Debatte entbrannt
Trumps Fußball-WM boykottieren? Jetzt schaltet sich Ex-FIFA-Chef Blatter ein
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Fußball-WM 2026: Debatte um Boykott entfacht (26. Januar)
Videoclip • 01:41 Min • Ab 12
Grönland-Forderungen und tödliche ICE-Einsätze werfen ein neues Licht auf die Fußball-WM in den USA. Auch Ex-FIFA-Chef Blatter fordert einen Boykott – ist das realistisch?
Das Wichtigste in Kürze
Angesichts des Verhaltens der Trump-Regierung werden Stimmen nach einem Boykott der Fußball-WM, die unter anderem in den USA stattfinden wird, laut.
Jetzt hat sich auch der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter in die Debatte eingeschaltet – und einen Boykott befürwortet.
Wie realistisch ist ein (Teil-)Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft wirklich?
Jetzt schaltet sich auch der ehemalige FIFA-Chef in die Debatte ein: Joseph "Sepp" Blatter hat in einem X-Post einen Fan-Boykott von WM-Spielen in den USA vorgeschlagen. Anlass ist die US-Regierung unter Donald Trump, die mit aggressiven Grönland-Drohungen, Einreiseverboten sowie brutalem Vorgehen der Einwanderungsbehörde gegen Protestierende für Entrüstung sorgt.
Blatter bezog sich mit dem Zitat "Für die Fans habe ich einen einzigen Ratschlag: Bleibt weg von den USA" auf den Schweizer Anwalt Mark Pieth, der zuvor ein Interview mit der Schweizer Zeitung "Der Bund" gegeben hatte.
Pieth ist laut einem Bericht von "euronews" auf Wirtschaftskriminalität spezialisiert und leitete vor zehn Jahren die Aufsicht des Independent Governance Committee über die FIFA-Reform. "Ich denke, Mark Pieth hat Recht, wenn er diese Weltmeisterschaft in Frage stellt", ergänzte Blatter in seinem Post.
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Angesichts von Donald Trumps territorialen Ansprüchen auf Grönland waren in mehreren europäischen Ländern zuletzt vermehrt Stimmen für einen Boykott der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft laut geworden. Das Turnier findet vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 in den USA, Kanada und Mexiko statt – und auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kann sich der Debatte nicht mehr entziehen.
"Der DFB drückt sich vor Verantwortung" – ein Kommentar von ran-Sportjournalist Thomas Kreidemeier.
Wer fordert einen WM-Boykott und warum?
Oke Göttlich, DFB-Vizepräsident und Präsident des FC St. Pauli, hatte mindestens eine Diskussion über einen WM-Boykott gefordert: "Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen." Er argumentierte auch, dass "das Leben eines Profifußballers nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschiedenen Regionen, die derzeit von dem WM-Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden.
Zudem hatte sich der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt deutlich positioniert. Er könne sich für den Fall einer Annexion Grönlands durch die USA nicht vorstellen, "im Sommer in den Staaten ein fröhliches Fußball-Fest zu feiern". Eine widerrechtliche Besetzung würde aus seiner Sicht bedeuten, dass die Europäer überprüfen müssten, "ob man an solchen Spielen teilnehmen kann". Allerdings gehe er davon aus, dass es nicht so weit kommen werde, wofür auch die jüngste Entspannung spreche.
In den Niederlanden hatte eine Boykott-Petition an den nationalen Fußballverband KNVB und die Regierung in kurzer Zeit mehr als 100.000 Unterschriften erreicht. In dem Aufruf heißt es, es sei "unvereinbar, dass unsere Fußballer an einem Turnier eines Präsidenten teilnehmen, der damit droht, seinen eigenen Verbündeten Grönland zu überfallen und zu besetzen, wodurch er die NATO zerstört und den Weltfrieden gefährdet".
Wer spricht sich gegen einen Boykott aus?
Beim DFB gibt man sich zurückhaltend. Präsident Bernd Neuendorf hält Diskussionen über einen WM-Boykott für unangebracht: "Ich glaube, das ist gar keine große Debatte, weil wir sind - glaube ich - sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten." Er kritisierte auch Göttlichs Vorstoß: "Der Kollege ist noch nicht so lange dabei. [...] Er ist jetzt leider vorgeprescht mit dem Thema." DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig äußerte: "Ich denke nicht, dass es die Aufgabe der DFB-Sportgeschäftsführung sei, Ratschläge öffentlicher Art an die Politik oder an andere zu geben."
