Kuba bereitet sich auf Angriff vor

Trump droht, Kuba zu "nehmen" – Inselstaat stellt sich auf Eskalation mit den USA ein

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

:newstime

Trump will Kontrolle über Kuba übernehmen

Videoclip • 01:56 Min • Ab 12


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Kuba bereitet sein Militär nach eigenen Angaben auf eine mögliche Aggression der USA vor. Zugleich stürzt eine Ölblockade das Land in eine schwere Energiekrise mit landesweiten Stromausfällen und Protesten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kuba bereitet sein Militär nach Angaben von Vize-Außenminister Carlos Fernández de Cossío auf eine mögliche militärische Aggression der USA vor.

  • Die von der US-Regierung verhängte Ölblockade hat eine massive Energiekrise ausgelöst, landesweite Stromausfälle sorgen für Unruhe und Proteste.

  • Trotz scharfer Rhetorik aus Washington signalisiert Havanna Gesprächsbereitschaft, warnt aber davor, die Gefahr eines Konflikts zu unterschätzen.

Kuba stellt sich nach eigenen Angaben auf eine mögliche militärische Konfrontation mit den USA ein. Hintergrund sind eine drastische Verschärfung der politischen Rhetorik aus Washington und eine Ölblockade, die die Insel in eine der schwersten Energiekrisen seit Jahrzehnten gestürzt hat. Carlos Fernández de Cossío, Havannas stellvertretender Außenminister, sagte in einem Interview mit NBC, es wäre "naiv" von der Staatsführung, die Möglichkeit eines Konflikts mit den USA zu ignorieren.

Die Spannungen nehmen zu, seit US-Präsident Donald Trump und hochrangige Regierungsvertreter:innen offen über einen Regierungswechsel in Kuba sprechen. US-Außenminister Marco Rubio erklärte, Kuba brauche "neue Leute an der Spitze". Trump selbst sagte vor Journalist:innen, er glaube, er werde "die Ehre haben, Kuba zu nehmen". Auf Nachfrage, was er damit meine, antwortete er: "Ob ich es befreie, es nehme – ich glaube, ich kann alles damit machen, was ich will."

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Militär in Alarmbereitschaft – trotzdem Signal zur Diplomatie

Vor diesem Hintergrund erklärte Fernández de Cossío: "Unser Militär ist immer vorbereitet. Und in der Tat bereitet es sich dieser Tage auf die Möglichkeit einer militärischen Aggression vor." Gleichzeitig betonte er, Kuba setze weiterhin auf Diplomatie. "Kuba hat keinen Streit mit den Vereinigten Staaten. Wir haben jedoch das Bedürfnis und das Recht, uns zu schützen. Aber wir sind bereit, uns an einen Tisch zu setzen", sagte der Vize-Außenminister.

Die Aussagen fielen, während Vertreter:innen beider Länder in den vergangenen Wochen Gespräche führen. Dennoch gibt es in Havanna wenig Anlass zur Beruhigung. Beobachter:innen verweisen darauf, dass die USA auch mit Iran und Venezuela verhandelt hatten, bevor es in jüngerer Zeit zu militärischen Interventionen kam. Im Januar wurde etwa Venezuelas ehemaliger Präsident Nicolás Maduro in Caracas festgenommen. Er und seine Frau sehen sich in den USA Anklagen wegen Drogenhandels gegenüber.

Ölblockade trifft Kubas Wirtschaft ins Mark

Besonders hart trifft Kuba die von der Trump-Regierung verhängte Ölblockade. Die Insel produziert nach eigenen Angaben nur rund 40 Prozent des Treibstoffs, den sie für ihre Wirtschaft benötigt, und war stark von Öllieferungen aus Venezuela abhängig. Laut einem Bericht des Magazins "The Atlantic" sehen ungenannte US-Beamt:innen die Operation gegen Maduro in Caracas als "Generalprobe" für ein ähnliches Vorgehen in Havanna.

Seit der Festnahme Maduros hat Trump eine strikte Blockade verhängt und angedroht, jedem Land Zölle aufzuerlegen, das Öl an Kuba liefert. In diesem Jahr sei bislang kein Öl angekommen, heißt es aus Havanna. Das Land stehe damit vor der schlimmsten Energiekrise seit Jahrzehnten.

Auch in den News:

Stromausfälle, Proteste und wachsende Unruhe

Die Folgen spürt die Bevölkerung direkt: Das kubanische Energieministerium meldete am Samstag eine "vollständige Abschaltung" des nationalen Stromnetzes. Am Sonntag versuchten die Behörden, die Stromversorgung schrittweise wiederherzustellen. In einigen Vierteln Havannas kehrte der Strom zurück, viele der rund zehn Millionen Einwohner:innen saßen jedoch weiter im Dunkeln. Es war bereits der zweite vollständige Blackout innerhalb weniger Tage.

Proteste sind in Kuba selten, doch die anhaltenden Ausfälle haben zu wachsender Unruhe geführt. Schulen mussten schließen, Müll sammelt sich auf den Straßen, Menschen schlagen aus Protest auf Töpfe und Pfannen und blockieren teilweise mit Feuern wichtige Straßen. Fernández de Cossío machte im Interview die US-Politik mitverantwortlich und sagte mit Blick auf die Ölblockade: "Wir hoffen sehr, dass Treibstoff auf die eine oder andere Weise Kuba erreichen wird und dass dieser Boykott, den die Vereinigten Staaten verhängt haben, nicht anhält und nicht ewig aufrechterhalten werden kann."

Die kubanische Regierung steht damit vor einem doppelten Druck: außenpolitisch durch die scharfe Rhetorik aus Washington und wirtschaftlich durch die Energiekrise im Land. Ob die laufenden Gespräche zwischen Havanna und Washington eine Entschärfung bringen oder ob sich der Konflikt weiter zuspitzt, ist derzeit völlig offen.


Verwendete Quellen:

NBC: "Cuba's deputy foreign minister says its military is preparing for possible 'aggression' from the U.S."

The Atlantic: "Trump’s Eye Is Already on Cuba"

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