Firmenporträt

Andreas Stihl: Vom Ein-Mann-Betrieb zum Weltmarktführer bei Motorsägen

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel

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Handsägen: der perfekte Schnitt

Videoclip • 13:59 Min • Ab 12


In den 1920er-Jahren entwickelte ein Ingenieur in Stuttgart die erste elektrische Kettensäge. Nun sind Motorsägen der Firma Andreas Stihl die meistverkauften der Welt – und das seit über 50 Jahren. Alles zur Geschichte und Entwicklung des Familienunternehmens.

Das Wichtigste in Kürze

  • Andreas Stihl gründete 1926 ein Ingenieurbüro in Stuttgart.

  • Wenig später begann die Firma Stihl, Kettensägen zu bauen und zu verkaufen.

  • Stihl ist heute ein globaler Konzern mit 20.000 Mitarbeiter:innen.

Wer war Andreas Stihl und was macht die Firma Stihl?

Andreas Stihl war ein deutsch-schweizerischer Unternehmer und Ingenieur. Er gründete in den 1920er-Jahren in Stuttgart ein Ingenieurbüro. Wenig später erfand er die erste elektrische Kettensäge der Welt. Damit legte er das Fundament für den späteren internationalen Erfolg der Firma Stihl.

Aus dem Ein-Mann-Betrieb entwickelte sich ein Großkonzern mit heute über 20.000 Mitarbeiter:innen und Produktionsstandorten in acht Ländern. Stihl hat seinen Stammsitz in Waiblingen bei Stuttgart.

Das Unternehmen entwickelt, produziert und verkauft Motorsägen und andere motorbetriebene Geräte für die Forstwirtschaft, Garten- und Landschaftspflege sowie die Bauwirtschaft. Dazu zählen unter anderem Freischneider, Heckenscheren, Laubbläser und Hochdruckreiniger. Stihl hat insgesamt 2.800 Patente angemeldet. Die Produkte sind in mehr als 160 Ländern weltweit erhältlich.

Seit Anfang der 1970er-Jahre ist der Konzern nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Motorsägen. Im Geschäftsjahr 2025 machte die Stihl-Gruppe einen Umsatz von rund 5,5 Milliarden Euro.

Eine Kettensäge mit einem Logo des Herstellers Andreas Stihl.

Bild: picture alliance / ABBfoto


Andreas Stihl und die Gründung seines Unternehmens

Andreas Stihl kam im November 1896 in Zürich zur Welt. Nach der Volksschule zog er zu Verwandten nach Deutschland, um dort die Realschule und später das Gymnasium zu besuchen. Im Ersten Weltkrieg wurde er zum Militär eingezogen und mehrfach verwundet. Nach Kriegsende studierte er Maschinenbau in Eisenbach und schloss 1920 als Ingenieur ab.

Mit einem Partner betrieb er zwischen 1923 und 1926 ein Ingenieurbüro, das sich mit Dampfmaschinen beschäftigte. Als der Erfolg ausblieb, eröffnete Stihl 1926 in Stuttgart sein eigenes Ingenieurbüro unter dem Namen "A. Stihl".

Anfangs entwarf und konstruierte der Ingenieur Niederdruckdampfmaschinen. Zudem handelte er mit Geräten zur Holzbearbeitung und war Vertreter einer Firma für Holzschneide- und Baumfällmaschinen.

Doch schon seit 1923 tüftelte Andreas Stihl an der Entwicklung einer Motorsäge. Dieses Gerät sollte der Firma schließlich zum Durchbruch verhelfen.

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Andreas Stihl – der Vater der Motorsäge

Bis in die 1920er‑Jahre erledigten Waldarbeiter ihre Aufgaben ausschließlich von Hand. Zwar konnten die Stämme damals bereits maschinell aus dem Wald transportiert werden. Doch das Fällen und Schneiden der Bäume blieb Handarbeit: Äxte und Zugsägen machten die Arbeit langsam und mühsam.

