Atomkatastrophe
15 Jahre nach Super-GAU in Fukushima: Japan setzt wieder auf Atomkraft
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von Jana WejkumDer Betreiber des havarierten Kraftwerks, Tepco, durfte erstmals nach der Katastrophe einen Reaktor im weltweit größten Atomkraftwerk wieder hochfahren. (Symbolbild)
Bild: AP
Ein Erdbeben und ein Tsunami haben 2011 zur schlimmsten Atomkatastrophe seit Jahrzehnten geführt. Zunächst schien sich Japan von der Atomkraft abzuwenden – nur um dann doch wieder zu ihr zurückzukehren.
In Japan haben am Mittwoch (11. März) Menschen den rund 20.000 Opfern des verheerenden Erdbebens und Tsunamis von 2011 gedacht. Sie legten Blumen und Kerzen nieder. Zum Zeitpunkt des Unglücks, 14:46 Uhr Ortszeit, gab es vielerorts eine Schweigeminute. 15 Jahre sind vergangen, aber die Region um Fukushima kämpft immer noch mit den Folgen der Naturkatastrophe, die zum weltweit schlimmsten Atomunfall seit Tschernobyl 1986 geführt hatte.
Die Wellen des Tsunamis beschädigten das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (Fukushima I) damals so stark, dass es in drei der Reaktoren zu Kernschmelzen kam. In der Umgebung wurden große Mengen radioaktiven Materials freigesetzt, zehntausende Bewohner:innen mussten das Gebiet zumindest vorübergehend verlassen.
Hunderte Tonnen radioaktives Material noch nicht geborgen
Unmittelbar nach der Katastrophe schien Japan noch auf dem Weg zu sein, der Atomkraft vollständig den Rücken zu kehren. Alle 54 Reaktoren des Landes wurden abgeschaltet und auf ihre Sicherheit überprüft. Die Regierung beschloss 2012, schrittweise aus der Atomkraft auszusteigen. Doch schon zwei Jahre später drehte sich der Wind und der Atomausstieg wurde revidiert. Trotzdem wurden manche Reaktoren seitdem ganz stillgelegt, andere hingegen nur zögerlich wieder in Betrieb genommen.
Der Brennstoff, der beim Super-GAU geschmolzen war, sollte bis Anfang der 2030er-Jahre vollständig geborgen sein. Mittlerweile wurden die Pläne auf frühestens 2037 verschoben. Lediglich winzige Proben aus dem Reaktorblock 2, die weniger als ein Gramm wiegen, wurden bisher geborgen. In den Reaktoren befinden sich schätzungsweise noch 880 Tonnen Brennstoffreste.
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Doch die Erinnerung verblasst offenbar schneller, als die Folgen der Katastrophe behoben werden können. Inzwischen drängt die japanische Regierung unter der nationalkonservativen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi darauf, möglichst viele Reaktoren in Betrieb zu nehmen und in neue Kerntechnologien zu investieren. Zu groß ist ihrer Meinung nach die Abhängigkeit Japans von teuren fossilen Brennstoffen aus dem Ausland.
Kürzlich wurde Tepco – der Konzern, der das havarierte Atomkraftwerk in Fukushima betrieb – erlaubt, erstmals einen Reaktor im weltweit größten Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa am Japan-Meer hochzufahren. Nun sind mit 15 Reaktoren knapp die Hälfte der 33 noch betriebsfähigen wieder am Netz.
Dass es jederzeit wieder zu einer Katastrophe wie in Fukushima kommen könnte, scheint die Bevölkerung zu wissen. Laut einer Umfrage des Roten Kreuzes glauben mehr als 80 Prozent der Menschen in Japan, dass es in absehbarer Zeit ein ähnlich folgenschweres Erdbeben geben könnte. Aber: 70 Prozent von ihnen gaben an, dafür keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen zu haben.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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