KI und Kindererziehung
ChatGPT: Altmans KI-Elternplan sorgt für Streit
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Unternehmen erwarten sinkende Löhne durch KI
Videoclip • 01:13 Min • Ab 12
OpenAI-Chef Sam Altman schlägt vor, ChatGPT mit dem Familienkalender zu verbinden und Kindern morgens automatisch Podcasts vorzuspielen. Fachleute warnen vor zu wenig echter Kommunikation.
Das Wichtigste in Kürze
Sam Altman schlägt vor, ChatGPT mit dem Familienkalender zu verbinden und Kindern morgens automatisch personalisierte Podcasts vorzuspielen.
Fachleute kritisieren, dass Kinder Sprache vor allem durch echte Gespräche, gemeinsames Spielen und menschliche Vorbilder lernen.
Eine Studie warnt zudem vor ähnlichen Sprachmustern von KI-Systemen und möglichen Folgen für die sprachliche und geistige Entwicklung.
OpenAI-Chef Sam Altman hat auf der Plattform X eine Idee für den Einsatz von ChatGPT im Familienalltag vorgestellt. Eltern könnten den Familienkalender mit dem Chatbot verbinden und Interessen ihrer Kinder hinterlegen. Auf dem Weg zur Schule könne dann jeden Morgen ein automatisch erstellter Podcast über Termine, Geburtstage, Nachrichten oder Hobbys informieren.
Der Vorschlag wurde laut den vorliegenden Angaben mehr als 14 Millionen Mal aufgerufen, stieß aber überwiegend auf Kritik. Viele Nutzer:innen fragten, warum Eltern nicht einfach selbst mit ihren Kindern sprechen sollten. Andere warnten davor, private Informationen über Kinder an ein KI-System weiterzugeben.
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Fachleute setzen auf Dialog statt Dauerbeschallung
Die Logopädin Nathalie Frey vom Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik der Universität Würzburg betont gegenüber der "Frankfurter Rundschau", Kinder bräuchten eine "sprachreiche Umgebung, die sich dem Sprachstand des Kindes anpasst". Dabei komme es nicht darauf an, möglichst viele Wörter zu hören, sondern auf die Qualität der Kommunikation.
"Sprachreiche Umgebungen sind nicht unbedingt die, in denen die ganze Zeit Sprache auf das Kind einprasselt", sagt Frey laut "Frankfurter Rundschau". Besonders gemeinsames Spielen und das Betrachten von Bilderbüchern gelten demnach als wirksam, weil Kinder dabei reagieren, nachfragen und selbst sprechen. Ein Podcast, der Termine und Nachrichten vorträgt, biete diese Form der Interaktion nicht.
Kinder brauchen menschliche Vorbilder
Auch der Pädagoge und Buchautor Salman Ansari sieht den KI-Vorschlag kritisch. Kinder lernten Sprache vor allem durch Handlung und Dialog. Erwachsene sollten sie deshalb regelmäßig fragen: "Was denkst du? Was meinst du? Erzähl mir mal." Sprache entwickle sich dort, wo sie gebraucht werde – und nicht durch reines Zuhören.
Ansari warnt zudem davor, digitale Medien als einfache Beschäftigungslösung einzusetzen. Wenn Kinder etwa im Restaurant sofort ein Tablet bekämen und dadurch aus der gemeinsamen Situation herausgenommen würden, sei das eine schlechte Entwicklung. "Sprache lernt man durch Nachahmung", sagt er laut Frankfurter Rundschau. Fehlen menschliche sprachliche Vorbilder, könne diese Entwicklung beeinträchtigt werden.
Auch in den News:
Sorge vor einheitlichen KI-Antworten
Eine weitere Frage betrifft die Inhalte selbst. Eine Studie der Universitäten Washington und Carnegie Mellon mit dem Titel "Artificial Hivemind" kam laut den vorliegenden Angaben zu dem Ergebnis, dass Sprachmodelle häufig auffallend ähnliche sprachliche Muster und Antworten erzeugen. Die Forschenden warnen vor einer möglichen langfristigen Vereinheitlichung des Denkens, wenn Menschen immer wieder denselben KI-Ausgaben ausgesetzt sind.
Für Kinder könnte das besonders relevant sein, weil sie Sprache und Ausdruck erst entwickeln. Fachleute raten deshalb nicht grundsätzlich von KI im Familienalltag ab, sehen sie aber nicht als Ersatz für Gespräche, gemeinsames Spielen oder Vorlesen.
Verwendete Quellen:
Frankfurter Rundschau: "OpenAI-Chef Altman macht Erziehungsvorschlag – fast alle kritisieren ihn"
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