Das brachte Andreas Stihl auf die Idee, eine elektrische Säge zu erfinden. Seine Vision:

Die Säge muss zum Baum – und nicht umgekehrt.

Andreas Stihl

Die von Andreas Stihl entwickelte Motorsäge kam 1926 auf den Markt: Sie war die erste serienreife, elektrisch betriebene Kettensäge der Welt. Der Ingenieur wird darum oft auch als "Der Vater der Motorsäge" bezeichnet.

Das Gerät erleichterte die Waldarbeit deutlich, denn es war viel leistungsfähiger als Handsägen. Die Elektrosäge wog jedoch 48 Kilogramm und konnte ausschließlich von zwei Personen bedient werden.

1929 entwickelte Stihl eine tragbare, benzinbetriebene Motorsäge, die ebenfalls für zwei Personen ausgelegt war. Die "Baumfällmaschine Typ A" war auch kein Leichtgewicht: Sie wog 46 Kilogramm, machte den Einsatz aber unabhängig von einer Stromquelle und konnte deshalb besser vor Ort eingesetzt werden. Diese Säge wurde unter anderem in die USA, nach Kanada und nach Russland exportiert.

1927 stellte Stihl seine ersten beiden Mitarbeiter ein. 1929 hatte das Unternehmen schon 25 Angestellte. Es hieß jetzt "A. Stihl Maschinenfabrik" und zog nach Bad Cannstatt um. Anfang der 1930er-Jahre baute Stihl die erste Kettensäge, die von einer Person genutzt werden konnte. Die "Liliput" wog "nur" 25 Kilogramm.

Stihl brachte  1929 die erste eigene tragbare Benzinmotorsäge auf den Markt. Sie muss von zwei Männern bedient werden.

Bild: Stihl


Zweiter Weltkrieg: Andreas Stihl "verschrieb sich dem Regime"

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten trat Andreas Stihl zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. Ab 1935 gehörte er außerdem der SS an und wurde zum Hauptsturmführer ernannt.

In den 1930er‑Jahren entwickelte Stihls Firma verschiedene große und kleine Sägen für die Forstwirtschaft. Mehrere Jahre lang stellte das Unternehmen zusätzlich Waschmaschinen her – ein Geschäft, das während der Weltwirtschaftskrise zeitweise mehr Umsatz brachte als die Spezialsägen. 1937 gab Stihl diesen Bereich wieder auf und konzentrierte sich vollständig auf die Elektrosägen.

1937 und 1938 reiste Andreas Stihl nach Kanada und in die USA, um für seine Produkte zu werben. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs brach das Exportgeschäft jedoch zusammen: Das deutsche Militär wurde zum Hauptabnehmer. Für die Wehrmacht entwickelte die Firma unter anderem eine Motorsäge mit drehbarem Vergaser. In den Werken arbeiteten knapp 100 Zwangsarbeiter:innen. Andreas Stihl selbst musste nicht an die Front – als "Betriebsführer" galt er als "unabkömmlich".

1939 baute die Firma ein Werk im schwäbischen Neustadt, das in den 1970er‑Jahren Teil von Waiblingen wurde. Als der Hauptsitz in Bad Cannstatt 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde, verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach Neustadt/Waiblingen – und blieb dort bis heute.

Kurz nach Kriegsende wurde Andreas Stihl von französischen Truppen verhaftet und später von den US‑Amerikanern in einem Arbeitslager in Bayern interniert. Im März 1948 wurde er entlassen und musste sich einem Entnazifizierungsverfahren stellen, in dem er als Mitläufer eingestuft wurde.

Die Firma Stihl schreibt in ihrer historischen Einordnung dagegen: "Andreas Stihl verschrieb sich dem Regime letztlich weit über das opportunistisch Erwartbare hinaus." Andreas Stihls Sohn Rüdiger Stihl sagt dort über seinen Vater:

Mein Vater war ebenso wie eine große Mehrheit der Deutschen von dem eingeschlagenen Kurs der NSDAP überzeugt.

