Neue Förderung
E-Auto-Prämie: Einfacher Geldsegen oder Förder-Labyrinth für Käufer?
Aktualisiert:
von Claudia Scheele:newstime
Deutsche uneinig über E-Auto-Prämie
Videoclip • 01:33 Min • Ab 12
Der Staat zahlt künftig zwischen 1.500 und 6.000 Euro Zuschuss für E-Autos – abhängig von Einkommen, Kinderzahl, Fahrzeugtyp und Haltefrist. Die Politik verspricht soziale Gerechtigkeit, doch für viele stellt sich die Frage: Kommt man leicht an das Geld?
Das Wichtigste in Kürze
Die neue E-Auto-Prämie ist sozial gestaffelt nach Einkommen und Kinderzahl, umfasst aber viele Grenzen, Sonderregeln und eine dreijährige Mindesthaltefrist.
Gefördert werden nur Neuwagen (BEV und bestimmte Plug-in-Hybride) mit strengen technischen Kriterien, Gebrauchtwagen gehen bislang leer aus.
Offiziell soll der Antrag digital einfach laufen, inhaltlich ist die Förderung jedoch so kleinteilig, dass viele Haushalte genau prüfen müssen, ob sie überhaupt Anspruch haben.
Die neue Kaufprämie für Elektroautos soll nach dem Willen der Politik zwei Ziele gleichzeitig erfüllen: den Umstieg auf E-Mobilität beschleunigen und die deutsche Autoindustrie stützen. Niedersachsens Landesregierung lobt vor allem die Sozialkomponente. Der Ministerpräsident betonte, der "Umstieg auf Elektromobilität muss für alle bezahlbar sein" und verwies darauf, dass einkommensschwächere Familien mit Kindern deutlich höhere Zuschüsse erhalten sollen.
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums hängen die Fördersummen aber von mehreren Faktoren ab: Haushaltsnettoeinkommen, Kinderzahl, Antriebsart und der Bedingung, dass das Fahrzeug mindestens drei Jahre gehalten werden muss. Auch der Zeitpunkt der Zulassung spielt eine Rolle.
Wer wie viel bekommt – und unter welchen Bedingungen
Für reine Elektroautos liegt die Basisförderung bei 3.000 Euro. Haushalte mit einem Jahreseinkommen von maximal 60.000 Euro erhalten 4.000 Euro, bis 45.000 Euro Einkommen steigt der Betrag auf 5.000 Euro. Pro Kind wird die Prämie um 500 Euro erhöht, maximal um 1.000 Euro pro Haushalt. Insgesamt sind so – abhängig von Einkommen und Kinderzahl – 1.500 bis 6.000 Euro möglich, bestätigt das Ministerium.
Die Fördergrenze liegt bei einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro, mit zwei Kindern bei 90.000 Euro, weil sich die Grenze pro Kind um 5.000 Euro nach oben verschiebt. Wer die Prämie bekommen will, muss das Auto ab Kauf mindestens drei Jahre behalten – sonst droht Rückzahlung. Gefördert werden Fahrzeuge, die seit dem 1. Januar neu zugelassen wurden, doch die Anträge können voraussichtlich erst ab Mai über ein Online-Portal gestellt werden.
Sozial gestaffelt – aber auch kompliziert?
Für Plug-in-Hybride und Autos mit Range Extender gilt ein eigenes Regelwerk: Hier liegt die Basisförderung bei 1.500 Euro, allerdings nur, wenn das Fahrzeug nicht mehr als 60 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstößt oder mindestens 80 Kilometer rein elektrisch fahren kann. Ab 2027 sollen strengere Vorgaben folgen, die sich stärker am tatsächlichen CO₂-Ausstoß im Alltag orientieren.
Gebrauchtwagen sind ausdrücklich ausgenommen. IG Metall und Grünen-Politiker:innen kritisieren das, weil Haushalte mit niedrigem Einkommen bei E-Auto-Nutzer:innen "deutlich unterrepräsentiert" seien. Der Verbraucherzentrale Bundesverband spricht von einem "Gießkannenprinzip" und bemängelt, dass mit Einkommensgrenzen bis 90.000 Euro vor allem Haushalte profitieren, "die sich ein E‑Auto problemlos selbst leisten können".
Ist es für Verbraucher:innen schwer, an die Prämie zu kommen?
Formell soll die Beantragung digital und zentral über ein Portal laufen – das spricht eher für einen schlanken Ablauf. Inhaltlich ist die Förderung jedoch komplex: Interessent:innen müssen prüfen, ob ihr Haushaltseinkommen unter den Grenzen liegt, ob alle Kinder korrekt berücksichtigt werden und ob ihr Fahrzeug die technischen Kriterien (rein elektrisch oder bestimmter Plug-in-Hybrid, CO₂-Grenzen, Mindestreichweite) erfüllt.
Hinzu kommen Fristen und Vorgaben: Erstzulassung ab 1. Januar, Antragsstart frühestens im Mai, dreijährige Mindesthaltefrist und der Ausschluss von Gebrauchtwagen. Umweltverbände wie Greenpeace kritisieren, Förderung verdiene, wer "kleine, ressourcenschonende E-Autos für maximal 30.000 Euro" kaufe – sonst profitierten vor allem Besserverdienende. Die Deutsche Umwelthilfe sieht in der Einbeziehung von Plug-in-Hybriden keinen Beitrag zu einem echten Elektroauto-Hochlauf. Für viele potenzielle Käufer:innen bleibt damit die entscheidende Frage: Rechnet sich der Aufwand wirklich – und passt das eigene Profil überhaupt in das eng gestrickte Förderschema?
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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