Pegel sinkt immer weiter

Niedrigwasser am Bodensee legt verborgene Inseln und Felsen frei

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

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Niedrigwasser: Was für Verbraucher jetzt teurer wird

Videoclip • 01:09 Min • Ab 12


Der Bodensee führt derzeit außergewöhnlich wenig Wasser. Dadurch verändern sich Ufer, Flachwasserzonen und sogar ganze Inselbereiche sichtbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Bodensee werden wegen des Niedrigwassers derzeit mehrere sonst verborgene Untiefen und Uferflächen sichtbar, besonders rund um Reichenau, Mettnau und Lindau.

  • Fällt der Pegel weiter, könnte mit dem Teufelstisch im Überlinger See einer der spektakulärsten verborgenen Orte des Bodensees auftauchen.

  • Behörden warnen zugleich davor, freigelegte ungewöhnliche Gegenstände zu berühren, weil auch alte Kampfmittel im Seegrund liegen können.

Der niedrige Wasserstand am Bodensee legt derzeit eine Landschaft frei, die viele Menschen sonst nie zu Gesicht bekommen. Vor allem rund um die Insel Reichenau im Kreis Konstanz werden die Veränderungen deutlich. Dort ragen mehrere Untiefen aus dem Wasser, die normalerweise vom See bedeckt sind. Dazu gehören der Straßenrain, der Stuhlrain und der Bradlenrain. Nach Angaben des SWR bestätigte die Wasserschutzpolizei Reichenau, dass diese Flächen inzwischen sichtbar sind.

Der Grund dafür ist die besondere Form des Untersees. In vielen Bereichen rund um die Reichenau ist das Wasser sehr flach, der Seegrund fällt nur langsam ab. Schon wenige Zentimeter weniger Wasser reichen deshalb aus, damit große zusätzliche Flächen trockenfallen. Das Ufer verschiebt sich weit nach außen und aus Sand- und Kiesbänken werden kleine Inseln.

Was bei weiter sinkendem Pegel sichtbar wird

Eine genaue Pegelgrenze, ab der überall am Bodensee dieselben Veränderungen eintreten, gibt es nicht. Ufer, Wind und Wellen unterscheiden sich je nach Ort deutlich. Historische Beobachtungen zeigen laut SWR aber, welche Entwicklung ungefähr zu erwarten ist. Bei einem Pegel von rund 270 Zentimetern wachsen bereits sichtbare Sand-, Kies- und Schlickflächen weiter an. Um 250 Zentimeter könnten vor allem am Untersee noch größere Bereiche trockenliegen.

Besonders spannend wird es bei etwa 240 Zentimetern. Dann werden historische Extrembereiche erreicht. Rund um Reichenau und Mettnau könnten große Flächen freiliegen. Auch am sogenannten Teufelstisch im Überlinger See könnten dann erste Teile der Felsplatte aus dem Wasser ragen. Sinkt der Pegel unter etwa 230 Zentimeter, kann laut SWR sogar die gesamte Platte sichtbar werden.

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Liebesinsel und Insel Hoy plötzlich erreichbar

Auch an anderen Orten verändert sich das Bild deutlich. An der Halbinsel Mettnau bei Radolfzell liegt zwischen Ufer und der kleinen Liebesinsel inzwischen trocken gefallener Seegrund. Theoretisch wäre die Insel damit zu Fuß erreichbar. Betreten werden darf sie jedoch nicht, denn sie liegt im Naturschutzgebiet. Die Schutzregeln gelten auch bei Niedrigwasser.

Ähnliches zeigt sich in Lindau. Dort kann die kleine Insel Hoy bei sehr niedrigem Wasserstand vorübergehend fast mit dem Festland verbunden sein. Eine Sprecherin der Stadt Lindau erklärte laut SWR, die diesjährige Lage entspreche nicht den üblichen Verhältnissen der vergangenen Jahre. Auch in der Reutiner Bucht treten breite Uferzonen und Seegrund sichtbar hervor.

Historische Tiefstände und ein berühmter Felsen

Wie weit sich die Landschaft verändern kann, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Im März 1972 sank der Pegel in Konstanz auf rund 237 Zentimeter. Damals wurde der Straßenrain zwischen Reichenau und Mettnau zu einer richtigen Insel. Der SWR berichtet, dass dort am 26. März 1972 sogar ein Fest gefeiert wurde. "Die Bürgermusik spielte auf dem normalerweise überfluteten Seegrund", heißt es in der Quelle. Ein Gedenkstein erinnert noch heute daran.

Besonders bekannt ist der Teufelstisch zwischen Konstanz-Wallhausen und der Marienschlucht. Der Felsen hat eine etwa 22 Meter lange und zehn Meter breite Platte. Normalerweise liegt sie unter Wasser. Bei extremem Niedrigwasser kann sie jedoch sichtbar werden. Laut SWR war das zuletzt 1972 deutlich zu beobachten. Seit mehr als 50 Jahren habe sich dieses Schauspiel nicht wiederholt.

Neben der ungewöhnlichen Landschaft birgt das Niedrigwasser aber auch Risiken. Die Stadt Friedrichshafen warnt laut Pressemitteilung: "Auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden in Friedrichshafen vereinzelt Bomben, Granaten oder andere Kampfmittel entdeckt." Wer verdächtige Gegenstände finde, solle sie keinesfalls anfassen und sofort Polizei oder Feuerwehr informieren.


Verwendete Quellen:

SWR: "Niedrigwasser am Bodensee: Was jetzt sichtbar wird - und was noch auftauchen könnte"

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