Neue Funktionen

Girocard erobert die digitale Einkaufswelt: Bezahlen direkt in Händler-Apps ab 2027

Aktualisiert:

von Jacqueline Bittl

:newstime

Änderungen bei der Girocard geplant

Videoclip • 01:25 Min • Ab 12


Die beliebte Girocard wird mobiler: Ab Frühjahr 2027 können Verbraucher:innen direkt in den Apps großer Lebensmittelhändler bezahlen. Eine neue Whitelist-Funktion soll das Einkaufen bei Stammhändlern noch bequemer machen.

Die Girocard rüstet sich für die digitale Zukunft. Voraussichtlich ab Frühjahr 2027 werden Kund:innen ihre Einkäufe direkt in den Apps großer Händler mit der Girocard bezahlen können – ein bedeutender Schritt für Deutschlands meistgenutztes Zahlungsmittel.

Christopher Kirsch, Direktor Produktentwicklung Girocard bei Euro Kartensysteme, bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Wir sind in Gesprächen mit einigen großen Lebensmittelhändlern, was die Integration der Girocard in ihre Apps angeht."

Besonders im Fokus steht dabei das Bonussystem Payback, das bislang auf Lastschrift und Kreditkarte setzt. Zu den Payback-Partnern zählen unter anderem Aral, dm, Edeka und Thalia.

Auch in den News:

Intelligente Whitelist für Stammkund:innen, Buchung von Mietwägen und weitere Funktionen

Eine Innovation verspricht zusätzlichen Komfort: das sogenannte Händler-Whitelisting. Kund:innen können Händler, bei denen sie regelmäßig einkaufen, auf eine Vertrauensliste setzen. "Das ist dann ein vertrauenswürdiger Händler, bei dem ich nicht jede Transaktion noch zusätzlich authentifizieren muss", erklärte Kirsch. Diese Funktion ist neu für das Girocard-System und soll das Bezahlen im Alltag deutlich beschleunigen.

Ebenfalls für Anfang 2027 geplant: Die Girocard soll für Mietwagenbuchungen und Hotelreservierungen nutzbar werden. "Die Kartenausgeber, Sparkassen und Volksbanken, haben das bei sich schon in den Systemen umgesetzt", so Kirsch. Für Händler sei dies "definitiv günstiger als eine Kreditkartenlösung".

Auch die elektronische Alterskontrolle, die seit Mitte 2023 an Zigarettenautomaten funktioniert, soll ausgeweitet werden – etwa beim Alkoholkauf an SB-Kassen oder Verkaufsautomaten.

Kosteneffizienz bleibt Trumpf

Trotz der neuen Funktionen soll die Girocard nicht teurer werden. "Wir wollen die Kosteneffizienz auch mit den neuen Funktionen beibehalten", versicherte Kirsch. Mit rund 100 Millionen Karten im Umlauf ist die Girocard das am häufigsten genutzte bargeldlose Zahlungsmittel in Deutschland.

Die physische Plastikkarte wird vorerst nicht verschwinden, auch wenn theoretisch ein rein digitaler Weg möglich wäre. "Ich weiß nicht, ob wir in 20 Jahren noch physische Karten haben, aber Stand jetzt haben wir sie", so Produktentwickler Kirsch.

FAQ: Girocard

Die Girocard ist die mit Abstand am meisten genutzte Bankkarte in Deutschland. Sie wird von vielen Menschen umgangssprachlich noch "EC-Karte" genannt, obwohl dieser Markenname bereits 2007 abgeschafft wurde. Die Girocard wurde 2007 als gemeinsames, nationales Zahlungssystem der deutschen Banken und Sparkassen für Debitzahlungs- und Geldautomatensysteme eingeführt. Sie ist mit dem Girokonto verbunden. Besonders beliebt ist das kontaktlose Bezahlen: Fast neun von zehn Zahlungen mit der Girocard werden inzwischen kontaktlos abgewickelt. Dabei werden die Daten verschlüsselt mit dem Terminal an der Kasse ausgetauscht, wenn Kund:innen die Karte nah an das Gerät halten. Bei geringen Beträgen ist nicht einmal die Eingabe der Geheimnummer (PIN) nötig.

Ja, deine EC-Karte ist eine Girocard. Die Bezeichnung "EC-Karte" ist der alte, umgangssprachliche Name, der sich bis heute gehalten hat, obwohl der Markenname offiziell bereits 2007 abgeschafft wurde. Die Girocard funktioniert im Grunde nur in Deutschland. Für die Nutzung im Ausland benötigt sie zusätzliche Funktionen wie Maestro (von Mastercard) oder V-Pay (von Visa), die als sogenannte Co-Badges auf der Karte integriert sind.

Wie die Sparkasse auf ihrer Website berichtet, wird die klassische Girocard (oft noch "EC-Karte" genannt) nicht abgeschafft und bleibt weiterhin bestehen. Oft wird das angebliche Ende der Girocard mit dem Aus der Maestro-Funktion verwechselt, die Mastercard schrittweise bis Ende 2027 auslaufen lässt.

Nein, Mastercard und Girocard sind nicht das Gleiche. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Zahlungssysteme. Die Girocard ist ein nationales deutsches Zahlungssystem, das 2007 von deutschen Banken und Sparkassen eingeführt wurde. Mastercard hingegen ist ein internationaler Kreditkartenanbieter. Die Verbindung zwischen beiden: Viele Girocards hatten zusätzlich die Maestro-Funktion von Mastercard. Dabei handelte es sich um sogenannte Co-Badges – das heißt, einer Karte waren zwei Bezahlsysteme zugeordnet. Die Maestro-Funktion ermöglichte es, mit der Girocard auch im Ausland Geld abzuheben und bargeldlos zu bezahlen. Allerdings hat Mastercard ab dem 1. Juli 2023 die Ausgabe neuer Maestro-Karten eingestellt. Als Alternativen für die internationale Nutzung der Girocard bieten Banken und Sparkassen nun Mastercard Debit, Visa Debit oder V Pay an.
Zusammenfassend: Die Girocard ist ein eigenständiges deutsches System, während Mastercard ein internationaler Anbieter ist. Sie waren teilweise auf derselben Karte kombiniert, sind aber grundsätzlich verschiedene Zahlungssysteme.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

sparkasse.de: "Nein, die EC-Karte wird nicht abgeschafft"

Mehr entdecken