Überlaufene Destination

Massentourismus: Auch Südtirol zunehmend betroffen

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

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"Limit erreicht": Südtirol verhängt Maßnahmen gegen "Tourismus-Kollaps"

Videoclip • 01:51 Min • Ab 12


Die Dolomitenregion in Südtirol belegt Platz drei der beliebtesten Urlausbgegenden Europa. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Daten von Eurostat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Südtirol wird immer beliebter bei Tourist:innen.

  • Die nördlichste Provinz Italiens kommt inzwischen auf Rang drei der tourismusintensivsten Gebiete Europas.

  • Die negativen Folgen dieser Entwicklung gelangen zunehmend in den Blick,

Nicht nur beliebte Küstenregionen wie etwa auf Mallorca und Städte wie Venedig ächzen unter den sozialen und ökologischen Auswirkungen von "Overtourism". Auch Südtirol leidet zunehmend unter den negativen Folgen, eine der immer beliebter werdenden Urlaubsgegenden Europas zu sein.

Auf eine:n Einwohner:in Südtirols kommen inzwischen 70 Tourist:innen. Das zeigt eine Auswertung der Daten von Eurostat, die das Statische Bundesamt vorgenommen hat. Demnach belegt Südtirol aktuell bereits Platz drei im europäischen Tourismus-Ranking. Noch stärker besucht im Verhältnis zur Zahl der Einwohner:innen sind nur noch die beiden griechischen Inselgruppen der Südlichen Igäis und der Ionischen Inseln. Sie kommen auf 127 beziehungsweise 103 Übernachtungen von Tourist:innen je Einwohner:in.

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Tourismus starker Wirtschaftszweig: Einheimische profitieren

Wie der Bayerische Rundfunk (BR) in seinem Onlineportal meldet, leidet Südtirol insbesondere unter vollen Wanderwegen und steigenden Mieten. Videos in sozialen Netzwerken zeigen dem Bericht zufolge Schlangen an der Seilbahn zur Seceda, ein Ansturm auf Shuttlebusse zu den Drei Zinnen und Staus auf der Autobahn, noch bevor der Brenner überhaupt in Sicht sei. Es dränge sich die Frage auf: Wie viele Besucher:innen verträgt eine Region, deren größtes Kapital ihre Landschaft und Lebensqualität sind?

"Der Tourismus hat eine zentrale Bedeutung für Südtirol", zitiert der BR Georg Lun, Direktor des Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) in Bozen. Etwa zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung Südtirols seien auf den Tourismus zurückzuführen, so der Ökonom. Vor allem im ländlichen Raum bedeute das mehr Wohlstand. Nicht nur Gastronomie und Hotellerie profitierten, so Lun: "Der Tourismus ist stark mit der lokalen Wirtschaft insgesamt vernetzt. Touristen nutzen Einzelhandelsgeschäfte, kaufen Souvenirs oder typische regionale Produkte." Auch das Handwerk habe es etwas von diesem Boom: "Diese Baukonjunktur, die wir zurzeit haben, ist sehr stark auch mit dem Tourismus verbunden."


Overtourismus für Südtirol dennoch großes Problem

"Der Massentourismus ist für die Bürger in Südtirol eine große Belastung", sagt hingegen Walther Andreaus dem BR. Der Verbraucherschützer, der in lokalen Medien auch als "Robin Hood Südtirols" bezeichnet wird, weist seit Jahren auf die negativen Folgen steigender Besucher:innenzahlen hin. "In Südtirol wird vieles dem Tourismus untergeordnet", kritisiert Andreaus. Die Mieten seien "horrend hoch", Immobilienpreise vergleichbar mit Mailand oder Rom. Golfplätze, Wellnesseinrichtungen und schicke Restaurants seien auf gut betuchte Gäste ausgerichtet. "Südtirol sollte auch den Südtirolern noch zur Verfügung stehen. Nicht, dass sie sich zurückziehen müssen."

Am Beispiel des Kalterer Sees zeigt sich Andreaus zufolge exemplarisch das Problem. Dessen 5,3 Kilometer langes Ufer säumen Hotels, Strandbäder und ein Campingplatz. Wer baden will, muss zahlen. Der einzige kostenlose Zugang zum Kalterer See sei ein kleiner Steg. "Das ist nicht rechtskonform", so Andreaus und zieht dagegen vor Gericht. In Italien gelten Gewässer als öffentliches Gut. Der Kalterer See müsse für alle frei zugänglich sein.

Südtirol verzeichnet immer mehr Andrang aus Asien und den USA

Wirtschaftsforscher Lun zufolge kommen mehr als 40 Prozent der Gäste in Südtirol aus Deutschland. Das Publikum verändere sich aber.  "Die Präsenz von internationalen Touristen aus Asien, aus Amerika, ist stark angestiegen." Viele von ihnen kämen nur für ein verlängertes Wochenende. "Das verspüren wir natürlich auf den Transitrouten wie der Brennerautobahn, die ständig überfüllt ist. Und auch auf den größeren Verbindungsstraßen, wo das Verkehrsaufkommen von Jahr zu Jahr zunimmt."

Einen Vorteil für Einheimische habe dieser Trend jedoch auch: "Da hat Südtirol sehr stark investiert, um die Tourismusflüsse möglichst im öffentlichen Personennahverkehr zu lenken und weg von der Straße zu bringen", so Lun. Flächendeckend gebe es Busse, die im Halb-Stunden-Takt verkehren, in jedes Bergdorf. Wichtig sein, dass Südtirol alles daran setze, einen nachhaltigen und umweltschonenden Tourismus zu fördern. Schließlich gehe es nicht um die Frage, wie viel Tourismus Südtirol verträgt, sondern darum, wie viel von Südtirol der Tourismus übrig lasse.


Verwendete Quellen:

br.de: "Touristenmassen stürmen Südtirol: Wie viel verträgt die Region?"

destatis.de: "Ans Meer und in die Berge: Die beliebtesten Urlaubsziele in der EU"

europarl.europa.eu: "Overtourism: Auswirkungen und mögliche politische Antworten"

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