"Wenn es irgendwann reif sein sollte, werden wir diskutieren, aber aus meiner Sicht ist das jetzt völlig fehl am Platze", findet auch Hans-Joachim Watzke, Ligapräsident und DFB-Vizepräsident.
Jan-Christian Dreesen, Bayern-Vorstandschef, verwies auf die WM 2018 in Russland, die vier Jahre nach der Annexion der Krim stattgefunden habe. Damals habe die deutsche Nationalmannschaft teilgenommen, und er wisse nicht, warum man nicht auch in diesem Jahr am Turnier teilnehmen solle.
CSU-Chef Markus Söder lehnt einen WM-Boykott als "völligen Quatsch" ab, sowohl im Interesse der Sportler als auch außenpolitisch. Er wies darauf hin, dass die WM nicht nur in den USA, sondern auch in Kanada und Mexiko stattfindet. Der Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner (SPD) hatte sich ebenfalls skeptisch gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" geäußert: "Man bestraft damit die Fans und die Sportler, der Nutzen ist fragwürdig."
Wie wichtig ist die WM für Trump?
Für Donald Trump stellt die Fußball-WM eine wichtige Bühne im zweiten Jahr seiner zweiten Amtszeit dar, obwohl er bisher kaum Berührungspunkte mit dem Fußballsport hatte. Die WM-Ausrichtung ist für ihn ein bedeutendes Prestigeprojekt.
Zwischen Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte sich bereits vor dem Grönland-Konflikt eine besondere, teils kritisch bewertete Beziehung entwickelt. Während der WM-Auslosung im Dezember überreichte Infantino dem US-Präsidenten den sogenannten FIFA-Friedenspreis - eine Szene, die viele Beobachter:innen als befremdlich empfanden.
Die FIFA hatte zur Kritik an der Nähe zu Trump mitgeteilt, dass Infantino als Präsident "gute Beziehungen" zu den Staatschefs der Gastgeberländer pflegen müsse, um eine erfolgreiche Veranstaltung zu gewährleisten. Ein wohlgesinnter Trump scheint für die Ausrichtung des Turniers mit 48 Mannschaften von wesentlicher Bedeutung zu sein. Der Republikaner hatte bereits mit der Drohung für Aufregung gesorgt, demokratisch geführten US-Städten die Spiele wieder zu entziehen.
Wie wahrscheinlich ist ein WM-Boykott?
Trotz der Debatte wird die WM voraussichtlich wie geplant stattfinden. Das Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko sowie das erste deutsche Spiel am 14. Juni gegen Außenseiter Curaçao werden wohl wie vorgesehen angepfiffen.
Der Deutsche Fußball-Bund gilt bei Boykott-Debatten als "gebranntes Kind". Auch vor der WM 2022 in Katar wurde intensiv wegen der Menschenrechtslage im Gastgeberland diskutiert. Die deutsche Nationalmannschaft nahm diese Diskussion mit ins Turnier und schied bereits in der Vorrunde aus.
Sportverbände betonen immer wieder die Trennung von Politik und Sport. Boykotte werden generell nicht als Lösung geopolitischer Probleme angesehen. Der niederländische Verband KNVB teilte mit: "Wir haben uns für die Endrunde qualifiziert und werden daran teilnehmen."
Ein Boykott europäischer Mannschaften würde zudem die Fans treffen. Die Spielpaarungen stehen seit Wochen fest, Tausende Menschen haben bereits Tickets gekauft und teure Reisen gebucht.
Welche Hintergründe haben die Boykott-Aufrufe?
Die Boykott-Debatte entand im Kontext der Spannungen zwischen den USA und Europa wegen Trumps Besitzansprüchen auf Grönland. Der US-Präsident hatte am 17. Januar 2026 sogar Strafzölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische NATO-Länder angedroht, mittlerweile ist Trump zurückgerudert. Umso präsenter sind die Proteste nach den tödlichen Schüssen durch Bundesbeamten in Minneapolis, die zwei US-Bürger:innen unabhängig voneinander das Leben kosteten. Auch die außenpolitische Rhetorik des US-Präsidenten ist nicht milder geworden, so drohte Trump erst kürzlich Kuba.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen
euronews: "Ex-FIFA-Chef Sepp Blatter unterstützt Aufruf zum WM-Boykott in den USA"
Nachrichtenagentur dpa
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