Iran-Krieg

EZB-Zinsentscheid: Inflations-Prognose für 2026 fällt ernüchternd aus

Veröffentlicht:

von Jana Wejkum

EZB-Präsidentin Christine Lagarde gab in Frankfurt die erwartete Teuerungsrate für 2026 bekannt.

Bild: AP


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Die Sorge ist groß, dass der Iran-Krieg der Wirtschaft in Europa nachhaltig schadet. Dementsprechend enttäuschend fällt die Prognose der Europäischen Zentralbank aus.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die EZB rechnet 2026 mit durchschnittlich 2,6 Prozent Inflation im Euroraum bei einem Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent.

  • Gleichzeitig hält die EZB den Leitzins bei zwei Prozent.

  • Wirtschaftsexpert:innen halten bei einem andauernden Iran-Krieg eine höhere Inflation für möglich, jedoch bei weitem nicht so hoch wie 2022 während des Ukraine-Kriegs.

Die Europäische Zentralbank (EZB) schätzt, dass die Folgen des Iran-Kriegs das Wirtschaftswachstum bremsen und die Inflation befeuern könnten. Das wahrscheinlichste Szenario der EZB: Die Inflation für 2026 wird im Euroraum auf durchschnittlich 2,6 Prozent steigen. Zugleich erwartet die EZB für den Euroraum weniger Wachstum. 2026 könnte die Wirtschaft nur noch um 0,9 Prozent wachsen; 2027 werde ein Wachstum von 1,3 Prozent prognostiziert.

Noch Im Dezember hatte die EZB mit 1,9 Prozent Inflation gerechnet; das Ziel sind zwei Prozent. Damit will die Notenbank einen stabilen Euro und die Kaufkraft der Menschen erhalten: Je höher die Inflation, desto weniger können sich Verbraucher:innen leisten.

Die EZB hat sich dennoch dafür entschieden, den Leitzins zum sechsten Mal in Folge nicht anzuheben. Er bleibt bei zwei Prozent.

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Erinnerungen an Ukraine-Krieg

2022 stand die EZB in der Kritik, die Inflation infolge des Ukraine-Kriegs zu lange unterschätzt zu haben. Die Inflation betrug damals zeitweise mehr als zehn Prozent.

Heute stelle sich die Lage laut Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, anders dar: "Damals lag die Inflation bereits vor dem Energiepreisschock bei über vier Prozent, heute sind es unter zwei Prozent", sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Selbst wenn der Krieg länger andauere, rechne er nicht mit einer "Horror-Inflation". Die EZB könne deshalb abwarten, ob im Herbst die steigenden Energiepreise auch andere Preise beeinflusst hätten.

Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte dazu: "Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt." Die Notenbank sei jedoch in einer guten Ausgangslage und beobachte die Energiepreise und mögliche Engpässe in den Lieferketten genau.

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Zinsanhebung: Schwierige Entscheidung

Der Iran-Krieg hat in Deutschland bereits zu steigenden Spritpreisen und teurem Gas geführt. Bei einem längeren Krieg könnte die Inflation in der Eurozone laut Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer "schätzungsweise auf mindestens drei Prozent" steigen.

Laut Berenberg-Ökonom Felix Schmidt steht die EZB vor einer schwierigen Entscheidung. Es sei auch bei längerfristig hohen Energiepreisen schwierig, den Zins anzuheben: "Denn in diesem Szenario würde das Wirtschaftswachstum in der Eurozone möglicherweise zwischenzeitlich zum Erliegen kommen."

Hinzu kommt: Die Prognose für 2026 ist mit 0,9 Prozent Wachstum ohnehin mau. Ein gefürchtetes Szenario mit steigenden Preisen bei zugleich stagnierender Wirtschaft, sogenannte "Stagflation", will die Notenbank verhindern. In diesem Fall hätte sie kaum Optionen, um dagegenzusteuern.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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