Mit Streik zum Erfolg
GDL: Was die Gewerkschaft will und wie sie die Bahnbranche prägt
Aktualisiert:
von Jacqueline Bittl:newstime
GDL: Wie die Gewerkschaft die Bahnbranche prägt
Videoclip • 01:11 Min • Ab 12
Die GDL gehört zu den einflussreichsten, aber auch umstrittensten Gewerkschaften in Deutschland. Sie kämpft für bessere Arbeitsbedingungen im Bahnsektor, sorgt mit Streiks regelmäßig für Aufmerksamkeit und steht im Wettbewerb mit der EVG. Ein Überblick über Ziele, Geschichte und aktuelle Entwicklungen.
Das Wichtigste in Kürze
Die GDL vertritt rund 40.000 Beschäftigte der Bahnbranche und setzt sich vor allem für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen ein.
Im Wettbewerb mit der größeren EVG kommt es regelmäßig zu Konflikten um Tarifverträge und Einfluss.
Die Tarifrunde 2026 markiert einen Wendepunkt, da erstmals seit Jahren eine Einigung ohne Streiks erzielt wurde.
Die GDL und ihr Anliegen – das möchte die Gewerkschaft erreichen
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ist eine Arbeitnehmer:innenvertretung in der Eisenbahnbranche. Ursprünglich verhandelte sie vor allem für Lokomotivführer:innen, inzwischen vertritt sie aber auch weitere Berufsgruppen wie Zugbegleiter:innen, Disponent:innen, Fahrdienstleiter:innen oder die betriebsnahe Instandhaltung. Die GDL gehört zum Deutschen Beamtenbund (dbb) und nicht zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).
Mit einer Gründung im Jahr 1867 ist die GDL eine der ältesten Gewerkschaften Deutschlands. Sie vertritt das Personal der Eisenbahnverkehrs- und Infrastrukturunternehmen in Deutschland. Laut Satzung ist es ihr Anliegen, die "beruflichen, sozialen, wirtschaftlichen, rechtlichen und ökologischen Interessen ihrer Mitglieder zu wahren und zu fördern". Im Grundsatz kämpft die GDL für eine bessere Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen des Eisenbahnpersonals verschiedener Bahnunternehmen. Sie ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und diverser privater Eisenbahnunternehmen.
Die Generalversammlung findet alle vier Jahre statt und ist das oberste Organ der GDL. An die Beschlüsse sind alle nachgeordneten GDL-Organe und -Mitglieder gebunden. Die Generalversammlung bestimmt die allgemeinen Richtlinien für die Gewerkschaftspolitik, nimmt den Geschäfts- und Kassenbericht entgegen und wählt den geschäftsführenden Vorstand.
Die GDL ist hierarchisch in mehrere Ebenen aufgebaut. Auf Bundesebene stehen der geschäftsführende Vorstand, der hauptberuflich arbeitet und die Beschlüsse umsetzt, sowie der Hauptvorstand, der als oberstes Organ zwischen den Generalversammlungen grundlegende Entscheidungen trifft. Darunter folgt die Bezirksebene mit dem Bezirksvorstand, der die Beschlüsse der Bezirksversammlung umsetzt und die Mitglieder vor Ort vertritt. Auf der untersten Ebene bestehen zahlreiche Ortsgruppen, in denen die Mitglieder organisiert sind, Versammlungen stattfinden und Vorstände gewählt werden. Ergänzt wird die Struktur durch die GDL-Jugend als eigenständige Organisation für Mitglieder bis 30 Jahre, die deren Interessen innerhalb der Gewerkschaft vertritt.
Nach eigenen Angaben hat die GDL in Deutschland fast 40.000 Mitglieder. Seit September 2024 wird die GDL von Mario Reiß geführt, der den langjährigen Vorsitzenden Claus Weselsky ablöste. Die Gewerkschaft ist die kleinere von zwei Gewerkschaften bei der Bahn und konkurriert mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Mitglieder.
