Rauch bis Hessen

Flammeninferno im Hohen Venn: Belgiens Jahrhundertbrand bedroht deutsches Grenzgebiet

Veröffentlicht:

von Christopher Schmitt

:newstime

Keine Entwarnung im Hohen Venn

Videoclip • 01:31 Min • Ab 12


In mehreren Teilen Deutschlands kämpft die Feuerwehr gegen Waldbrände. In Belgien brennt das Hohe Venn – greifen die Flammen nun nach NRW über?

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit über 3.000 Hektar verbrannter Fläche zählt das Feuer im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn zu den verheerendsten des Landes aller Zeiten.

  • Die Bewohner:innen des nahe an der belgischen Grenze gelegenen Ortes Monschau konnten bislang nicht zurück.

  • Im Fokus stehen nun auch politische Diskussionen, unter anderem um einen möglichen Waldumbau.

Ein verheerendes Flammenmeer frisst sich durch das belgische Naturschutzgebiet Hohes Venn und rückt bedrohlich nahe an die deutsche Grenze heran. Mit rund 3.000 Hektar verbrannter Fläche handelt es sich um einen der größten Waldbrände in der Geschichte Belgiens – ausgerechnet in der einzigartigen Hochmoor- und Sumpflandschaft.

Evakuierung in Monschau – Bewohner:innen können nicht zurück

Die Lage bleibt angespannt: Das Feuer war bis auf 300 Meter an die deutsche Grenze herangerückt, was am Sonntagabend (16. August) zur Evakuierung von rund 30 Menschen aus dem Monschauer Ortsteil Kalterherberg führte. Die Bereiche Ruitzhof und Geisberg mussten geräumt werden – nicht nur wegen der Brandgefahr, sondern auch wegen der massiven Rauchbelastung. Die Betroffenen können weiterhin nicht in ihre Häuser zurückkehren, die Evakuierung bleibt aufrechterhalten.

Auch in den News:

Feuerwehr-Einsatzleiter Philipp Krüger berichtete am Montagmorgen (17. August) von einer ruhigen Nacht, in der man die Situation "etwas entschärfen" konnte. Doch Entwarnung gibt es nicht: 200 bis 250 Einsatzkräfte kämpfen auf deutscher Seite gegen die Flammen.

Torf und Trockenheit – gefährlicher Cocktail

Die Brandbekämpfung gestaltet sich teils als Albtraum für die Helfer:innen. Der belgische Feuerwehrkommandant Luc Burette erklärte die besondere Brisanz: Der Boden besteht aus Torf, an der Oberfläche liegt Gras – dadurch kann sich das Feuer rasend schnell ausbreiten. Sogar Belgiens König Philippe verschaffte sich vor Ort einen Eindruck von den verheerenden Bränden.

Zwei niederländische Löschhubschrauber und die Bundeswehr mit zwei NH-90-Hubschraubern unterstützen die Löscharbeiten in Belgien aus der Luft. Jeder Hubschrauber kann pro Flug 2.000 Liter Löschwasser ablassen.

Hinter den Häusern von Monschau-Kalterherberg tut sich eine Feuersbrunst auf.

Bild: Thomas Banneyer/dpa


Hürtgenwald: Glutnester trotz Kontrolle

Parallel bleibt die Situation im Hürtgenwald angespannt, wo Ende vergangener Woche der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens entstanden war. Zwar ist die Lage unter Kontrolle, doch zahlreiche Glutnester glimmen weiter. Etwa 400 Einsatzkräfte waren in der Nacht auf Montag (17. August) im Einsatz, tagsüber verdoppelt sich ihre Zahl. Der einsetzende Regen sei leider nur "ein Tropfen auf den heißen Stein", so eine Sprecherin des Kreises Düren.


Rauchgeruch bis nach Hessen und Baden-Württemberg

Die Dimensionen des Infernos in Westdeutschland und Belgien zeigen sich auch fernab der Brandorte: Brandgeruch und getrübte Sicht wurden bis nach Hessen und Baden-Württemberg gemeldet. Mehrere Leitstellen warnten die Bevölkerung, Fenster und Türen zu schließen.

Grünen-Chefin mit Appell

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge nutzte die Katastrophe für einen Appell: Die Feuerwehr müsse finanziell und personell besser ausgestattet werden, eine nationale Feuermanagementstrategie sei nötig. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen betonte die Notwendigkeit des Waldumbaus zu klimaresistenteren Mischwäldern. Zu 99 Prozent seien Waldbrände "menschengemacht", warnte sie.

Im Interview mit :newstime erklärte kürzlich ein Feuerwehrmann, welche Regionen hierzulande besonders gefährdet sind. Auch er wies auf die Vorteile von Mischwäldern hin. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft mahnte nun ein Gesamtkonzept an – von bedarfsgerechter Ausstattung über verbindliche Waldbrandmodule bis zu verpflichtender Aus- und Fortbildung.

Klimawandel verschärft die Gefahr

Der Deutsche Wetterdienst bestätigt den besorgniserregenden Trend: Die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Hohe Temperaturen, längere Trockenheit und weniger nachhaltiger Regen lassen die Böden austrocknen – ein idealer Nährboden für Feuerkatastrophen.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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