Rüdiger Stihl

1999 trat das Unternehmen Stihl der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft bei, die ehemalige Zwangsarbeiter:innen entschädigt.

Andreas Stihl (Mitte) mit seinen Kindern Eva und Hans Peter Stihl Mitte der 1960er-Jahre.

Bild: Stihl


Stihl nach dem Zweiten Weltkrieg: Das Unternehmen wird zum Industriebetrieb

Der Neustart nach dem Krieg war für Stihl schwierig. Von ursprünglich 500 Beschäftigten waren nur noch rund 80 geblieben, Materialien waren knapp und Stromausfälle an der Tagesordnung. Zudem ließ sich kaum etwas verkaufen, weil viele Motorsägen aus Wehrmachtsbeständen im Umlauf waren.

Andreas Stihl suchte daher nach neuen Geschäftsfeldern und entwickelte unter anderem einen günstigen Traktor. Nach einer finanziellen Krise und einem Vergleichsverfahren im Jahr 1950 ging es aufwärts: Die Exportaufträge stiegen und auch die Traktoren verkauften sich besser.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Stihl Schritt für Schritt zu einem modernen Industrieunternehmen. Eine wichtige Innovation war der Direktantrieb der Kette, der Motorsägen leichter, schneller und leistungsfähiger machte.

Ab Mitte der 1950er‑Jahre brachte Stihl leichtere Einhand‑Kettensägen auf den Markt. Besonders erfolgreich war die zwölf Kilogramm schwere Stihl Contra, die 1959 erschien. Innerhalb von zwei Jahren produzierte das Unternehmen mehr als 200.000 Exemplare. Die starke Nachfrage in Nordamerika trieb die internationale Expansion weiter voran – 1961 musste Stihl sogar eigene Frachtflugzeuge chartern, um genügend Sägen nach Kanada und in die USA liefern zu können.

Kurzzeitig produzierte Stihl sogar den Antrieb für Go-Karts: Dafür wurde der Motor der Stihl‑Contra‑Säge "aufgemotzt", wie es das Unternehmen beschreibt. 1963 stellte Stihl die Produktion der Go-Kart-Motoren und der Traktoren aber wieder ein.

1960 traten zwei der vier Kinder von Andreas Stihl ins Unternehmen ein: Eva Mayr‑Stihl und Hans Peter Stihl. Nach dem Tod des Firmengründers wurde Hans Peter Stihl 1973 zum Firmenchef. Ab 1975 leitete Eva Mayr‑Stihl als Geschäftsführerin das Ressort Finanzen/Controlling und war stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung.

Die Entwicklung von Stihl von den 1970ern bis heute

Mit dem Generationswechsel Anfang der 1970er-Jahre wuchs Stihl deutlich. Unter Hans Peter Stihl und Eva Mayr-Stihl baute das Familienunternehmen sein internationales Produktionsnetz weiter aus. Heute fertigt es in acht Ländern – in Deutschland, den USA, Brasilien, der Schweiz, Österreich, China, Rumänien und auf den Philippinen.

Baden-Württemberg bleibt die Firma dennoch eng verbunden: Drei der acht deutschen Werke befinden sich im Raum Waiblingen, zwei weitere in der Umgebung von Stuttgart. Zudem baute Stihl ein weltweites Netz mit 40 Vertriebsgesellschaften auf. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Stihl inzwischen im Ausland.

Parallel baute Stihl sein Sortiment weiter aus. Motorsägen bleiben jedoch das Kerngeschäft: Seit 1971 ist Stihl nach eigenen Angaben die meistverkaufte Motorsägenmarke der Welt.

