Prognose gesenkt
Nivea schwächelt auf dem Weltmarkt: Beiersdorf startet umfassenden Turnaround-Plan
Aktualisiert:
von Benedikt Rammer:newstime
Traditionsbrauerei insolvent
Videoclip • 01:03 Min • Ab 12
Schwache Zahlen bei Nivea setzen Beiersdorf im ersten Halbjahr 2026 unter Druck. Der Konzern reagiert mit einer gesenkten Jahresprognose, höheren Werbeausgaben und einem 18-monatigen Sanierungsplan für seine wichtigste Marke.
Das Wichtigste in Kürze
Beiersdorf hat im ersten Halbjahr 2026 organisch 3,5 Prozent weniger Umsatz erzielt und seine Jahresprognose gesenkt.
Hauptbelastung ist die Marke Nivea, deren Umsatz organisch um 6,8 Prozent zurückging.
Mit einem 18-monatigen Turnaround-Plan und 100 Millionen Euro mehr für Werbung will der Konzern ab 2027 wieder wachsen.
Beiersdorf hat im ersten Halbjahr 2026 einen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis verzeichnet. Wie das Unternehmen mitteilte, sank der Konzernumsatz organisch um 3,5 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro. Besonders schwach lief es im Bereich Consumer, in dem die Erlöse organisch um 4,0 Prozent zurückgingen. Das operative Ergebnis ohne Sondereffekte lag bei 768 Millionen Euro und damit unter dem Vorjahreswert von 836 Millionen Euro. Die Umsatzrendite erreichte 15,5 Prozent.
Der Hauptgrund für die schwächere Entwicklung ist die Kernmarke Nivea. Sie verzeichnete im ersten Halbjahr einen organischen Umsatzrückgang von 6,8 Prozent. Nach Angaben von Beiersdorf belasteten mehrere Faktoren gleichzeitig das Geschäft: Probleme bei den Auslieferungen an den Handel, ein später Beginn der Sonnensaison in Europa, Lagerabbau im Handel und verzögerte Verkäufe wichtiger Produktneuheiten. Auch die Krise im Nahen Osten und Schwierigkeiten im Kernportfolio hätten die Entwicklung zusätzlich gebremst.
Nivea soll wieder wachsen
Beiersdorf will nun gegensteuern und setzt dafür auf einen 18-monatigen Turnaround-Plan. Vorstandschef Vincent Warnery sagte laut Unternehmensmitteilung: "Mit einem 18-monatigen Turnaround-Plan ergreifen wir nun noch entschlossenere Maßnahmen, um Nivea wieder auf Wachstumskurs zu bringen." Der Konzern plant nach eigenen Angaben breit angelegte Innovationen in mehreren Kategorien und will die Marke in verschiedenen Märkten stärker an die Bedürfnisse der Verbraucher:innen anpassen.
Zudem erhöht Beiersdorf seine Investitionen in Werbung deutlich. In der zweiten Jahreshälfte 2026 sollen die Medienausgaben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 100 Millionen Euro steigen. Das Unternehmen will Nivea damit wieder sichtbarer machen und neue Kaufimpulse setzen. Für Beiersdorf ist das ein wichtiger Schritt, denn Nivea ist weiterhin die bekannteste und wichtigste Marke des Konzerns.
Auch in den News:
Andere Marken stützen das Geschäft
Während Nivea schwächelt, entwickelten sich andere Marken deutlich besser. Der Bereich Derma legte organisch um 7,8 Prozent zu. Vor allem Eucerin setzte sein Wachstum fort, getragen von den Wirkstoffen Epicelline und Thiamidol. Auch der Bereich Health Care mit Hansaplast und Elastoplast wuchs und erzielte ein organisches Plus von 4,0 Prozent.
Die Luxusmarke La Prairie blieb im ersten Halbjahr zwar noch unter Druck und verlor organisch 6,9 Prozent. Im zweiten Quartal gelang jedoch die Rückkehr ins Wachstum. Dort legte die Marke organisch um 2,2 Prozent zu. Das zeigt, dass sich die Entwicklung innerhalb des Konzerns nicht in allen Bereichen gleich negativ darstellt.
Prognose für 2026 nach unten angepasst
Wegen der Probleme bei Nivea und der steigenden Investitionen hat Beiersdorf seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 gesenkt. Für den Bereich Consumer erwartet der Konzern nun einen organischen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zuvor war noch eine stabile bis leicht wachsende Entwicklung in Aussicht gestellt worden. Die EBIT-Umsatzrendite ohne Sondereffekte soll dort nun mindestens 11,0 Prozent betragen.
Auch für den Gesamtkonzern rechnet Beiersdorf jetzt mit einem organischen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich und einer EBIT-Umsatzrendite von mindestens 11,8 Prozent. Vorstandschef Warnery betonte laut Beiersdorf: "Unsere oberste Priorität ist es, unser Geschäft im Jahr 2027 wieder auf Wachstumskurs zu bringen und ab 2028 wieder profitabel zu wachsen." Damit macht der Konzern klar, dass er nicht mit einer schnellen Erholung rechnet, sondern einen längeren Umbau vor sich hat.
Verwendete Quellen:
Pressemitteilung von Beiersdorf: "Beiersdorf passt Prognose für das Gesamtjahr 2026 an und beschließt NIVEA-Turnaround-Plan für die nächsten 18 Monate"
Pressemitteilung von Beiersdorf: "Halbjahresergebnisse 2026: Derma setzt starke Entwicklung fort, NIVEA startet nächste Phase der Neuausrichtung mit 18-monatigem Turnaround-Plan"
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