Hohe russische Verluste
Ukraine-Krieg: Pappsärge sollen Beerdigungen für Russland günstiger machen
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Massive Angriffe auf die Ukraine
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In Sewastopol auf der russisch annektierten Krim sind für staatlich finanzierte Bestattungen nun auch günstige Särge aus Pappe und Sägemehl erlaubt. Die russische Bestattungsbranche meldet insgesamt stark steigende Umsätze – wohl auch wegen des Ukraine-Kriegs.
Das Wichtigste in Kürze
Auf der russische besetzten Krim sind für staatlich finanzierte Bestattungen nun auch Särge aus Pappe, Sägemehl und anderen Materialien erlaubt.
Der Höchstpreis für einen Sarg darf bei nur rund 38 Euro liegen.
Beobachter:innen sehen einen Zusammenhang mit den hohen russischen Verlusten beim Krieg gegen die Ukraine.
In Sewastopol auf der von Russland annektierten Krim sind die Regeln für staatlich finanzierte Bestattungen geändert worden. Das berichtet die unabhängige russische Zeitung "Moscow Times". Demnach sind für diese Beerdigungen nicht mehr nur Särge aus Holz zugelassen, sondern auch Modelle aus Pappe, Sägemehl und anderen Materialien.
Laut Bericht wurde dafür eine entsprechende Verordnung angepasst. Wichtig bleibt vor allem der Preis: Der Höchstbetrag für Särge darf demnach 3.392 Rubel und 90 Kopeken nicht überschreiten. Das entspricht umgerechnet rund 38 Euro, wie "Focus Online" berichtet.
Pappsärge sollen Bestattungen für Russland günstiger machen
In Sewastopol produziert der Unternehmer Jurij Peftjew solche kostengünstigen Pappsärge bereits. Im Gespräch mit der "Moscow Times" erklärte er, die alten Regeln hätten auf einer sehr engen Auslegung der Vorschriften beruht. Wörtlich sagte er: "Jemand wird mit der Ausarbeitung einer Verordnung beauftragt. Da man weiß, dass Särge im Allgemeinen aus Holz gefertigt sind, schreibt man es so. Und wenn es heißt 'aus Holz', dann muss es auch aus Holz sein."
Durch die Anpassung der Verordnung können nun auch alternative, billigere Materialien genutzt werden. Das soll staatlich finanzierte Bestattungen für Kommunen und Behörden in der angespannten Wirtschaftslage günstiger machen.
Russlands Bestattungsbranche meldet kräftige Umsatzsprünge
Parallel dazu wächst der russische Bestattungssektor kräftig. Die "Moscow Times" beruft sich auf die Branchenpublikation "Funeral Trust", die Daten zur Bestattungsindustrie sammelt. Demnach stieg der Gesamtumsatz der fünf größten Bestattungsunternehmen bis Ende 2024 um 24 Prozent auf 14,872 Milliarden Rubel.
Das entspreche umgerechnet rund 166,5 Milliarden Euro, schreibt das Blatt. Besonders hervorgehoben wird der Petersburger Unternehmer Waleri Larkin, den die "Moscow Times" als "Bestattungskönig" bezeichnet. Er soll 5,463 Milliarden Rubel erwirtschaftet haben – etwa 5,5 Milliarden Euro –, ein Umsatzplus von 21 Prozent.
Auch in den News:
Putins Verluste übersteigen alle bisherigen Kriege
Beobachter:innen sehen einen direkten Zusammenhang zwischen diesem Wachstum und dem Krieg Russlands gegen die Ukraine. Die Invasion begann im Februar 2022, seitdem verzeichnen beide Länder Zehntausende Tote an der Front.
Das Washingtoner Center for Strategic and International Studies (CSIS) schätzt in einem Jahresbericht die Zahl der Verluste der russischen Streitkräfte bis zum Ende des vierten Kriegsjahres auf 1,198 Millionen Menschen. Dabei werden sowohl Gefallene, Verwundete und Vermisste berücksichtigt.
Laut CSIS mussten die Streitkräfte von Kreml-Machthaber Wladimir Putin allein im Jahr 2025 425.000 Gefallene und Verwundete hinnehmen (durchschnittlich 35.000 pro Monat). "Diese Zahlen sind erschreckend. Kein anderes führendes Land hat seit dem Zweiten Weltkrieg in einem Krieg solche Verluste erlitten", fassen die Analyst:innen des CSIS zusammen.
Die russische Armee verlor in der Ukraine nach Angaben der "Moscow Times" 17-mal so viele Soldaten wie die sowjetische Armee in Afghanistan, 11-mal so viele wie in den beiden Tschetschenien-Kriegen und 5-mal so viele wie in allen Kriegen, die Russland und die UdSSR nach 1945 führten.
Verwendete Quellen:
Moscow Times: "Auf der Krim wurden staatlich finanzierte Beerdigungen in Pappkartonsärgen zugelassen"
Focus Online: "Russische Behörden genehmigen Pappsärge auf der Krim"
CSIS: "Russia’s Grinding War in Ukraine"
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