2009 brachte Stihl die ersten Akku-Gartengeräte auf den Markt. Seitdem hat das Unternehmen das Sortiment kontinuierlich erweitert und bietet heute zahlreiche Modelle mit Akku. Weltweit sind fast 30 Prozent der verkauften Stihl-Geräte akkubetrieben, in Westeuropa sind es sogar zwei Drittel.

Hans Peter Stihl und Eva Mayr-Stihl zogen sich 2002 aus der operativen Unternehmensführung zurück. Seither wird das Unternehmen von professionellen Geschäftsführern geleitet. Der Vorstandsvorsitzende des fünfköpfigen Vorstands ist Michael Traub.

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Wem gehört Stihl heute?

Stihl befindet sich bis heute vollständig im Besitz der Familie des Firmengründers Andreas Stihl. Die Familie ist zwar nicht mehr operativ tätig, trifft aber im Beirat und Aufsichtsrat die strategischen Entscheidungen. Dr. Nikolas Stihl ist seit 2012 der Vorsitzende beider Gremien. Sein Vater Hans Peter Stihl wurde daraufhin zum Ehrenvorsitzenden. Auch zwei Enkelinnen des Firmengründers sind im Beirat und Aufsichtsrat vertreten: Selina Stihl und Karen Tebar.

Die Firmenanteile der Stihl Holding AG & Co. KG liegen bei drei der Kinder von Andreas Stihl und ihren Familien sowie den Nachkommen von Eva Mayr‑Stihl, die 2022 verstarb.

Das Geschäft mit Sägen und anderen Geräten machte die Familie reich. In der "Forbes' List of Billionaires" ist nur Selina Stihl aufgeführt, mit einem geschätzten Vermögen von 3,1 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 2,71 Milliarden Euro (Stand: 16. Juli 2026).

Welche Produkte stellt Stihl her?

Stihl hat sich längst von einem reinen Motorsägenhersteller zu einem Anbieter von Motor- und Akkugeräten entwickelt. Die Produkte richten sich je nach Modell an Profis und Privatpersonen. Das sind die wichtigsten Produkte:

  • Motorsägen (Benzin-, Akku- und Elektromodelle)

  • Freischneider und Motorsensen

  • Heckenscheren und Heckenschneider

  • Laubbläser und Laubsauger

  • Rasenmäher (Benzin und Akku)

  • Mähroboter

  • Rasentrimmer

  • Hochdruckreiniger

  • Nass- und Trockensauger

  • Motorhacken und Bodenfräsen

  • Gartenhäcksler

  • Sprüh- und Spritzgeräte

  • Trennschleifer für Bau und Straßenbau

  • Bohrgeräte und Erdbohrer

  • Forstwerkzeuge und Zubehör

FAQ: Andreas Stihl

Die Andreas Stihl AG & Co. KG ist ein deutsches Familienunternehmen mit Sitz in Waiblingen bei Stuttgart. Das Unternehmen entwickelt und produziert Motorsägen sowie motorbetriebene Geräte für Forstwirtschaft, Garten- und Landschaftspflege, Landwirtschaft und Bauindustrie.

Der Motorsägenhersteller Stihl ist ein unabhängiges Familienunternehmen. Die Anteile der Andreas Stihl AG & Co. KG befinden sich vollständig im Besitz der Nachkommen von Firmengründer Andreas Stihl.

Der Gründer der Firma Stihl, Andreas Stihl, hatte vier Kinder: Hans Peter Stihl, Eva Mayr-Stihl, Gerhild Schetter (geb. Stihl) und Rüdiger Stihl.


Verwendete Quellen:

Firmen-Webseite von Stihl

Börse Online: "Andreas Stihl: Von der ersten Motorsäge zum Weltmarktführer"

ZVW: "Stihl und die Nazi-Vergangenheit"

Forbes "List of Billionaires"

Tagesschau: "Gelassen durch die Krise?"

Forstpraxis: "100 Jahre Stihl: Das Familienunternehmen erzählt seine Geschichte"

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