Landung
Lufthansa-A380 setzte in München vor Landebahn auf – Zwischenbericht liefert neue Details
Aktualisiert:
von Damian Rausch:newstime
A380-Alarm: Risse an Tragflächen (24. Juni)
Videoclip • 01:17 Min • Ab 12
Ein Lufthansa-Airbus A380 setzte bei der Landung in München knapp 20 Meter vor der eigentlichen Piste auf. Ein neuer Zwischenbericht der BFU zeigt nun, wie schlechtes Wetter, ein nicht verfügbares Instrumentenlandesystem und die letzten Sekunden im Cockpit den Anflug prägten.
Das Wichtigste in Kürze
Der Airbus A380 setzte im August 19 Meter vor der Schwelle der Landebahn 26L am Münchner Flughafen auf.
Beim harten Bodenkontakt wurden sieben Reifen und drei Leuchten beschädigt.
Ein neuer Zwischenbericht zeigt, was beinahe zur Katastrophe geführt hätte..
Es waren nur wenige Meter, doch der Zwischenfall hätte schwerwiegende Folgen haben können: Ein Airbus A380 der Lufthansa setzte am 17. August 2026 bei der Landung am Flughafen München noch vor der eigentlichen Landebahn auf. Gut zwei Monate später liefert ein Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) nun neue Erkenntnisse zum Ablauf der schweren Störung.
Der A380 mit dem Kennzeichen D-AIML war als Flug LH459 aus San Francisco nach München unterwegs. An Bord befanden sich 351 Passagiere. Bei der Landung berührte die Maschine den Boden bereits 19 Meter vor der Schwelle der Piste 26L.
Laut BFU wurde dabei eine vertikale Beschleunigung von 2,1 g registriert. Sieben Reifen des Hauptfahrwerks sowie drei Leuchten der Anflugbefeuerung wurden beschädigt. Verletzt wurde niemand. Das Flugzeug konnte anschließend selbstständig zum Vorfeld rollen.
Ein Airbus A380 der Lufthansa hebt ab. Ein Zwischenbericht der BFU liefert neue Erkenntnisse zu einem Vorfall in München, bei dem ein A380 19 Meter vor der Landebahn aufsetzte. (Archivbild)
Bild: Lennart Stock/dpa
Instrumentenlandesystem stand nicht zur Verfügung
Eine wichtige Rolle für den Ablauf des Anflugs spielte die technische Situation am Flughafen. Dem BFU-Zwischenbericht zufolge stand das Instrumentenlandesystem (ILS) für die Landebahn 26L an diesem Tag nicht zur Verfügung, weil es erneuert wurde. Ein ILS unterstützt Flugzeuge insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen dabei, präzise auf Kurs und Gleitpfad zur Landebahn zu bleiben.
Die Besatzung führte deshalb einen sogenannten RNP-Anflug durch. Dabei wird die Position des Flugzeugs unter anderem mithilfe satellitengestützter Navigation bestimmt. Beim A380 kam zusätzlich das sogenannte FMS Landing System (FLS) zum Einsatz. Dieses erzeugt anhand gespeicherter Daten und barometrischer Messwerte eine virtuelle Führung zur Landebahn, die im Cockpit ähnlich dargestellt wird wie bei einem ILS-Anflug.
Dabei kommt der korrekten Höhenmessereinstellung besondere Bedeutung zu. Laut BFU kann bereits eine Abweichung des Luftdruckwertes um ein Hektopascal den berechneten Anflugpfad um rund neun Meter nach oben oder unten verschieben. Das vorgeschriebene Minimum für den Anflug lag bei rund 340 Fuß beziehungsweise gut 100 Metern über Grund. Spätestens dort muss die Besatzung ausreichenden Sichtkontakt zur Piste oder ihrer Befeuerung haben, andernfalls ist ein Durchstarten erforderlich.
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Starkregen erschwerte den Anflug
Hinzu kamen schwierige Wetterbedingungen. Im Bereich des Flughafens befand sich ein Gewitter, während des Sinkflugs geriet der A380 in starken Regen. Die Landebahn 26L war für die Besatzung zunächst nicht zu erkennen. Kurz vor Erreichen der Entscheidungshöhe wurden schließlich die Anfluglichter sichtbar.
Wie "aeroTELEGRAPH" unter Berufung auf den BFU-Bericht schreibt, schätzte die Cockpitbesatzung die Sicht zu diesem Zeitpunkt auf etwa 500 Meter oder weniger. Für den Anflug waren mindestens 800 Meter vorgeschrieben. Die tatsächlich gemessene Sichtweite in der Aufsetzzone betrug zum Zeitpunkt der Landung 800 Meter, die Pistensichtweite lag bei 900 Metern. Die sogenannten PAPI-Lichter, die den Piloten über ihre Position zum korrekten Gleitpfad informieren, konnte die Besatzung während des Anflugs demnach nicht erkennen.
Kapitän erkennt Abweichung kurz vor Bodenkontakt
Gesteuert wurde die Maschine vom Kopiloten. Laut Zwischenbericht befand er sich auf einem Trainingsflug zur Wiedererlangung seiner Einsatzberechtigung nach einer rund achtmonatigen Pause. Der Kapitän überwachte den Flug, zudem befand sich ein dritter Pilot im Cockpit.
Nachdem die Anflugbefeuerung sichtbar geworden war, schaltete der Kopilot den Autopiloten aus und steuerte den A380 manuell weiter. Der Flight Director, der der Besatzung Steuerkommandos anzeigt, blieb jedoch zunächst aktiviert.
Die ausgewerteten Flugdaten zeigen laut BFU, dass die Flugzeugnase anschließend tiefer lag als vom Flight Director vorgegeben. Gleichzeitig geriet der A380 zunehmend unter den vorgesehenen Anflugpfad. Erst in einer Höhe von knapp zehn Metern bemerkte der Kapitän die zu niedrige Fluglage. Rund zwei Sekunden später setzte das Flugzeug vor der Landebahnschwelle auf.
Lufthansa ändert Verfahren nach Zwischenfall
Lufthansa reagierte bereits zwei Tage nach dem Vorfall. Nach Angaben von "aeroTELEGRAPH" schreibt die Fluggesellschaft bei entsprechenden FLS-Anflügen mit Airbus A320, A350 und A380 inzwischen vor, am veröffentlichten Minimum sowohl den Autopiloten als auch den Flight Director auszuschalten. Die Besatzung soll sich anschließend verstärkt an den visuellen Referenzen außerhalb des Cockpits orientieren. Die Regelung gilt dem Bericht zufolge zunächst, bis die zugrunde liegenden Fragen gemeinsam mit Airbus abschließend bewertet sind.
Eine abschließende Ursache für den Zwischenfall hat die BFU bislang ausdrücklich nicht festgestellt. Der jetzt veröffentlichte Zwischenbericht dient zunächst der Darstellung der bisherigen Erkenntnisse. Die weitere Analyse und mögliche Sicherheitsempfehlungen sollen Bestandteil des Abschlussberichts sein.
Verwendete Quellen:
Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU): "Zwischenbericht 26-0768-5X"
aeroTELEGRAPH: "Sieben Reifen kaputt, drei Lichter zerstört: Warum Lufthansas Airbus A380 vor der Piste landete"
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