Ballsaal-Projekt wieder im Fokus

Trump nutzt Schüsse in Washington für seine Zwecke

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

:newstime

Nach Angriff: Trump fühlt sich bestätigt

Videoclip • 01:04 Min • Ab 12


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Der Attentatsversuch kommt Donald Trump offenbar zupass: Der US-Präsident stilisiert sich als Opfer und sieht den Anschlag in Washington als Grund für die Wiederbelebung eines vom ihm forcierten Bauvorhabens.

Das Wichtigste in Kürze

  • US-Präsident Donald Trump nutzt den vereitelten Anschlag von Washington als Grund, sein Ballsaal-Projekt wiederaufzunehmen.

  • Der von ihm angestrebte Ballsaal für das Weiße Haus soll Hochsicherheitskriterien genügen.

  • Beim White House Correspondents' Dinner waren am Samstag (25. April, Ortszeit) Schüsse gefallen.

Keine 24 Stunden nach dem Schusswaffen-Zwischenfall beim Korrespond:innen-Dinner in Washington versucht US-Präsident Donald Trump, aus dem vereitelten Angriff Kapital für sich zu schlagen. "Mit dem derzeit am Weißen Haus im Bau befindlichen, militärisch streng geheimen Ballsaal wäre dieses Ereignis niemals passiert", schrieb Trump. "Er kann gar nicht schnell genug fertiggestellt werden." Der 400 Millionen Dollar teure Bau soll über einen Bunker, ein drohnensicheres Dach und kugelsicheres Glas verfügen.

Das Prestigeprojekt des Präsidenten, für das Trump bereits den historischen Ostflügel des Weißen Hauses abreißen ließ, droht ausgebremst zu werden. Denkmalschützer:innen gehen juristisch dagegen vor, weil ihrer Meinung nach das geplante Gebäude für den Ballsaal das Weiße Haus daneben klein wirken lassen könnte. Republikanische Verbündete kündigten nun Gesetzesinitiativen an, um den gerichtlich gestoppten Bau des Saals durchzusetzen.

Noch am Sonntag veröffentlichte der geschäftsführende Justizminister Todd Blanche ein Schreiben, in dem sein Ministerium die Klägerseite dazu auffordert, ihre Klage zurückzuziehen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) weiter meldet, wird dies mit den Schüssen vom Vorabend begründet. Alternativ werde ansonsten die Regierung beantragen, das Verfahren wegen "außergewöhnlicher Umstände" einzustellen. In dem Schreiben heißt es: "Einfach ausgedrückt: Ihre Klage bringt das Leben des Präsidenten, seiner Familie und seiner Mitarbeiter in große Gefahr."


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Parallelen zum Butler-Attentat auf Trump

Es wäre nicht das erste Mal, dass Trump aus einem Angriff Kapital schlagen kann, schreibt dpa. Bei einem versuchten Attentat vor rund zwei Jahren in Butler im Bundesstaat Pennsylvania hatte ein 20-jähriger Mann auf Trump geschossen, ihn am Ohr erwischt und einen Zuschauer tödlich getroffen. Umzingelt vom Secret Service und mit Blut im Gesicht, reckte Trump daraufhin die Faust in den Himmel. Seine Anhänger:innen werteten dies als ikonischen Moment. Trumps Zustimmungswerte im Wahlkampf mit dem Demokraten Joe Biden stiegen daraufhin deutlich.

Der neuerliche Schusswaffen-Anschlag fällt in eine Zeit, in der Trump innenpolitisch unter Druck steht. Während die Spritpreise steigen und beim Iran-Krieg kein schneller Ausweg in Sicht ist, sacken Trumps Zustimmungswerte aktuell auf den niedrigsten Stand seit Beginn seiner zweiten Amtszeit. Trumps Republikaner sind alarmiert: Schließlich wollen sie bei den Zwischenwahlen im November ihre knappe Mehrheit im Kongress verteidigen.


Expertin: Trump könnte vom Angriff profitieren

"Wie in vergangenen Fällen ist auch diesmal vorstellbar, dass Trump politisch gestärkt aus dem Attentat hervorgeht", sagte Laura von Daniels, US-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, der dpa. Insbesondere die MAGA-Bewegung um den früheren Fox-Moderator Tucker Carlson drohe sich wegen des Iran-Kriegs und der schlechten Wirtschaftsentwicklung von Trump abzuwenden. Carlson hatte den Präsidenten wegen des Iran-Kriegs zuletzt scharf kritisiert. Viele Anhänger:innen der "Make America Great Again"-Bewegung (MAGA) hatten sich von Trump erhofft, dass er den Fokus mehr auf das Inland legen würde.

Bei dem Gala-Dinner mit der Hauptstadtpresse im Beisein von Donald Trump war am Samstagabend ein schwer bewaffneter Mann durch eine Sicherheitsschleuse gestürmt und von Sicherheitskräften überwältigt worden. Es fielen Schüsse, der Präsident wurde von seinen Personenschützer:innen in Sicherheit gebracht.

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