Lübecker Bucht
Ostsee: Rettungsaktion für gestrandeten Wal wird Freitag fortgesetzt
Aktualisiert:
von Christopher Schmitt:newstime
XXL-Bagger graben Rinne für Ostsee-Wal
Videoclip • 03:07 Min • Ab 12
Gelingt doch noch die Rettung? Bei Timmendorfer Strand an der Ostseeküste steckt ein Großwal fest. Bojen und eine Rampe sollen jetzt beim Baggereinsatz helfen.
+++ Update 20:55 Uhr: Buckelwal verändert seine Position +++
Momente der Hoffnung bei den Rettungsversuchen für den vor Timmendorfer Strand festsitzenden Buckelwal: Nach stundenlangem Einsatz von Baggern konnte das schätzungsweise 12 bis 15 Meter lange Tier am Donnerstagabend immerhin ein Stück seine Position verändern, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) berichtete.
Trotz zunehmender Dunkelheit waren Einsatzkräfte am Abend weiterhin aktiv und versuchten teils auch mit Lärm den Meeressäuger dazu zu bringen, sich weiterzubewegen.
Bis in die Dunkelheit und bei Scheinwerferlicht haben Einsatzkräfte an der Rettung des vor Timmendorfer Strand festsitzenden Buckelwals gearbeitet. Doch auch am Donnerstagabend musste der Einsatz erfolglos beendet werden. Am Freitagmorgen solle es weitergehen, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke.
Stephanie Groß, Walexpertin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), sagte, der Wal sei motiviert.
Bagger graben Rettungsrinne
Es könnte die letzte Chance sein, den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal zu retten. Ein großer Schaufelbagger hat am Donnerstagmorgen (26. März) mit dem Graben einer Rettungsrinne begonnen. Zusammen mit einem zweiten Bagger soll er nun eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals graben. So könnte der Wal zurück ins tiefere Wasser gelangen, ohne sich umzudrehen.
Man wolle das Tier langsam an die Geräusche gewöhnen, erklärte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Die Arbeiten erforderten höchste Konzentration, weil man sich bis auf wenige Zentimeter an den Kopf des Tieres heranarbeiten müsse. Das sei für den Wal nicht ganz ungefährlich. Der Meeressäuger habe sich laut Stephanie Groß, Walexpertin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) aber bislang motiviert gezeigt.
Trübes Wasser erschwert Arbeiten
Der Baggereinsatz dauert am Donnerstagnachmittag weiter an. Ein schwimmender Schaufelbagger hat direkt um den Wal herum Sand abgetragen. Die Rinne zu graben, gestalte sich jedoch schwierig, erklärt Stephanie Groß, Walexpertin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW): Der Baggerfahrer könne im trüben Wasser nicht immer erkennen, wo er bereits Sand bewegt habe. Die Rinne solle deshalb mit Bojen markiert werden. Ein zweiter Bagger baue inzwischen eine Rampe, um näher an den Wal heranzukommen.
Wal reagiert "mit heftigen Bewegungen"
Seit mindestens Montagmorgen (23. März) steckt der männliche Buckelwal auf einer Sandbank vor dem Ortsteil Niendorf der Gemeinde Timmendorfer Strand fest. Vor Beginn des Rettungsversuchs am Donnerstag hatte sich der Biologe Robert Marc Lehmann dem festsitzenden Tier genähert. Der Buckelwal reagierte mit heftigen Bewegungen und lautem Schnauben. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte, dass der Zustand des Tiers relativ gut sei. Das habe eine Begutachtung durch einen Taucher ergeben.
Am Mittwoch (25. März) hatte der Wal anders als zuvor kein regelmäßiges Brummen mehr von sich gegeben. Auch die Haut des Wals sei beschädigt. Expert:innen des Deutschen Meeresmuseums hatten am Dienstag (24. März) von schlechten Aussichten für das Tier gesprochen. "Der Gesundheitszustand des Wals ist besorgniserregend, sowohl seine Haut als auch den Allgemeinzustand betreffend", hieß es.
