Deutsches Familienunternehmen

Vom Backin-Backpulver zum Weltkonzern: Wie Dr. Oetker so erfolgreich wurde

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel
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Der deutsche Lebensmittelkonzern Dr. Oetker besteht schon seit 135 Jahren. Alles zur Geschichte der Firma, die in einer Bielefelder Apotheke begann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dr. August Oetker gründete sein Unternehmen 1891 in Bielefeld. Heute haben die beiden Unternehmensgruppen 37.000 Beschäftigte weltweit.

  • Das erste Produkt der Firma war ein Backpulver, das mit einer praktischen Idee erfolgreich wurde – und das es bis heute gibt.

  • Von Anfang an setzt Dr. Oetker auf eine starke Markenidentität und auf Marketing.

Das Unternehmen Dr. Oetker im Überblick

Puddingpulver, Backmischungen, Tiefkühlpizza: Dafür ist Dr. Oetker vor allem bekannt. Tatsächlich gehören zu den inzwischen zwei Oetker-Konzernen aber Hunderte Einzelunternehmen unterschiedlicher Branchen. Nach eigenen Angaben führt das Unternehmen weltweit jedes Jahr 100 neue Produkte ein.

Die 1891 gegründete Firma war schnell mit dem Backpulver "Backin" erfolgreich. Im Laufe der Jahre kamen viele weitere Produkte dazu: 1970 brachte Dr. Oetker als erstes Unternehmen Tiefkühlpizza in deutsche Supermärkte. 1971 folgten die ersten Backmischungen.

In den deutschen Werken in Wittlich und Wittenburg gehen täglich rund 2,7 Millionen Pizzen vom Band. Weltweit stellt der Konzern 4,5 Millionen Pizzen pro Tag her. Damit sind Tiefkühlpizzen heute das erfolgreichste und meistverkaufte Produkt von Dr. Oetker.

Es handelt sich bis heute um ein Familienunternehmen: Die Betriebe gehören in vierter Generation den Nachkommen des Gründers Dr. August Oetker. Sein Enkel Rudolf-August Oetker gehörte zu den prägendsten Figuren im Konzern: Er baute das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg stark aus und leitete es fast 40 Jahre lang.

Solange ich lebe, bleibt Oetker ein Familienunternehmen.

Rudolf-August Oetker
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2021 teilte sich die Oetker-Gruppe in zwei Unternehmensgruppen auf, die unabhängig voneinander agieren. Zusammen haben sie weltweit fast 37.000 Mitarbeiter:innen.

Dr. Oetker gehört zu den größten Familienbetrieben in Deutschland.

Bild: Friso Gentsch/dpa


Diese Marken gehören zu Oetker

Die folgende Auswahl listet einige der bekanntesten Marken auf, die zu Oetker gehören – entweder zur Dr. August Oetker KG oder zur Oetker Collection KG:

  • Dr. Oetker (Backwaren, Pudding, Tiefkühlpizza)

  • Coppenrath & Wiese (Torten und Tiefkühlkuchen)

  • Radeberger Pilsner (Bier)

  • Jever (Bier)

  • Schöfferhofer Weizen (Bier)

  • Clausthaler (alkoholfreies Bier)

  • Selters (Wasser)

  • Henkell (Sekt)

  • Freixenet (Sekt)

  • Fürst von Metternich (Sekt)

  • Wodka Gorbatschow

  • Kuemmerling (Likör)

  • Pott Rum

  • Luxushotels der Oetker-Collection

Vorder- und Rückseite der ersten Backin-Päckchen von Dr. Oetker.

Bild: Dr. Oetker


Die Geschichte von Dr. Oetker: Durchbruch mit Backin

Im Januar 1891 erfüllte sich Dr. August Oetker einen Lebenstraum: Er übernahm eine Apotheke in Bielefeld. Zuvor studierte der 1862 geborene Niedersachse Pharmazie. Das naturwissenschaftliche Wissen war entscheidend für seinen späteren Erfolg: Er entwickelte seine Lebensmittel in der Aschoff'schen Apotheke präzise und standardisiert.

Backpulver gab es damals schon. Aber Oetker hatte eine einfache und alltagstaugliche Idee: Eine Packung Backin reicht genau für 500 Gramm Mehl. Dieses Prinzip sorgte dafür, dass Backwaren besser gelingen. Sein ab 1893 verkauftes Produkt richtete sich an Privathaushalte, die damit unkompliziert Kuchen herstellen sollten.

Aber es blieb nicht bei Backin. Das Produktsortiment erweiterte sich schnell um Vanillin-Zucker, Puddingpulver, Einkochhilfen und Grütze. Die Speisestärke Gustin folgte 1898.