Entstehung und Geschichte der GDL
Die Ursprünge der GDL liegen im "Verein Deutscher Lokomotivführer (VDL)", der 1867 gegründet wurde. Dieser sammelte die Lokomotivführer:innen unter sich, organisierte eine bessere Altersversorgung und setzte sich für einen sicheren Eisenbahnverkehr ein. 1919 wurde der Verein offiziell zur Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und fungierte fortan als eigenständige Gewerkschaft.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Gewerkschaften verboten, und die GDL wurde trotz Widerstands 1937 zerschlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1946/47 in den westlichen Besatzungszonen zur Wiedergründung erster Ortsgruppen der GDL. 1949 fand die erste Generalversammlung statt und die GDL trat dem Deutschen Beamtenbund (dbb) bei. Nach der Wende gründete sich 1990 in der damaligen DDR die GDL als erste freie Gewerkschaft. 1991 vereinigten sich die beiden Lokomotivführergewerkschaften in West und Ost zur gesamtdeutschen GDL.
Auch in den News:
Konkurrenz und Konflikte zwischen GDL und EVG
Die GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) und die EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) sind zwei konkurrierende Gewerkschaften bei der Deutschen Bahn, die sich in mehreren wesentlichen Punkten unterscheiden.
Die EVG ist die größere Gewerkschaft mit rund 180.000 Mitgliedern und vertritt gut 192.000 DB-Beschäftigte. Ihr Organisationsgrad bei der Deutschen Bahn liegt zwischen 50 und 70 Prozent. Die GDL ist mit knapp 40.000 Mitgliedern deutlich kleiner. Die Bahn spricht von rund 10.000 betroffenen Beschäftigten, die GDL besteht darauf, dass es mehr sind, nennt die genaue Zahl aber nicht. Die beiden Gewerkschaften gehören zu unterschiedlichen Dachorganisationen: Die EVG ist Teil des DGB, während die GDL unter dem dbb organisiert ist.
Beide Gewerkschaften liefern sich seit Jahren einen Machtkampf, vor allem um neue Mitglieder. Denn das Personal in den verschiedenen Bahnunternehmen kann selbst entscheiden, welche Gewerkschaft die eigenen Interessen vertreten soll. Insbesondere durch das am 22. Mai 2015 verabschiedete Tarifeinheitsgesetz wurde der Konkurrenzkampf verschärft. Dieses Gesetz schreibt vor, dass bei konkurrierenden Gewerkschaften in einem Betrieb nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Arbeitnehmer:innenvertretung zur Anwendung kommt. In den meisten der rund 300 Bahnbetriebe ist das die EVG. Die GDL wendet ihre Tarifverträge derzeit in nur 16 Betrieben an, hat dafür bei den privaten Bahnunternehmen die Nase vorn.
Noch am Tag der Gesetzesverabschiedung reichte die GDL, die sich durch geringere Mitgliederzahlen in Gefahr sah, Verfassungsbeschwerde wegen Verletzung der Grundrechte ein. Die im Grundgesetz garantierte Koalitionsfreiheit sei gefährdet. 2017 wurde die Klage abgelehnt. 2022 hielt auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Gesetz für rechtskonform und wies damit eine Beschwerde des dbb zurück.
Abseits des Kampfes um Mitglieder und der Konkurrenz durch das Tarifeinheitsgesetz gibt es zwischen beiden Gewerkschaften weitere Streitpunkte.
Die EVG kritisiert den harschen Ton und die Rhetorik der GDL, insbesondere unter dem ehemaligen Vorsitzenden Claus Weselsky. "Tarifauseinandersetzungen, auch wenn sie hart geführt werden, sind zulässig. Die Rhetorik und das Verhalten des Vorsitzenden der GDL und eines Teils seiner Funktionäre spalten jedoch die Belegschaft und gefährden den Betriebsfrieden", sagte EVG-Vorsitzender Klaus-Dieter Hommel der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die EVG forderte die GDL auf, sich von Anfeindungen gegenüber Mitgliedern zu distanzieren.
Ein weiterer Konfliktpunkt entsteht, wenn die GDL bessere Tarifabschlüsse als die EVG aushandelt. Die EVG will solchen Abschlüssen nicht tatenlos zusehen und prüft ihr weiteres Vorgehen auf Basis von Sonderkündigungsrechten. Nach einem GDL-Tarifabschluss 2021 gab es Nachverhandlungen zwischen Bahn und EVG, die schließlich zu einem Abschluss in gleicher Höhe führten. GDL-Chef Weselsky kritisierte dies gegenüber der dpa: "Wir geben Millionen aus, gehen in den Streik, lassen uns beschimpfen, und am Ende des Tages dürfen wir zuschauen, wie der Tarifabschluss den anderen hinterhergetragen wird." Die Deutsche Bahn hat im März 2024 nach erneuter Tarifeinigung mit der GDL erklärt, dass es keine Nachverhandlungen mit der EVG geben werde.
