Krieg gegen die Ukraine

Düstere Prognose für Putin: Russlands Top-Ökonom warnt vor Niederlage - und wird gefeuert

Aktualisiert:

von Damian Rausch

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Videoclip • 01:18 Min • Ab 12


Ein russischer Spitzenökonom zweifelt öffentlich an Moskaus Erfolg im Krieg gegen die Ukraine. Kurz darauf verliert Andrej Klepatsch seinen Posten beim staatlichen Entwicklungskonzern VEB.RF.

Das Wichtigste in Kürze

  • Andrej Klepatsch warnte davor, dass Russland einen Abnutzungskrieg gegen die Ukraine nicht gewinnen könne.

  • Berichten zufolge soll der Chefökonom nach einem "Anruf von oben" seinen Posten bei VEB.RF verloren haben.

  • Klepatsch sieht Russland wirtschaftlich und technologisch unter wachsendem Druck, während die ukrainische Wirtschaft weiter funktioniere.

Russlands wirtschaftliche Belastungen durch den Krieg gegen die Ukraine könnten nach Einschätzung eines prominenten Moskauer Ökonomen weiter zunehmen. Andrej Klepatsch, bislang Chefökonom des staatlichen Entwicklungskonzerns VEB.RF, hatte öffentlich vor einer Krise und einer Niederlage Russlands im Abnutzungskrieg gewarnt. Nun hat er seinen Posten verloren. Das berichteten mehrere russische Medien. Hauptquelle für diesen Bericht ist die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Klepatsch hatte die Erfolgsaussichten Russlands zuvor deutlich infrage gestellt. Wie "The Moscow Times" berichtete, äußerte er sich bereits im Mai bei einem Vortrag in einem Club der Moskauer Börse zur wirtschaftlichen Lage beider Kriegsparteien. Einen Zusammenbruch der Ukraine hielt er demnach für unrealistisch. "Wir geben uns der Illusion hin, dass dort [in der Ukraine] alles zusammenbrechen wird. Es ist nicht zusammengebrochen und wird auch nicht zusammenbrechen", zitierte die Zeitung Klepatsch.

Stattdessen sieht der Ökonom wachsende Belastungen auf russischer Seite. Die Kosten des Krieges nähmen zu, während Russland "sowohl im technologischen als auch im wirtschaftlichen Wettbewerb weltweit" den Kürzeren ziehen werde. Zudem soll Klepatsch erklärt haben, dass Russland auf eine Krise zusteuere und einen langwierigen Abnutzungskrieg gegen die Ukraine nicht gewinnen könne.

Die Äußerungen stehen im deutlichen Gegensatz zur offiziellen Darstellung der russischen Führung. Der Kreml und staatliche Unternehmen vermitteln trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten weiterhin, die Situation sei unter Kontrolle. Präsident Wladimir Putin, der im Februar 2022 die Invasion der Ukraine befohlen hatte, erklärt wiederholt, Russland werde den Krieg gewinnen.

Bislang ist allerdings nicht absehbar, dass Moskau seine Kriegsziele erreicht. Gleichzeitig nehmen die wirtschaftlichen Probleme in Russland zu. Vor diesem Hintergrund sorgten Klepatschs Aussagen für besondere Aufmerksamkeit – und wurden nun offenbar auch für seine berufliche Zukunft zum Problem.

Auch in den News:

Medien: Klepatsch nach "Anruf von oben" entlassen

Klepatsch zählt seit Jahren zu den bekanntesten Wirtschaftsexperten Russlands. Der 67-Jährige war zwölf Jahre für den staatlichen Entwicklungskonzern VEB.RF tätig, der aus der früheren russischen Außenwirtschaftsbank hervorgegangen ist und inzwischen westlichen Sanktionen unterliegt.

Dass Klepatsch mit kritischen Einschätzungen an die Öffentlichkeit ging, galt dabei nicht als ungewöhnlich. Der Russland-Experte Alexander Prokopenko von der Denkfabrik Carnegie in Berlin erklärte, Klepatsch habe aus seiner Meinung nie ein Geheimnis gemacht.

Hinter seiner Entlassung könnte Berichten zufolge allerdings politischer Druck stehen. Nach Informationen des unabhängigen Portals "The Bell" trennte sich VEB.RF-Chef Igor Schuwalow nach einem "Anruf von oben" von seinem Chefökonomen. Damit sei ein Anruf aus dem Kreml gemeint gewesen. Schuwalow war früher stellvertretender Regierungschef und gilt als Vertrauter von Präsident Wladimir Putin.

Klepatsch selbst bestätigte seine Entlassung gegenüber dem Magazin "Forbes", äußerte sich dem Bericht zufolge jedoch nicht zu den Gründen. Eine andere Erklärung lieferte die Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Unter Berufung auf eigene Quellen bei VEB.RF berichtete sie, Klepatschs persönliche Einschätzungen zur wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Russlands seien nicht mit den Positionen des Staatskonzerns vereinbar gewesen.


Rückläufige Investitionen und Schwierigkeiten der zivilen russischen Industrie

Weitere Details zu Klepatschs umstrittenen Aussagen nennt die russischsprachige Ausgabe der Deutschen Welle. Demnach hielt der Ökonom seinen Vortrag bereits am 21. Mai bei einer Sitzung des Nikitski-Klubs, einer Diskussionsplattform im Umfeld der Moskauer Börse.

Klepatsch verwies dabei nicht nur auf die wachsenden Kriegskosten, sondern auch auf rückläufige Investitionen und Schwierigkeiten der zivilen russischen Industrie. Zugleich betonte er, dass die ukrainische Wirtschaft trotz Kriegsschäden und einer demografischen Krise weiter funktioniere – auch aufgrund umfangreicher finanzieller Unterstützung aus


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Deutsche Welle: "Экономист ВЭБ уволен после негативного прогноза об экономике"

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