Im Jahr 1900 baute Dr. Oetker sein erstes Fabrikgebäude und begann mit der Massenproduktion. 1908 eröffnete die erste Niederlassung im Ausland, in Österreich.

Habe ich erst mein Ziel, den Erwerb einer Apotheke, erreicht, werde ich versuchen, noch etwas ganz Besonderes zu schaffen.

Firmengründer Dr. August Oetker

Dr. August Oetker gründet das nach ihm benannte Unternehmen - und führt es mit Backin zum Erfolg.

Bild: Dr. Oetker


Wie sich Dr. Oetker nach dem Tod des Gründers entwickelte

Nach dem Tod von Dr. August Oetker im Jahr 1918 übernahm seine Witwe Caroline Oetker die Firma. Einen direkten Erben gab es nicht: Ihr Sohn Rudolf war im Ersten Weltkrieg gefallen. 1919 heiratete dessen Witwe Ida den Unternehmer Dr. Richard Kaselowsky. Der wurde damit zum Stiefvater von Rudolf-August Oetker, welcher später die Firma leitete. Kaselowsky leitete das Unternehmen ab 1921 übergangsweise, weil sein Stiefsohn noch zu jung für die Führungsrolle war.

Die Expansion schritt schnell voran: Mitte der 1930er-Jahre war Dr. Oetker fast überall in Europa aktiv sowie in Brasilien und den USA präsent.

Ab 1933 pflegten Firma und Familie "enge Beziehungen zur NS-Bewegung, zur Wehrmacht und zur SS", wie es beim Institut für Zeitgeschichte München-Berlin heißt. Kaselowsky machte das Unternehmen zum "Nationalsozialistischen Musterbetrieb". Das Unternehmen profitierte von staatlichen Aufträgen und die Produkte galten im NS‑Staat als versorgungsrelevant – ein Vorteil, von dem das Unternehmen profitierte. Rudolf-August Oetker wurde bei der Waffen-SS ausgebildet.

1944 übernahm er die Firmenleitung, nachdem sein Stiefvater bei einem Bombenangriff gestorben war. Die Geschichte von Dr. Oetker im Nationalsozialismus wurde nach Rudolf-August Oetkers Tod durch eine unabhängige Historikerkommission aufgearbeitet und veröffentlicht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute der neue Chef das Unternehmen deutlich aus. Die Firma kümmerte sich nun auch um andere Branchen als Lebensmittel. Später traten seine Söhne August und Richard in seine Fußstapfen. 2016 rückte erstmals eine familienfremde Person als Geschäftsführer nach.

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Wieso Werbung und Marketing für den Erfolg von Dr. Oetker entscheidend waren

Der Erfolg der Dr. Oetker GmbH basiert auf langfristiger Werbung und einem klaren Markenbild, das über Jahrzehnte aufgebaut und nie radikal geändert wurde. Zentrale Punkte sind Vertrauen und die "Gelinggarantie". Die Firma bewarb etwa Backpulver, Pudding oder Pizza so, dass sie fast "immer gelingen".

Das rote Logo, die gleichbleibenden Farben und der Verpackungsstil sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert.

Bei Anzeigen und TV-Werbung setzt Dr. Oetker auf emotionale Botschaften, etwa mit Familie, Zuhause, Geborgenheit und gemeinsamen Mahlzeiten. Wichtig ist zudem die Alltagsnähe. Die Werbung zeigt reale Küchen und eine einfache Zubereitung.

Erfolgreich war der Konzern auch durch seine Rezepte. 1930 kommt das Buch "Backen macht Freude" erstmals auf den Markt. Es ist eines der erfolgreichsten Koch- und Backbücher des 20. Jahrhunderts.

Dr. Oetker heute: Aus einem Unternehmen werden zwei

2021 gaben die Eigentümer der Oetker-Gruppe bekannt, dass aus dem Unternehmen zwei unabhängig voneinander tätige Gruppen werden. Die acht Kinder von Rudolf-August Oetker aus drei Ehen teilen die Konzernbereiche unter sich auf.

Die fünf älteren Kinder aus den ersten beiden Ehen sind in der Dr. August Oetker KG vertreten, darunter Richard und August Oetker. Zu ihr gehören die bekannte Lebensmittelsparte mit Dr. Oetker und Coppenrath und Wiese. Allein diese Sparte erzielte 2025 einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro. Fast 17.000 Mitarbeiter:innen sind in diesem Bereich tätig, davon 7.300 in Deutschland. Zu der Gruppe gehören außerdem die Radeberger Brauerei und weitere Bereiche.