Auch eine private Fehde erschüttert das Verhältnis zwischen GDL und EVG. Als sich die EVG 2010 aus dem Zusammenschluss der beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA bildete, sagte GDL-Chef Weselsky auf einer Protestveranstaltung: "Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus." Diese Aussage zog viel Kritik nach sich, besonders EVG-Chef Alexander Kirchner, dessen Sohn mit Behinderung auf die Welt kam und an der Folge starb, fühlte sich persönlich angegriffen. Auch wenn sich Weselsky kurze Zeit später für die Aussage entschuldigte, bleibt das Verhältnis zerrüttet.
Wichtige tarifpolitische Ereignisse der GDL
2002: Die GDL setzte sich erfolgreich gegen bereits unterschriebene Tarifverträge anderer Gewerkschaften durch und legte den Grundstein für ihre eigenständige Tarifhoheit.
2006: Die GDL vertritt nicht mehr nur Lokomotivführer:innen, sondern das gesamte Fahrpersonal der Deutschen Bahn. Ursprünglich war hier auch der öffentliche Personennahverkehr integriert, der wurde 2012 an die Nahverkehrsgewerkschaft im Beamtenbund abgegeben.
2007/2008: Mit dem Lokomotivführervertrag (LfTV) sichert sich die GDL das Recht, eigenständiger Tarifpartner der Deutschen Bahn zu sein. Dem Beschluss ging ein langer Tarifkonflikt mit der DB voraus, mit den ersten flächendeckenden Lokführer:innenstreiks. Nach der Beendigung der Verhandlungen gab Manfred Schell den GDL-Vorsitz an Claus Weselsky ab.
2010/2011: Die GDL schuf den Bundes-Rahmen-Lokomotivführertarifvertrag (BuRa‑LfTV), der dafür sorgt, dass das Gehalt bei der DB und Privatbahnen angeglichen wird. Um eine Zustimmung zu erzwingen, kam es besonders in Norddeutschland zu wochenlangen Streiks. Als auch mit einem Schlichtungsverfahren keine Einigung erzielt werden kann, muss die GDL die Streiks in vielen Orten einstellen.
2012: Ein Flächentarifvertrag für das gesamte Zugpersonal wurde eingeführt, um Wettbewerbsverzerrungen und Lohndumping im liberalisierten Bahnmarkt zu verhindern.
2014/2015: Abschluss des bundesweiten Rahmen-Zugtarifvertrags (BuRa-Zug-TV), der nicht nur mit der Deutschen Bahn, sondern auch mit privaten Wettbewerbsbahnen vereinbart wurde und die Tarifhoheit der GDL weiter festigte.
2016/2017: Die Gewerkschaft setzte unter dem Motto "Mehr Plan, mehr Leben" bei der DB bessere Arbeitszeiten und eine verbindliche Schichtplanung für das Zugpersonal durch. Diese Standards wurden ab 2018 schrittweise auch auf Wettbewerbsbahnen übertragen.
2020/2021: Während der Corona-Pandemie appellierte die DB an die Gewerkschaften, bei den Verhandlungen die Milliardenverluste der Deutschen Bahn aufgrund der Pandemie-Restriktionen zu beachten. Der damalige GDL-Chef Weselsky wollte seine Forderungen nach mehr Gehalt und einer Coronazulage dennoch mit Streiks durchsetzen. Im September 2021 einigt man sich auf einen Tarifvertrag ohne Berufsgruppeneinschränkung.
