Negativpreis verliehen

Milka, Dr. Oetker oder Kölln-Müsli? Das ist die dreisteste "Mogelpackung des Jahres"

Aktualisiert:

von Jana Wejkum

:newstime

Günstig einkaufen dank "Deutschland-Korb"? (13. Januar)

Videoclip • 03:50 Min • Ab 12


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Über diese Auszeichnung dürfte sich keiner der Hersteller freuen: Die Verbraucherzentrale Hamburg kürt fiese Fälle von Shrinkflation – und dieses Markenprodukt hat es auf Platz eins geschafft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Verbraucherzentrale Hamburg kürt mit einer Online-Abstimmung die "Mogelpackungen des Jahres 2025".

  • Die fünf Finalisten fallen negativ auf, weil sie durch versteckte Tricks teurer geworden sind, ohne den Verbraucher:innen einen entsprechenden Mehrwert zu bieten.

  • Verbraucher:innen haben entschieden, welches Produkt mit dem Negativpreis ausgezeichnet wird: Ihre Wahl fiel auf eine Milka-Schokolade.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat gemeinsam mit Verbraucher:innen die "Mogelpackungen des Jahres 2025" gekürt. Im Finale standen fünf Produkte bekannter Marken, die in diesem Jahr durch besonders dreiste versteckte Preiserhöhungen aufgefallen sind.

Mit zwei Drittel der abgegebenen Stimmen steht der "Sieger" jetzt eindeutig fest: Die Milka Alpenmilch Schokolade ist "Mogelpackung des Jahres". Wie die Verbraucherzentrale mitteilt, habe noch nie in der zwölfjährigen Geschichte der Wahl ein Produkt einen derart hohen Stimmenanteil erreicht. Bei der Abstimmung nahmen bis zum 20. Januar mehr als  34.000 Personen teil – auch das eine ungewöhnlich hohe Zahl.

Obwohl die Milka-Schokoladentafel jetzt nur noch 90 statt 100 Gramm auf die Waage bringt, stieg ihr Preis um 50 Cent auf 1,99 Euro - eine Preiserhöhung von mehr als 48 Prozent. Die Verpackung verdeckt außerdem die Gewichtsangabe des Produkts.

"Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben ihrem Ärger mit großer Deutlichkeit Luft gemacht",  meint Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Die subtile Reduzierung der Füllmenge bei Milka empfinden viele als dreiste Mogelpackung. Das Abstimmungsergebnis ist ein Denkzettel, wie man ihn deutlicher kaum geben kann."

Negativpreis ist erst der Auftakt

Mehr als ein symbolischer Denkzettel droht dem Milka-Hersteller vor dem Landgericht Bremen. Denn die Verbraucherzentrale Hamburg will gerichtlich klären, ob Mondelezl' Schoko-Schummelei für die Verbraucher:innen mehr als ein Ärgernis war. Sie argumentiert, dass die Umgestaltung der Verpackung Verbraucher:innen in die Irre führt. Beginn des Gerichtsprozesses ist im April.

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Auch in den News:

Insgesamt fünf Produkte im Finale

Außer der Milka-Schokolade standen noch vier weitere Produkte auf der Shortlist. Auch sie erhöhten mit kaum wahrnehmbaren Tricks den Preis des Inhalts:

  • Käse-Streusel Backmischung von Dr. Oetker: Aus alt mach neu – obwohl die Rezeptur sich kaum geändert hat. Die "neue" Backmischung bringt jedoch einen Kuchen hervor, der nur etwa halb so groß ist, wie vorher: eine Preissteigerung um fast 90 Prozent.

  • XXL Schoko Hafer-Müsli von Kölln: Wer gerne Müsli als "Vorratspack" gekauft hat, wird beim umdeklarierten "XXL Pack" feststellen, dass es viel schneller alle ist. Statt 1.700 Gramm Müsli sind darin nämlich nur noch 1.050 Gramm enthalten. Der Preis ist gleichzeitig zwar gesunken, ist jedoch trotzdem fast ein Drittel teurer als zuvor.

  • Penne Pomodoro Mozzarella von Knorr: Die Verpackung verspricht mehr Inhalt – teurer wird es trotzdem. Denn der Preis ist stärker gestiegen als die Füllmenge. Letztendlich zahlen Verbraucher:innen fast 30 Prozent mehr.

  • 3in1 Classic Kaffeesticks von Jacobs: Schmeckt der Kaffee etwa wässriger als vorher? Bei den Jacobs Kaffeesticks schrumpft der Inhalt von 180 auf 120 Gramm, obwohl in der Verpackung immer noch gleich viele Sticks enthalten sind. Das Getränk wird somit um 56 Prozent teurer.

Verbraucherschutz: "Politik muss endlich handeln"

Mit der Aktion wollen die Verbraucherschützer:innen auf verdeckte Preiserhöhungen, sogenannte Shrinkflation, aufmerksam machen. Dabei werden die Packungsgrößen reduziert, ohne den Preis entsprechend zu senken. Stattdessen werden die Produkte manchmal sogar teurer.

Im vergangenen Jahr kamen laut Verbraucherzentrale Hamburg 77 neue Produkte auf die Mogelpackungsliste. Häufig betroffen seien Müsli, Fertigprodukte und Süßwaren. Im Durchschnitt stieg der Preis dabei um mehr als 28 Prozent – weit mehr als die Teuerungsrate, die bei rund zwei Prozent liegt.

Die Politik müsse daher endlich handeln, so die Verbraucherschützer:innen. Sie fordern, dass verringerter Packungsinhalt verpflichtend gekennzeichnet wird und Verpackungen ressourcenschonender werden.


Verwendete Quellen:

Verbraucherzentrale Hamburg: "Endspurt: Welches Produkt soll die 'Mogelpackung des Jahres 2025' werden?"

Pressemitteilung Verbraucherzentrale Hamburg: "Milka Alpenmilch ist "Mogelpackung des Jahres 2025"

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