Die jüngeren Kinder aus der dritten Ehe, Carl Ferdinand und Julia Johanna Oetker, gründeten die Geschwister Oetker Beteiligungen KG, aus der später die Oetker Collection wurde. Sie hat 8.300 Mitarbeiter:innen und macht nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro. Sie umfasst 148 Einzel­unternehmen in 37 Ländern, darunter die Henkell Sektkellerei, die Chemiefabrik Budenheim, einige Hotels und die Kunstsammlung Rudolf-August Oetker.

Spektakulärer Kriminalfall: Die Entführung Richard Oetkers

Die Familie Oetker gehörte schon in den 1970er-Jahren zu den reichsten in Deutschland. Das rief einen Verbrecher auf den Plan: Er kidnappte den Unternehmenserben Richard Oetker. Die Entführung ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegszeit.

Am 14. Dezember 1976 wurde der damals 25‑jährige Oetker auf dem Parkplatz der Universität Freising überwältigt und in einen Lieferwagen gezerrt. Der Entführer fesselte den 1,94 Meter großen Mann und sperrte ihn in eine viel zu kleine Holzkiste. Sie war mit einem Mechanismus ausgestattet, der bei jeder Bewegung oder jedem Geräusch Stromstöße auslöst. Das zwang Richard Oetker, in einer Embryohaltung zu verharren.

Während der 47 Stunden dauernden Gefangenschaft kam es zu einer Panne: Die Stromstöße erfolgten unkontrolliert und dauerten deutlich länger an als geplant. Richard Oetker überlebte nur knapp und erlitt schwerste Verletzungen – darunter mehrere Wirbelbrüche, gebrochene Oberschenkelhälse und dauerhafte Lungenschäden.

Der Entführer forderte 21 Millionen D‑Mark Lösegeld – damals die höchste jemals in Deutschland gezahlte Summe. Die Familie ging auf die Forderung ein. Nach der Geldübergabe wurde Richard Oetker freigelassen.

Die Fahndung nach dem Täter dauerte zwei Jahre. 1978 wurde Dieter Zlof festgenommen und später zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Das Lösegeld blieb zunächst verschwunden und tauchte erst nach der Entlassung des Entführers wieder auf.

Richard Oetker kämpfte sich trotz der lebenslangen körperlichen Folgen zurück ins Leben. Er übernahm später Führungsverantwortung im Familienunternehmen. Zudem engagierte er sich im Weißen Ring, wo er sich für Opfer von Gewaltverbrechen einsetzte.

Der "Hellkopf": Seit über 125 Jahren das ikonische Logo von Dr. Oetker

Wenn Kund:innen auf den ersten Blick erkennen, um welche Marke es sich handelt, greifen sie eher zu: Das erkannte der Firmengründer Dr. August Oetker schon früh. Er gab darum die Entwicklung eines neuen Logos in Auftrag, das ab 1899 zum Einsatz kam. Das Unternehmen nennt es den "Hellkopf".

Damit passte es zum Werbeslogan der damals jungen Firma: "Ein heller Kopf verwendet nur Dr. Oetkers Backpulver." Den ausgeschriebenen Wettbewerb entschied der Bielefelder Grafiker Theodor Kind für sich. Er nahm für das Logo einen Schattenriss seiner Tochter Johanna her. Dass sie einen Haarknoten bekam, wünschte sich der Firmengründer höchstpersönlich. Die heute verwendete Version des Hellkopfs entstand 1905.

FAQ: Dr. Oetker

Dr. Oetker ist ein deutsches Familienunternehmen, das weiterhin im Besitz der Oetker‑Familie ist. Die Gruppe wurde 2021 aufgespalten: Die Lebensmittelmarke Dr. Oetker gehört der Dr. August Oetker KG. Andere Firmenzweige wie die Sektfirma Henkell Freixenet oder der Chemiekonzern Budenheim zählen zur Oetker Collection KG.

Die Familie Oetker zählt zu den reichsten in Deutschland. Mehrere Mitglieder stehen in der "Forbes"-Liste, die das Vermögen von Millionären und Milliardären weltweit schätzt. Alfred Oetker und Carl Ferdinand Oetker besitzen demnach jeweils zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,6 Milliarden Euro), Julia Oetker 1,6 Milliarden US-Dollar (1,37 Milliarden Euro).

Der Gründer der Firma Dr. Oetker war der 1862 geborene August Oetker – also ein Mann. Heute führen seine Nachkommen die verschiedenen Oetker-Unternehmen.


Verwendete Quellen:

Webseite von Dr. Oetker und Oetker Collection

Institut für Zeitgeschichte München und Berlin: "Dr. Oetker und der Nationalsozialismus. Geschichte eines Familienunternehmens 1933-1945"

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