2023/2024: Im November 2023 rief die GDL bereits kurz nach Verhandlungsbeginn zu einem 20-stündigen Warnstreik auf, woraufhin die Deutsche Bahn die zweite Tarifverhandlungsrunde absagte. Die GDL forderte damals unter anderem 555 Euro mehr im Monat sowie eine Absenkung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Wochenstunden für Schichtarbeiter:innen bei vollem Lohn. Als die GDL ihre Arbeitskämpfe im März 2024 fortsetzte und Streiks mit deutlich kürzerer Vorlaufzeit ankündigte – teilweise nur etwas mehr als 24 Stunden vor Streikbeginn – wurde schließlich eine Einigung erzielt.
2026: Die Tarifrunde 2026 markierte einen historischen Wendepunkt: Erstmals seit 2018 einigten sich Bahn und GDL ohne Arbeitskämpfe. Nach fünf Verhandlungsrunden zwischen Januar und Februar 2026 wurde am 27. Februar eine Einigung erzielt. Der neue GDL-Vorsitzende Mario Reiß setzte dabei auf einen deutlich anderen Verhandlungsstil als sein Vorgänger. Die Einigung sah eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um jeweils 2,5 Prozent in zwei Schritten sowie eine Einmalzahlung von 700 Euro vor. Zudem konnte die GDL ihre Forderung nach einer zusätzlichen Entgeltstufe für Beschäftigte mit besonders langer Berufserfahrung durchsetzen.
Wenn sich ein Arbeitgeber und eine Gewerkschaft ernsthaft an den Tariftisch setzen und ein Ziel erreichen wollen, dann sind auch solche wirklich wertigen Ziele ohne Auseinandersetzungen möglich.
Streiks und Machtkämpfe: Kritik an der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer
Kritik von der Deutschen Bahn
Die Deutsche Bahn warf der GDL wiederholt vor, nicht an Lösungen interessiert zu sein. DB-Personalvorstand Martin Seiler bezeichnete einen Streikbeschluss während laufender Verhandlungen als "ein Unding" und kritisierte: "Die Lokführergewerkschaft (GDL) vermiest Millionen unbeteiligten Menschen das zweite Adventswochenende. Ein Streik so kurz nach dem Wintereinbruch und so kurz vor dem Fahrplanwechsel ist verantwortungslos und egoistisch." Die Bahn warf der GDL vor, "für unerfüllbare Forderungen" zu streiken.
Kritik von Fahrgastverbänden
Der Fahrgastverband Pro Bahn in Niedersachsen kritisierte die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung scharf. Landesvorsitzender Malte Diehl sagte dem NDR 2024: "Die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung bei gleichzeitigem Personalmangel sei inakzeptabel. Dann fallen ja noch mehr Züge aus." Diehl warf GDL-Chef Claus Weselsky vor, sich nicht einigen zu wollen und sich nur im Konkurrenzkampf mit der EVG profilieren zu wollen.
Kritik aus Verkehrsverbänden und Politik
Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Oliver Wolff, forderte laut dpa 2021: "Wir erleben, dass die Fahrgäste keinerlei Verständnis mehr für die Dauer der Streiks und die Beharrlichkeit der GDL haben, nicht an den Verhandlungstisch zurückzukehren." Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer äußerte: "Die Heftigkeit des Streiks ist für die meisten Außenstehenden nicht nachvollziehbar. Das wird auf dem Rücken der Kunden ausgetragen."
Nicht die veröffentlichte Meinung spiegelt wider, wie die Menschen zu diesem Streik stehen, sondern die öffentliche Meinung.
Kritik aus der Gesellschaft
Auch in der öffentlichen Meinung ist die GDL teilweise nicht sehr hoch angesehen, wie unter anderem die "Abendzeitung München" (AZ) berichtete. Die Streiks der Lokführergewerkschaft sorgen für vollere Straßen und leere Büros, weil viele Menschen aufs Homeoffice ausweichen. Händler:innen und Gastronom:innen klagen über Umsatzeinbußen.
Tarif-Experte Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sagte gegenüber der dpa, dass die GDL vermeiden müsse, dass sich die öffentliche Meinung gegen die Lokführer:innen wendet. Dennoch sind die Streiks eine erfolgreiche Strategie für die Durchsetzung der Forderungen der GDL, wovon die Bahnangestellten schließlich profitieren. Waren es 2013 noch 3.202 Euro mittlerer Bruttolohn pro Monat für Lokführer:innen, hat sich das Gehalt 2023 auf durchschnittlich 3.735 Euro erhöht. 2026 liegt das Entgelt für den Beruf im Durchschnitt sogar bei 3.995 Euro.
