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Ben‑Gvirs gefährlicher Aufstieg: Zu extrem fürs Militär – jetzt Israels Polizeichef

Veröffentlicht:

von Emre Bölükbasi

:newstime

Skandal-Video aus Israel sorgt für Wirbel (21. Mai)

Videoclip • 01:50 Min • Ab 12


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Er verspottet gefesselte Aktivist:innen, verehrt einen Attentäter und polarisiert den Nahen Osten: Wie der Extremist Ben-Gvir zum mächtigsten Sicherheitsmann Israels wurde – und warum sein Einfluss das Land spaltet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Itamar Ben‑Gvir provoziert mit drastischen Auftritten und radikalen Forderungen.

  • Der heutige Polizeiminister galt einst selbst der israelischen Armee als zu extrem.

  • Sein politischer Aufstieg zeigt, wie weit ein Hardliner in Israels Krise kommen konnte.

Ein skurriles Video geht im Mai 2026 um die Welt: Israels Polizeiminister Itamar Ben‑Gvir steht zwischen festgenommenen Aktivist:innen einer internationalen Gaza‑Flottille, die Hände auf dem Rücken gefesselt, die Gesichter am Boden. "Willkommen in Israel, wir sind hier die Hausherren", ruft er spöttisch in die Kamera.

Was wie die Provokation eines Internet‑Trolls wirkt, stammt von einem der mächtigsten Männer des Landes – und löst international Entsetzen aus.Wie konnte ein Mann, der einst selbst als zu extrem für die israelische Armee galt, bis an die Spitze der Macht aufsteigen?

Die Geschichte von Itamar Ben‑Gvir ist die eines radikalen Außenseiters, der im permanenten Krisenmodus Israels zum politischen Königsmacher wurde.


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Radikalisiert in jungen Jahren

Ben‑Gvir wird 1976 nahe Jerusalem geboren, als Sohn jüdisch‑irakischer und kurdischer Einwanderer:innen. Während der ersten Intifada Ende der 1980er‑Jahre radikalisiert er sich früh. Er schließt sich der ultrarechten "Kach"-Bewegung an, die später wegen Terrorismus verboten wird. Seine Positionen gelten als so extrem, dass ihn die israelische Armee – in der Wehrpflicht herrscht – vollständig ausmustert.

1995, mitten in einer aufgeheizten politischen Atmosphäre, sorgt der 19‑Jährige landesweit für Entsetzen. Archivaufnahmen aus einer Arte-Dokumentation zeigen eine verstörende Szene: Im Fernsehen präsentiert Ben-Gvir ein Cadillac-Emblem, das er zuvor vom Dienstwagen von Premierminister Izchak Rabin abgebrochen hatte.

Hintergrund ist ein Friedensvertrag, den Rabin mit der palästinensischen politischen Führung ausgearbeitet hatte. Weil Israels Rechte strikt gegen diesen Friedensdeal waren, gingen Ben-Gvir und Gleichgesinnte aggressiv gegen Rabin vor. Sinngemäß erklärte der damals 19-jährige Ben-Gvir, man könne Rabin genauso erreichen wie das Emblem seines Autos. Wenige Wochen später wird Rabin von einem jüdischen Rechtsextremisten ermordet. Ben‑Gvir weist jede Schuld zurück – doch das Bild bleibt haften.

Einst galt Ben-Gvir sogar für das Militär als zu extrem, doch innerhalb von wenigen Jahren arbeitete er sich zum Polizeiminister Israels hoch. (KI-generiertes Bild)

Bild: Magnific/newstime


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Nähe zu israelischem Attentäter und Verurteilung

Ein Jahr später verkleidet er sich an Purim als Baruch Goldstein, der 1994 in Hebron 29 betende Muslime erschossen hatte. Auch die Aufnahmen dieser Szene werden in der Doku festgehalten.

Goldstein gilt in Ben‑Gvirs Umfeld als "Held". Einem Bericht von "The Times of Israel" zufolge hing ein Porträt des Attentäters noch bis 2020 in seinem Wohnzimmer. 2007 zieht die Justiz eine Grenze: Ein Jerusalemer Gericht verurteilt Ben‑Gvir wegen rassistischer Hetze und der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu einer Bewährungsstrafe.

Vom Provokateur zum Profi

Für viele wäre das das Ende jeder politischen Laufbahn. Ben‑Gvir schlägt jedoch einen anderen Weg ein. Er studiert Jura, wird Anwalt und verteidigt jahrelang radikale jüdische Siedler und Extremist:innen, die wegen Gewalt angeklagt sind. Er lernt das System – und dessen Schwächen – von innen kennen.

Immer wieder sucht er die Öffentlichkeit. 2009 lässt er Plakate gegen den damaligen US‑Präsidenten Barack Obama aufhängen, auf denen dieser als "Antisemit" beschimpft wird. 2010 wird Ben‑Gvir in der Jerusalemer Altstadt von der Polizei abgeführt, nachdem er den US‑Stabschef bei einem Besuch wüst beleidigt haben soll.

Rechtsextremist wird zum Polizeiminister

Der entscheidende Durchbruch gelingt Ben‑Gvir erst, als Israels politische Landschaft zunehmend fragmentiert. Mit seiner Partei Otzma Yehudit ("Jüdische Stärke") bleibt er lange eine Randfigur, scheitert mehrfach an der Sperrklausel. Doch im Klima aus Terrorangst, Dauerkrise und politischer Blockade verfängt seine Strategie zunehmend. Ben‑Gvir mäßigt öffentlich seine Sprache, ersetzt Parolen wie "Tod den Arabern" durch "Tod den Terroristen" und stilisiert sich zum kompromisslosen Anwalt der inneren Sicherheit.

Bei der Wahl im November 2022 erzielt sein Bündnis überraschend 14 Mandate. Premierminister Benjamin Netanjahu, auf diese Stimmen angewiesen und von moderaten Partnern gemieden, schließt den Pakt – und ernennt den einst wegen Terrorunterstützung verurteilten Hardliner zum Minister für Nationale Sicherheit. Damit untersteht Ben‑Gvir ausgerechnet jene Polizei, die ihn früher regelmäßig festgenommen hatte.

Gespaltenes Land, gespaltene Partner

Heute gilt Ben-Gvir als ein Minister, der die Regierungsarbeit für Netanjahu aufgrund seiner skurrilen Aussagen und Auftritte erschwert. Im Inneren zeigt sich Israel gespalten: Es sei "absurd, wenn sie uns verbieten, gegen den Krieg zu protestieren", sagte der israelische Friedensaktivist Itamar Avneri im März gegenüber :newstime. "Ich fürchte mich viel mehr davor, meine Rechte zu verlieren, als von einem Polizisten geschlagen zu werden."

Auch außenpolitisch gilt Ben-Gvir als zunehmend isoliert. Das geht sogar so weit, dass der demokratische Minderheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, ihn öffentlich als eine der größten Hürden für den Frieden im Nahen Osten skizzierte. Seine Worte während einer Senatssitzung machen das unmissverständlich klar: "Ein viertes großes Hindernis für den Frieden ist der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, der sich viel zu oft den Forderungen von Extremisten wie den Ministern Smotrich und Ben-Gvir und den Siedlern im Westjordanland gebeugt hat."


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Nachrichtenagentur Reuters

The Times of Israel: "Ben Gvir responds to Bennett: Fine, I’ll take down Baruch Goldstein’s picture"

YouTube-Kanal ARTEde: "Israel - Extremisten an der Macht"

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