Potenziell gefährlich
Neue Diskussion um Praxisgebühr: Hausärzte warnen vor "unsozialem" Vorschlag
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von dpaDie Diskussion um die Praxisgebühr nimmt aktuell wieder Fahrt auf.
Bild: DusanJelicic - stock.adobe.com
Als "alte Leier" bezeichnet Patientenschützer Brysch die neu aufgeflammte Debatte über eine Praxisgebühr. Die Ärzte, die unmittelbar damit zu tun hätten, haben dazu eine klare Meinung.
Der Hausärzte-Verband lehnt den Vorstoß zur Einführung einer Kontaktgebühr für Patient:innen in deutschen Arztpraxen rundweg ab. "Dieser Vorschlag der Arbeitgeber ist nicht nur unsozial, sondern auch komplett undurchdacht", sagte die Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth der "Rheinischen Post".
Chronisch Kranke müssten die Gebühr dann Dutzende Male im Jahr bezahlen. "Das würde insbesondere sozial Schwache finanziell komplett überfordern", warnte die Chefin des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Auch würde eine solche Gebühr zwingend notwendige Arztbesuche verhindern, mit schweren gesundheitliche Folgen für die Patient:innen, weil etwa Erkrankungen zu spät behandelt würden oder eine Vorsorgemaßnahme nicht stattfinde.
Zu viele Arzt-Patienten-Kontakte
Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, hatte sich angesichts steigender Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen für eine Kontaktgebühr bei jedem Arztbesuch ausgesprochen. Im "Berlin Playbook"-Podcast von "Politico" sagte er, eine solche Gebühr könne eine stärkere Patientensteuerung herbeiführen und "Ärzte-Hopping" begrenzen.
Buhlinger-Göpfarth räumte ein, dass nicht alle Arzt-Patienten-Kontakte notwendig seien. Die Antwort seien aber keine allgemeinen Kontaktgebühren, sondern eine bessere Patientensteuerung. Dafür brauche es ein hausärztliches Primärarztsystem. Dabei ist die Hausarztpraxis immer die erste Anlaufstelle, die bei Bedarf weitere Fachärztinnen und Fachärzte hinzuzieht.
Es hatte schon einmal eine Praxisgebühr gegeben. Von 2004 bis 2012 wurden beim ersten Arztbesuch im Quartal zehn Euro fällig. Die Politik erhoffte sich unter anderem, dass Menschen nicht wegen Bagatellfällen zum Arzt gehen.
Alte Praxisgebühr ohne Steuerwirkung
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wandte sich gegen eine Neuauflage einer Praxisgebühr. Stiftungsvorstand Eugen Brysch sprach gegenüber ZDF-"heute" von einer "alten Leier". Die 2012 abgeschaffte Gebühr habe "keine Steuerwirkung" gehabt und Patient:innen teils davon abgehalten, rechtzeitig ärztliche Hilfe zu suchen. Auch der Verwaltungsaufwand für Praxen sei hoch gewesen.
Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht in Kontaktgebühren keinen Beitrag zur besseren Steuerung von Patient:innen. "Sie würden die soziale Schieflage in der medizinischen Versorgung weiter verschärfen", sagte Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler zu ZDF-"heute". Stattdessen brauche es ein starkes Primärarztsystem und tragfähige Konzepte für die Versorgung in ländlichen Regionen.
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