Arbeitszeit und Renteneintrittsalter
Eine Stunde Mehrarbeit "nicht zu viel verlangt"?: SPD-Politikerin kritisiert Söder-Aussage
Veröffentlicht:
von Jana Wejkum:newstime
Mehrarbeit? Union fürchtet Wählerverlust
Videoclip • 01:07 Min • Ab 12
Söder fordert Mehrarbeit zugunsten der Wirtschaft und einen späteren Renteneintritt. Warum SPD-Politikerin Annika Klose das für "daneben" hält – und was Stimmen aus der Union kritisieren.
Eine Stunde Mehrarbeit in der Woche – das findet CSU-Chef Markus Söder "wirklich nicht zu viel verlangt". Die Sozialpolitikerin Annika Klose (SPD) kritisiert seine Äußerungen.
"Die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leisteten schon sehr viel, die wenigsten scheuten sich, auch "mal eine Stunde mehr zu arbeiten", sagte die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion beim RTL/ntv-"Frühstart".
Arbeitszeiten festzulegen sei Sache der Tarifpartner und nicht des Gesetzgebers. "Deswegen finde ich die Forderung, ehrlich gesagt, ein bisschen daneben", sagte Klose.
Söder hatte am Sonntag (1. Februar) in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" angeführt, dass eine Stunde Mehrarbeit in der Woche "enorm viel Wirtschaftswachstum" bringen würde und nicht zu viel verlangt sei. Zudem forderte Söder den schrittweisen Abbau der abschlagsfreien Rente mit 63 für Menschen, die besonders lange in die Rentenversicherung eingezahlt haben.
Klose: Über 60-Jährige haben kaum Chancen am Arbeitsmarkt
Klose kritisierte die Rentenpläne des bayerischen Ministerpräsidenten. Die Rente mit 63 gebe es so gar nicht mehr, stattdessen gehe es heute um die Rente mit 65 für einen abschlagsfreien Eintritt in den Ruhestand.
Die SPD-Politikerin gab zu bedenken, dass Menschen über 60 es schwer hätten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Förderung der Weiterbildung werde für Menschen ab 55 Jahren oft eingestellt. Bevor man diskutiere, wer wie viel länger arbeiten könnte, müsse dafür gesorgt werden, dass Menschen überhaupt bis zum Renteneintrittsalter arbeiten können.
Auch in den News:
CDU-Arbeitnehmerflügel warnt vor "Schlagseite"
Für Söders Vorstoß hagelt es auch Kritik aus eigenen Reihen. Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, sieht eine Gefahr für die Umfragewerte der Union. "Wir müssen aufpassen, dass die Debatten keine Schlagseite bekommen", so Radtke im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ).
"Die jüngsten Forderungen aus der Parteispitze lassen die Frage aufkommen: Was haben wir eigentlich für ein Bild von den Beschäftigten in Deutschland? Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass alles auf einer Seite abgeladen wird, nämlich bei den Beschäftigten."
Man dürfe sich angesichts dessen nicht wundern, dass bei Umfrageergebnissen der Union im Januar "bei 27 Prozent eine gläserne Decke eingezogen ist", mahnt Radtke. Die Union liegt bundesweit in Umfragen zwischen 24 und 28 Prozent – zum Teil gleichauf mit der AfD oder knapp hinter ihr.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
SZ: "Ist das eine Agenda von 'Superprivilegierten'?"
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