25 Milliarden Tonnen Defizit
Wasserspeicher in Deutschland leeren sich: Das sind die Folgen
Veröffentlicht:
von Jana Wejkum:newstime
Deutschland: Wasserspeicher sind erneut im Minus
Videoclip • 01:22 Min • Ab 12
Jahrelange Dürre fordert ihren Preis: Das Wasserdefizit in Deutschland hat sich seit 2023 mehr als verdoppelt. Auch im Rest von Europa ist die Lage ernst.
Das Wichtigste in Kürze
Eine Studie des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung zeigt: Deutschland hatte 2025 ein Wasserdefizit von 25 Milliarden Tonnen – mehr als doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren.
Auf allen Kontinenten nimmt die Menge des gespeicherten Süßwassers ab, nur in Ozeanien und Afrika erholen sich die Speicher.
Durch den Klimawandel wird Wassermangel extremer – auch in Deutschland kommt es bereits zunehmend zu Nutzungskonflikten.
Die globalen Süßwasservorräte sind aufgrund des Klimawandels geschrumpft. Das zeigen Daten des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung auf Basis der Satellitenmissionen GRACE und GRACE-FO. Mit deren Hilfe wird seit 24 Jahren die Verteilung und Menge der Wassermassen auf der Erde bestimmt.
Das sind die wichtigsten Eckpunkte der neuen Studie:
Wie steht es um die Wasserspeicher in Deutschland?
Im vergangenen Jahr fielen in Deutschland 18 Prozent weniger Niederschläge als im Durchschnitt. Höhere Temperaturen haben die Verdunstung erhöht und damit die Wasserspeicherung weiter beeinträchtigt.
Seit 2002 hat sich in Deutschland bis Ende 2025 ein Defizit von rund 25 Milliarden Tonnen Wasser im Vergleich zum Mittelwert des betrachteten Zeitraums aufgebaut. Zum Vergleich: 2023 waren es noch zehn Milliarden Tonnen, weniger als die Hälfte.
War 2025 nur ausnahmsweise ein sehr trockenes Jahr?
Die Forschenden des Helmholtz-Zentrums stellen fest, dass sich die Wasserspeicher in Westeuropa – und damit auch Deutschland – seit 2014 kontinuierlich leeren. In Deutschland ist seit 2018 eine großräumige Trockenheit erkennbar.
Zwar gab es 2024 überdurchschnittlich viele Niederschläge – 15 Prozent mehr als im langjährigen Mittel –, das reichte aber nicht aus, um die Speicher langfristig wieder zu füllen. Die Veränderung ist nicht auf Wetterkapriolen, sondern auf eine langfristige Veränderung der Niederschlagsmenge und der Temperaturen aufgrund des Klimawandels zurückzuführen.
Auch in den News:
Sind auch andere Regionen vom Wassermangel betroffen?
Alle Bereiche Europas zeigen laut den Daten eine Abnahme der Wasserspeicherung. Besonders gravierend sind dabei die schwindenden Gletscher auf Island betroffen.
Das ist Teil eines globalen Trends: In fast allen Regionen der Welt hat die Wasserspeicherung abgenommen. Ein desolates Bild zeichnet sich in der Arktis, die aufgrund der rapiden Gletscherschmelze nach 2010 in den tiefroten Verlustbereich abgerutscht ist. Lediglich in Afrika und Ozeanien (zu dem Australien gehört) wurden die Wasserspeicher teils deutlich größer.
Weltweit nehmen die Extreme der Wasserspeicherung zu. Nur noch ein Drittel der Landfläche wies 2025 noch einen normalen Speicherstand auf. Im Jahr 2009 waren es noch drei Viertel. Insgesamt hat sich der Anteil trockener Gebiete in diesem Zeitraum mit nahezu 43 Prozent mehr als verdreifacht.
Was bedeutet die Wasserknappheit für Deutschland?
Der BUND gibt in einer Studie über Grundwasserstress in Deutschland 2025 an, dass bereits die Hälfte der Landkreise davon betroffen ist. 94 von ihnen sind akut gefährdet. Wassermangel führt dazu, dass Flüsse nicht mehr schiffbar sind, Wälder absterben und Ernten ausfallen. Hitzeperioden erhöhen den Wasserbedarf in Privathaushalten und der Landwirtschaft. Mehr als 80 Landkreise haben 2023 die Wasserentnahme beschränkt. Trotzdem wird in 141 das Grundwasser strukturell übernutzt.
Das Umweltbundesamt veröffentlichte 2024 die Grundlagenstudie "WADKlim", die die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit untersucht. Demnach hat es seit 2015 regelmäßig Wassernutzungskonflikte gegeben, die zum großen Teil mit der Menge des verfügbaren Grund- und Oberflächenwassers sowie der Trinkwasserversorgung zu tun hatten.
Die Umweltorganisation NABU schätzt, dass der Deutschen Wirtschaft durch Wasserknappheit ein erheblicher Schaden entsteht. Eine Untersuchung gemeinsam mit der Boston Consulting Group (BCG) hat ergeben, dass Kosten von 500 bis 625 Milliarden Euro innerhalb der nächsten 25 Jahre entstehen könnten. "Dagegen erfordern gezielte frühzeitige Investitionen insgesamt geschätzte 15 bis 20 Milliarden Euro", so der NABU.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Global Water Storage: "Satellitendaten zeigen dramatische Veränderungen der globalen Wasserspeicherung" (GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung)
Umweltbundesamt: "Auswirkung des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit − Anpassung an Trockenheit und Dürre in Deutschland"
BUND: "Grundwasserstress in Deutschland"
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