 sieht völlig anders aus als sein Vorgänger. So sind etwa Gehäuse und Topf jetzt komplett schwarz, bislang waren sie weiß und edelstahlfarben. "Das Messer ist das einzige Teil, das gleichgeblieben ist", sagt Vorwerk-Chef Stoffmehl der "Welt". Der Motor etwa sei jetzt so leise, dass sich manche Testkocher:innen gefragt hätten, ob das Gerät überhaupt an sei.  Der TM7 soll im Laufe des Jahres zudem von künstlicher Intelligenz (KI) profitieren und neue Anwendungen spendiert bekommen. So sollen Anwender z.B. ein Foto vom Essen im Restaurant uploaden - der Thermomix schlägt dann Rezepte zum Nachkochen vor.


Vorwerk-Boss kritisiert Deutschlands Wirtschaftspolitik scharf

In diesem Jahr wurden laut Unternehmensangaben weltweit bereits mehr als 400.000 Geräte verkauft. Der Thermomix wird in mehr als 60 Ländern vertrieben. Wichtigster Markt bleibt Deutschland. Hierzulande besitze jeder zehnte Haushalt inzwischen einen Thermomix, so Stoffmehl. Laut "Welt" soll das Wachstum hierzulande noch höher sein als im Durchschnitt und bei mehr als 26 Prozent liegen.

Trotz des Erfolgs im Heimatland: Stoffmehl hadert sehr mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Zwar würden einzelne Bauteile wie der Motor des Thermomix im Stammwerk in Wuppertal gefertigt, montiert werden die Geräte aber in zwei Werken in Frankreich.  "In Frankreich gibt es ein ganz anderes Commitment", sagt Stoffmehl in der "Welt". "Wir haben direkte Ansprechpartner in Politik und Verwaltung, die Prozesse auf allen Ebenen beschleunigen, statt sie wie hierzulande leider allzu oft auszubremsen."

Der Firmenchef kritisiert langwierige Diskussionen bei Bauvorhaben sowie die weiter hohe Bürokratiebelastung. Den Wirtschaftsstandort Deutschland. sieht er bedroht: "Wenn ich als Vorstandschef eines Unternehmens darauf schaue, weiß ich nicht, wo das noch hinführen soll."

Besonders die Ampel-Koalition habe ihre Aufgaben nicht erledigt. Doch die schwarz-rote Koalition von Kanzler Friedrich Merz (CDU) macht ihren Job nach Ansicht von Stoffmehl kaum besser. "Aber auch die aktuelle Regierung verkennt meiner Ansicht nach den Handlungsdruck und droht so, mit jedem Tag Vertrauen zu verspielen. Die Menschen haben den Eindruck, dass ihre Probleme nicht schnell genug adressiert werden. Und das gilt für uns als Unternehmen genauso."


Verwendete Quellen:

Welt: "Der Thermomix-Boom offenbart Vorwerks Deutschland-Problem"

Nachrichtenagentur dpa

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken