Neuer Rekord auf dem Weltmarkt?

Mega-Deal: Deutsche Telekom und T-Mobile US erwägen Fusion

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

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Die Deutsche Telekom und ihre US-Tochter T-Mobile wollen sich Insiderberichten zufolge zusammenschließen. Gemeinsam könnten sie das weltweit größte Transaktionsvolumen auf dem Markt erzielen. Expert:innen bleiben skeptisch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gerüchten zufolge wollen sich die Deutsche Telekom und das US-Tochterunternehmen T-Mobile künftig an der Börse zusammentun.

  • Offenbar hofft der Konzern damit auf einen Kursanstieg an der Wall Street sowie europäischen Märkten.

  • Die Börse bleibt gegenüber einer möglichen Fusion skeptisch, zuletzt hatte die Telekom Abstiege verzeichnen müssen.

Insiderberichten zufolge erwägt die Deutsche Telekom DTEGn.DE eine Verschmelzung mit ihrer US-Tochter T-Mobile TMUS.O. Mit einem gemeinsamen Börsenwert von knapp 390 Milliarden Euro entstünde der weltgrößte Telekom-Konzern - ein neuer Rekord.

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Weltweit größtes Transaktionsvolumen

Mit einer Fusion könnte der Telekommunikationsgigant das seit der Übernahme von Mannesmann führende Unternehmen VodafoneVOD.L überholen. Die Fusion zwischen Telekom und T-Mobile wäre damit das weltweit größte Transaktionsvolumen zweier an der Börse gelisteter Unternehmen.

Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über bestehende Pläne berichtet. Weder die Telekom noch der Bund als ihr wichtigster Aktionär wollten sich Stand Mittwochnachmittag (22. April) dazu äußern. Auch T-Mobile sei für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen gewesen.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen stehe eine Holding im Raum, die ein Kaufangebot für die Aktien der Telekom und ihrer US-Tochter abgeben könnte. Die Unternehmensfusion solle künftig an der Wall Street und an einer europäischen Börse notiert werden. Offenbar hoffe der Bonner Konzern durch den Zusammenschluss auf einen Kursanstieg durch die Schaffung eines transatlantischen Champions.

Bei perspektivischen Übernahmen könnte die verbesserte Finanzkraft von Nutzen sein, so einer der zitierten Insider. Die Überlegungen befänden sich derzeit aber in einem frühen Stadium, auch Details könnten sich noch ändern.

Auf der Telekom lasten Milliarden an Schulden

Wie Expert:innen des Research-Hauses New Street berichten, habe die Telekom vor allem den US-Markt im Fokus. Im Falle einer größeren Übernahme drohe der Anteil der Deutschen Telekom an T-Mobile US unter die 50-Prozent-Marke zu rutschen. Mit der Fusion behielten die Bonner dagegen die Kontrolle über das wachstums- und ertragsstarke US-Geschäft.

In Europa stellt eine Fusionierung größere Hürden dar. Telekomfirmen agieren hier in vergleichsweise kleinen, hart umkämpften und streng regulierten Märkten. Auch die jeweiligen Aufsichtsbehörden fordern oft eine Mindestanzahl von Anbietenden. Die Chancen für Übernahmen und Fusionen auf dem europäischen Markt sind damit geringer.

Aktuell steht die Telekom vor einem milliardenschweren Schuldenberg: Der notwendige Ausbau ihrer Mobilfunk- und Glasfasernetze erforderte eine Investition von etwa 200 Milliarden Euro. Bei T-Mobile sind es umgerechnet rund die Hälfte.

Eine Fusion als Allheilmittel für Unternehmen?

Die Börse reagiert eher zurückhaltend auf die Fusionspläne. Am Mittwoch (22. April) fielen die Papiere der Telekom um etwa drei Prozent. Auch T-Mobile lag mit ihrem Titel vergangenen Dienstag (21. April) mit einem Minus von 1,5 Prozent an der Wall Street unter dem Niveau vor Veröffentlichung der ersten Medienberichte über die mögliche Fusion.

Laut Expert:innen des Vermögensberaters Kepler Cheuvreux würden sich US-Investoren wohl kaum bei einem wachstumsschwächeren europäischen Unternehmen engagieren wollen. "Wir glauben nicht, dass Anleger auf diesen Deal gewartet haben", so die Vermögensberatung.

Auch der Analyst Robert Grindle von der Deutschen Bank schrieb, eine Fusion sei kein Allheilmittel, um den Unternehmenswert zu steigern. Laut Grindle sei das Einsparpotenzial bei Telekomfirmen überschaubar. Ein kombinierter Telekom-/T-Mobile-Konzern werde in der Verschmelzung wohl niedriger bewertet als die Summe seiner Teile. Bei anderen international agierenden Wettbewerbern wie Vodafone sei das ähnlich gewesen.

Das Kapital der Telekom auf dem Markt liegt aktuell bei knapp 135 Milliarden Euro, bei T-Mobile sind es umgerechnet 252 Milliarden Euro.


Wie der Bund reagieren würde, ist fraglich

Eine Verschmelzung von Telekom und T-Mobile würde einige Herausforderungen bedeuten: Mit rund 28 Prozent ist der Bund größter Aktionär des Konzerns. Da die Telekom derzeit rund 53 Prozent an T‑Mobile hält, würde sich der staatliche Einfluss im Falle einer Fusion verringern. Wie der Bund also einen Zusammenschluss beurteilen würde, bleibt bislang unklar.

Nach Bloomberg soll die geplante Holding im Ausland angesiedelt werden. Die Konsequenz: Der Verlust nationaler Kontrolle. Auch die aktuell hohen politischen Spannungen zwischen den USA und Deutschland könnten von Bedeutung werden. "Das sind Spekulationen, zu denen wir uns grundsätzlich nicht äußern", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Er kenne keine Pläne des Bundes, Anteile an der Deutschen Telekom zu verkaufen.

Die Telekom in den USA: Zwischen Erfolg und Pleite

Mit der Übernahme von Voicestream trat die Telekom im Jahr 2000 in den US-Markt ein. Auf anfängliche Euphorie folgte Ernüchterung: T-Mobile wurde zum Sorgenkind der Bonner und stand zeitweise sogar zum Verkauf. Doch dann keimte Hoffnung auf: Die US-Tochter wurde in den vergangenen Jahren zum Wachstumstreiber des deutschen Konzerns. So wächst sie stetig an Kund:innen und überholt US-Rivalen wie AT&TT.N und VerizonVZ.N.

2025 erwirtschaftete T-Mobile einen operativen Gewinn von umgerechnet rund 29 Milliarden Euro. Bei der Deutschen Telekom sind es etwa 44 Milliarden Euro.



Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur Reuters

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