Kritik am ehemaligen GDL-Chef Claus Weselsky
Claus Weselsky polarisierte sowohl mit seinem Verhalten als auch mit seinen Aussagen. In einem Interview mit "web.de" im Februar 2024 berichtete er selbst, er wurde bereits als "Einheizer aus Sachsen" bezeichnet. Einerseits wäre die GDL ohne seine unnachgiebige Streitlust heute nicht, wo sie ist, andererseits wurde ihm häufig eine egozentrische Kompromisslosigkeit nachgesagt. Durch und durch Machtmensch soll er sein, mit einem unnachgiebigen, autoritären Führungsstil.
2013 eskalierte ein Konflikt an der GDL-Gewerkschaftsspitze, der in der Entlassung der stellvertretenden Vorsitzenden Sven Grünwoldt und Thorsten Weske gipfelte. Weselsky wurde vorgeworfen, er wollte sich nur seiner Gegner entledigen. Ehrenvorsitzender und Weselskys Vorgänger Manfred Schell legte daraufhin aus Protest den Ehrenvorsitz nieder.
Seit dem Führungswechsel im September 2024 von Claus Weselsky zu Mario Reiß hat sich der Ton der GDL deutlich verändert, wie die dpa berichtete. Während Weselsky für seine offensive Kommunikation und derbe Sprüche bekannt war – er bezeichnete Vorstände wahlweise als "Nieten in Nadelstreifen", Nichtskönner oder Vollpfosten – setzte Reiß auf einen auffällig neuen, anderen Ton. Die erste Tarifrunde unter Reiß 2026 endete ohne Streiks – das gab es seit 2018 nicht mehr.
FAQ: GDL
GDL steht für Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Die GDL ist eine Arbeitnehmer:innenvertretung, die ursprünglich vor allem die Interessen von Lokomotivführer:innen vertrat. Inzwischen vertritt sie aber auch weitere Berufsgruppen wie Zugbegleiter:innen, Disponent:innen, Fahrdienstleiter:innen oder Mitarbeiter:innen in der betriebsnahen Instandhaltung. Bei der Deutschen Bahn ist die GDL die kleinere von zwei Gewerkschaften und konkurriert mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).
EVG und GDL sind zwei konkurrierende Gewerkschaften bei der Deutschen Bahn. Die EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) ist die deutlich größere Gewerkschaft. Sie vertritt bei der Deutschen Bahn rund 180.000 bis 192.000 Beschäftigte. Die GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) ist wesentlich kleiner und vertritt nach Bahn-Angaben etwa 8.000 bis 10.000 Beschäftigte.
Die GDL konzentrierte sich ursprünglich vor allem auf Lokomotivführer:innen. Inzwischen vertritt sie aber auch weitere Berufsgruppen.
Die EVG vertritt hingegen Mitarbeiter:innen aus verschiedensten Arbeitsbereichen und macht "einen Abschluss für alle". Sie deckt damit ein deutlich breiteres Spektrum an Berufsgruppen ab.
Mitglied der GDL kann jede Person werden, die im schienengebundenen Verkehrssektor tätig ist oder war, sowie deren Hinterbliebene – vorausgesetzt, sie erfüllt die satzungsmäßigen Bedingungen (insbesondere keine konkurrierende Gewerkschaftsmitgliedschaft und Übereinstimmung mit den Zielen der GDL).
Verwendete Quellen:
gdl.de/gdl.de: "Satzung der GDL vom 3. September 2024"
Nachrichtenagentur dpa
spiegel.de: "Kirchner entsetzt über Weselskys Behinderten-Vergleich"
tagesschau.de: "GDL"
dserver.bundestag.de: PDF "Entwurf eines Gesetzes zur Tarifeinheit (Tarifeinheitsgesetz)"
abendzeitung-muenchen.de: "'Trifft mich hart': So genervt sind die Menschen in München wegen des GDL-Streiks"
web.arbeitsagentur.de: "Entgelt für den Beruf: Eisenbahner/in - Betriebsdienst - Lokführer/in und Transport"
br.de: "Wieder Streiks im ÖPNV: Worum geht's bei den Tarifverhandlungen?"
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