Arbeitskampf
Warnstreik-Ticker: Nahverkehr lahmgelegt – Autofahrer stehen länger im Stau
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Deutschland im Streik-Stillstand
Videoclip • 01:58 Min • Ab 12
Busse, U- und Straßenbahnen bleiben am Montag wegen eines Warnstreiks in den Depots. Betroffen sind fast alle Bundesländer. Die Entwicklungen im Newsticker.
Das Wichtigste in Kürze
In weiten Teilen Deutschlands ist der Nahverkehr durch einen Warnstreik zum Erliegen gekommen.
Die Gewerkschaft Verdi kämpft für bessere Arbeitsbedingungen.
Der Warnstreik macht sich auch auf den deutschen Straßen bemerkbar, berichtet der ADAC.
In großen Teilen Deutschlands ist der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) durch einen Warnstreik zum Erliegen gekommen. Busse, Straßen- und U-Bahnen bleiben bei vielen kommunalen Verkehrsunternehmen infolge des Arbeitskampfs in den Depots. Betroffen sind nahezu alle Bundesländer, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Lediglich Niedersachsen ist den Angaben nach zunächst ausgenommen.
Der Arbeitskampf sei um 3 Uhr wie geplant angelaufen, sagte der Berliner Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Unsere Priorität ist, am Verhandlungstisch voranzukommen", so Canyurt weiter. "Die Kolleginnen und Kollegen können sich Besseres vorstellen, als bei diesem Wetter zu streiken."
Aktuelle Infos zum Streik im Newsticker
+++ Update 12:11 Uhr +++
Deshalb wird in Niedersachsen nicht gestreikt
Während in 15 Bundesländern wegen eines Aufrufs zum Warnstreik der Gewerkschaft Verdi der öffentliche Nahverkehr weitgehend stillsteht, bleiben Busse und Bahnen in Niedersachsen heute regulär im Einsatz. Grund ist die sogenannte Friedenspflicht, die für die rund 5.000 Beschäftigten im niedersächsischen kommunalen Nahverkehr weiterhin gilt.
Hintergrund ist der Stand der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. In Niedersachsen läuft der geltende Tarifvertrag noch – deshalb sind Maßnahmen des Arbeitskampfes derzeit ausgeschlossen. Diese Friedenspflicht untersagt Streiks während der Laufzeit eines Tarifvertrags und soll beiden Seiten Planungssicherheit geben.
Die Kündigung des Tarifvertrags sei den Arbeitgebern in Niedersachsen zu spät zugestellt worden, teilte ein Verdi-Sprecher des Landesbezirks Niedersachsen-Bremen mit. Der Grund dafür sei ihm unbekannt. Daher gelte die Friedenspflicht noch bis zum 31. März.
In den übrigen Bundesländern ist diese Frist bereits abgelaufen oder gilt nicht, sodass Verdi dort zu Warnstreiks aufrufen konnte. Für Niedersachsen bedeutet die Friedenspflicht dagegen, dass der reguläre Betrieb im öffentlichen Nahverkehr vorerst gesichert ist – zumindest bis zum Ende der laufenden Tarifbindung.
+++ Update 10:07 Uhr +++
ADAC: Autofahrer stehen länger im Stau
Der Warnstreik und mehrere Unfälle haben zu Wochenbeginn viele Autofahrer im Berufsverkehr auf eine Geduldsprobe gestellt. Zwar hätten sich die Zahl der Staus und die Staulänge am Montagmorgen auf einem ähnlichen Niveau wie zu Beginn der Vorwoche bewegt. "Allerdings stehen die Menschen länger im Stau", sagte ADAC-Sprecher Thomas Müther. "Der Warnstreik macht sich bemerkbar insbesondere in Ballungsräumen."
Nach den Daten des ADAC gab es am Morgen kurz vor 8 Uhr mehr als 500 Kilometer Stau und zähflüssigen Verkehr auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen. Der Zeitverlust habe im Einzelfall bis zu einer Stunde betragen. Der ADAC-Sprecher verwies dabei auch auf Unfälle wie auf der A3 zwischen Leverkusen und dem Kreuz Hilden sowie auf der A40. Unfälle hätten im morgendlichen Berufsverkehr besonders große Auswirkungen.
Auf der Übersicht des NRW-Verkehrsministeriums waren gegen 8 Uhr viele rote Zahlen gerade in den Ballungsräumen zu sehen, die den Zeitverlust darstellen.
Angesichts des Warnstreiks rät der ADAC Fahrten zu Stoßzeiten zwischen 7 und 9 Uhr und 16 bis 18 Uhr nach Möglichkeit zu vermeiden. Wie stark sich der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr auf die Verkehrslage auswirkt, hängt laut ADAC entscheidend davon ab, wie viele Arbeitnehmer:innen sich auf den Streik einstellen und gegebenenfalls auch im Homeoffice arbeiten können.
Verdi: Hohe Belastungen durch Schichtarbeit
"Wenn wir nicht für bessere Arbeitsbedingungen streiken, werden die Jobs so unattraktiv bleiben, dass wie wir das in den letzten Jahren erlebt haben, nicht genug Menschen bereit sind, den ÖPNV zu gewährleisten. Dann gibt es auch keinen", erklärte Andreas Schackert, Bundesfachgruppenleiter Busse & Bahnen bei Verdi, im ZDF-"Morgenmagazin". Ein entscheidender Punkt seien die Belastungen durch die Schichtarbeit im Fahrdienst. "Wenn wir die Belastungen nicht attraktiver machen und die Jobs, dann werden wir auf Dauer die Menschen, die wir da jetzt suchen und finden, auch nicht halten können", betonte Schackert.
Verwendete Quellen
Nachrichtenagentur dpa
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