"Gut, dass bald ein neuer Botschafter kommt"

Botschafter Steffen Seibert erntet Kritik wegen Israel-Kommentar

Veröffentlicht:

von Jana Wejkum

:newstime

Israel will Libanon-Einsatz ausweiten

Videoclip • 31 Sek • Ab 12


- Anzeige -
- Anzeige -

Er übt Kritik an israelischer Siedlergewalt im Westjordanland – und bekommt dafür heftigen Gegenwind zu spüren. Das sagt Außenminister Wadephul zu dem Vorfall.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der deutsche Botschafter Steffen Seibert und der israelische Außenminister Gideon Saar lieferten sich eine Auseinandersetzung auf X.

  • Saar beschuldigte ihn, den Tod eines Juden durch einen Palästinenser nicht verurteilen zu können, und deutete an, dass ein neuer Botschafter besser für die israelisch-deutschen Beziehungen sei.

  • Laut des Auswärtigen Amts sei der Streit mit einem Telefonat zwischen Außenminister Wadephul und seinem Amtskollegen beigelegt worden.

Ein Streitgespräch des deutschen Botschafters in Israel, Steffen Seibert, und des israelischen Außenministers Gideon Saar ist auf der Plattform X eskaliert. Grund dafür ist die Kritik Seiberts an Siedlergewalt gegen palästinensische Dorfbewohner:innen im Westjordanland.

Der israelische Außenminister warf ihm vor, keine Empathie für Israel zu haben: "Botschafter Seibert fällt es schwer, Angriffe auf Israelis zu verurteilen, ohne die Palästinenser zu erwähnen. Seine "Obsession" hindere ihn daran, den Tod eines Juden durch einen Palästinenser zu verurteilen. "Gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter kommt – einer, der die israelisch-deutschen Beziehungen stärken wird", fügte er hinzu. Ende Februar hatte Alexander Graf Lambsdorff, der deutsche Botschafter in Moskau, seinen Wechsel nach Israel bestätigt.

Externer Inhalt

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube.

Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.

- Anzeige -
- Anzeige -

Israeli stirbt durch Hisbollah-Beschuss

Seibert hatte am Sonntagabend (22. März) auf X von einem Tag der Trauer und Empörung nach dem Tod eines Israelis durch Hisbollah-Beschuss und hunderten Verletzten durch iranische Raketen gesprochen. In einer "parallelen Realität" habe es Ausschreitungen von Siedler:innen in palästinensischen Dörfern gegeben, "nach dem Tod eines von ihnen, den es zu untersuchen gilt".

Der Post bezieht sich laut "Spiegel" auf den Tod eines israelischen Avocadofarmers, der nach damaligem Wissensstand vermutlich von der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah getötet worden war. Stand 23. März sei laut "Spiegel" Artilleriebeschuss der israelischen Streitkräfte verantwortlich. Zudem seien bei Arad und Dimona mehr als hundert Israelis durch iranischen Beschuss verletzt worden.

Im zweiten Teil geht es vermutlich um einen Angriff auf palästinensische Dörfer im Westjordanland, bei dem mehrere Menschen verletzt und ein hoher Sachschaden entstanden sei.

Derartige Ausschreitungen haben seit dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 deutlich zugenommen. Inmitten von drei Millionen Palästinenser:innen leben im Westjordanland rund 700.000 israelische Siedler:innen. Die Palästinenser:innen sehen das Gebiet als einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Wadephul stärkt Seibert den Rücken

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts befürwortet die Äußerung des Botschafters: "Es ist ganz klar, dass es auch die Aufgabe unseres Botschafters ist, Themen anzusprechen, bei denen wir Differenzen haben." Außenminister Johann Wadephul (CDU) habe, so der Sprecher, den israelischen Amtskollegen persönlich am Sonntagabend angerufen und Seiberts Unterstützung für Israel betont. Damit sei "die Sache auch ausgeräumt", ergänzte der Sprecher.

Ein Streit auf X sei nicht das "das optimale Gesprächsformat, um Meinungsverschiedenheiten auszuräumen", erklärte er weiter. Darum habe Wadephul Saar angerufen. In dem mehr als halbstündigen Gespräch sei die Auseinandersetzung mit Seibert nur kurz Thema gewesen. Wadephul habe darauf verwiesen, dass es ein deutlich entschiedeneres Vorgehen gegen Siedlergewalt im Westjordanland brauche. Der Außenminister hatte das Thema bei seinem Besuch in Israel Anfang März selbst angesprochen.

Auch in den News:

Seibert: "Wir stehen in diesem Krieg mit Israel"

Seibert hat auf die Antwort des israelischen Außenministers Saar auf X reagiert. Er betonte, dass Deutschland in diesem Krieg auf der Seite Israels stehe: "Ich habe öffentlich Irans zufälliges Abzielen auf israelische Zivilist:innen und den verbrecherischen Einsatz von Streubomben verurteilt". Deutschland habe sich klar positioniert. "Die Gewalt der Siedler bereitet uns, wie auch dem israelischen Präsidenten und anderen führenden Politikern, große Sorgen", stellte er klar.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Spiegel: "Israels Außenminister kanzelt Botschafter Seibert ab"

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken