Computerchip-Krise durch Iran-Krieg?
Iran-Krieg gefährdet Chip-Produktion: Experten warnen vor globalem Halbleiter-Schock
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
Iran reagiert auf Trump-Drohung
Videoclip • 33 Sek • Ab 12
Der Iran-Krieg bedroht die weltweite Versorgung mit Computerchips. Besonders kritisch ist Helium aus Katar, das für die Produktion moderner Halbleiter unverzichtbar ist.
Das Wichtigste in Kürze
Die Chip-Industrie ist global stark vernetzt, mit Rohstoffen aus dem Nahen Osten, Chipdesign aus den USA und Produktion vor allem in Taiwan und Südkorea.
Helium aus Katar ist für die Chipproduktion essenziell; wegen des Iran-Kriegs drohen Lieferausfälle durch gedrosselte Gasproduktion und die Sperrung der Straße von Hormus.
Expert:innen warnen, dass Taiwan und Südkorea ohne Helium nach wenigen Monaten die Produktion stoppen müssten – mit der Gefahr eines weltweiten Chipmangels.
Die Computerchip-Branche ist eines der wichtigsten Fundamente der Weltwirtschaft – und gleichzeitig hochsensibel für Störungen. Der aktuelle Iran-Krieg zeigt das deutlich. Denn die Chip-Industrie ist weltweit stark vernetzt und spezialisiert: Golfstaaten liefern Energie und wichtige Rohstoffe, die USA dominieren beim Design der Chips und Länder wie Taiwan und Südkorea produzieren den Großteil der modernen Halbleiter. Gerät ein Glied dieser Kette ins Wanken, kann das die gesamte Branche treffen.
"Das ist weltweit so verzahnt, dass man nicht auf ein einzelnes Land verzichten kann", sagt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei der Consorsbank, im Beitrag der "Tagesschau". Besonders bei Öl- und Gaslieferungen aus dem Nahen Osten sowie beim Edelgas Helium aus Katar gebe es kaum Ausweichmöglichkeiten. "Wenn das wegfällt, bricht eben alles auseinander", warnt Stanzl.
Helium aus Katar wird zum Engpass
Helium, ein Nebenprodukt der Erdgasaufbereitung, ist für die Chipproduktion entscheidend. Es wird vor allem zur Kühlung von hochsensiblen Anlagen eingesetzt. Zwar stammt etwa die Hälfte der weltweiten Heliumproduktion aus den USA, doch diese benötigten das Gas weitgehend selbst, erklärt Stanzl. Viele andere Staaten seien daher auf die rund 40 Prozent angewiesen, die Katar aus der Gasförderung gewinnt.
Genau hier liegt das Problem: Wegen des Konflikts am Golf hat Katar seine Gasproduktion teils gedrosselt oder ganz eingestellt. Gleichzeitig behindert die Sperrung der Straße von Hormus durch Iran den Transport von Öl, Gas und Helium. Das bedeutet, dass weltweit weniger dieser Rohstoffe zur Verfügung stehen – mit direkten Folgen für die Chipindustrie.
Tanjeff Schadt vom Beratungsunternehmen PwC Strategy weist in der "Tagesschau" darauf hin, dass Halbleiterhersteller:innen aus Südkorea bereits vor möglichen Störungen der Lieferkette für wichtige Materialien wie Helium warnen. Noch sei es nicht so weit, dass Lieferungen komplett ausfallen, betont Schadt, aber das Risiko nehme zu.
Auch in den News:
Taiwan und Südkorea besonders verwundbar
Am stärksten gefährdet sind Taiwan und Südkorea. Dort sitzen mit TSMC und Samsung Electronics die entscheidenden Produzenten moderner Chips. "Rund 90 Prozent der modernen Chips werden in Taiwan produziert", erklärt Schadt. Bleiben Gaslieferungen aus Katar länger aus, könnte Taiwan sogar gezwungen sein, Energie zu rationieren.
Stefan Kemper, Chef-Investment-Stratege bei BNP Paribas, ordnet in der ARD-Tagesschau die Bedeutung von TSMC ein: Das Unternehmen verbrauche rund zehn Prozent der gesamten Energie in Taiwan und sei damit der größte Energienutzer des Landes. Müsste Energie rationiert werden, wäre TSMC besonders betroffen – als Folge stünden weltweit weniger Chips zur Verfügung oder sie würden deutlich teurer.
Worst-Case-Szenario: Produktionsstopp nach drei Monaten
Noch kritischer wäre ein längerer Ausfall von Helium. Jochen Stanzl warnt: "Taiwan und Südkorea haben Helium-Vorräte für rund drei Monate. Danach müssen sie die Produktion einstellen, weil Helium bei der Kühlung der Maschinen nicht ersetzt werden kann." Ein solcher Ausfall hätte dramatische Folgen: Die weltweite Lieferkette für Halbleiter und Computerchips würde zusammenbrechen.
Stanzl spricht von einem "Worst-Case-Szenario". Noch gehen Marktbeobachter:innen laut der "Tagesschau" überwiegend davon aus, dass sich die Lage an der Straße von Hormus und in der Golfregion rechtzeitig entspannt. Klar ist jedoch: Der Iran-Krieg macht sichtbar, wie abhängig die Weltwirtschaft von wenigen Rohstoffquellen und Produktionsstandorten ist – und wie schnell aus einem regionalen Konflikt eine globale Chipkrise werden kann.
Verwendete Quellen:
tagesschau.de: "Iran-Krieg gefährdet Chip-Produktion"
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