Wal größer als gedacht
Die Rettung ist kompliziert: Wind und Strömung erschweren die Arbeiten. Hinzu kommt: Der Wal ist größer als zunächst angenommen. Messungen hätten ergeben, dass er zwischen zwölf und 15 Metern lang ist und geschätzt 15 Tonnen auf die Waage bringt, so Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Ein so massives Tier zu bewegen, sei umso schwieriger. In der Ostsee gibt es auch keine deutliche Tide, die dabei helfen könnte, den Wal in tiefes Wasser zu spülen.
Der Versuch, den Wal mit einem kleineren Saugbagger freizuschaufeln, war am Dienstag gescheitert. "Leider hat sich herausgestellt, dass der Sand zu fest ist", erklärt ITAW-Walexpertin Stephanie Groß.
Bei der gescheiterten Rettungsaktion waren auch Polizei-Boote, Schlauchboote sowie Feuerwehr-Drohnen eingesetzt worden. Die Polizei hatte am Dienstagmorgen erklärt, dass das Hochwasser gegen Mitternacht nicht dafür gesorgt habe, dass sich der Wal aus eigener Kraft freischwimmen konnte.
Geleit zur Nordsee geplant
Sollte die Rettung gelingen, steht dem Wal eine lange Reise bevor. Denn Buckelwale leben normalerweise nicht in der Ostsee, erklärt der "NDR". Sie wandern je nach Jahreszeit in den Nordatlantik oder Nordpazifik oder in tropische und subtropische Gewässer. In der Ostsee stimmt der Salzgehalt für die Tiere nicht und es gibt weniger Nahrung.
Der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, habe eigenen Angaben nach Unterstützung bei Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU) angefordert. Mit Schiffen solle das Tier von der Ostsee in die Nordsee geleitet wird. Die Ministerin habe laut dem Bürgermeister die nötige Unterstützung zugesagt.
Auch in den News:
Schaulustige behinderten Rettungsmaßnahmen
Unklar bleibt, wieso der Wal in der Lübecker Bucht gestrandet ist. ITAW-Expertin Stephanie Groß erklärte, er könne verletzt oder krank sein, möglicherweise auch einfach erschöpft. Auch versehentlich könnte er in den Flachwasserbereich gelangt sein.
Die Nachricht vom gestrandeten Wal lockt auch viele Schaulustige an. Allerdings blieb es teilweise nicht beim einfachen Zuschauen aus der Ferne. Die Rettungsmaßnahmen sind nach Angaben des Bürgermeisters Sven Partheil-Böhnke vereinzelt behindert worden. Er forderte Schaulustige auf, die Maßnahmen rund um das gestrandete Tier nicht zu stören.
Menschen haben demnach beispielsweise am Montag (23. März) versucht, sich dem Tier mit Ruder- und Schlauchbooten zu nähern oder Absperrungen zu umgehen. Ihnen sei offenbar egal, was das mit dem Wal mache, kritisierte Partheil-Böhnke. Er verurteilte die Aktionen und appellierte an die Öffentlichkeit, das Tier in Ruhe zu lassen. Solche Annäherungsversuche versetzten den Wal in Panik und erschwerten die ohnehin komplexen Rettungsmaßnahmen.
Wal wurde wohl bereits mehrfach gesehen
Ein Polizeisprecher hatte bereits am Montagvormittag mitgeteilt, man wolle mit allen möglichen Mitteln versuchen, das Tier an einen Ort zu bringen, wo es wieder schwimmen könne. Doch "das gestaltet sich natürlich schwierig".
Schon seit einiger Zeit wurden Walsichtungen an der Ostsee gemeldet, erstmals Anfang des Monats im Wismarer Hafen. Damals hatte sich der Wal in einem Netz verfangen, Einsatzkräfte halfen, ihn weitgehend davon zu befreien. Laut Polizei wird davon ausgegangen, dass es sich um das gleiche Tier handelt. Weitere Netzreste wurden vergangenen Freitag (20. März) vor Travemünde von Sea Sheperd entfernt, wie die Organisation mitgeteilt hatte.
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