Messenger-Dienst

Russland schränkt Telegram weiter ein

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

11. Februar 2026, Russland, St. Petersburg: Menschen schauen auf ihre Smartphones an einer Bushaltestelle.

Bild: Dmitri Lovetsky/AP/dpa


Russland drosselt offenbar die Geschwindigkeit des Messengerdienstes Telegram, um eine vollständige Sperrung zu testen. Das meldet das Institute for the Study of War.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die russische Telekom-Aufsichtsbehörde hat weitere Beschränkungen gegen verschiedene Messenger-Dienste angekündigt, darunter auch Telegram.

  • Zuvor hatten Nutzer:innen in Russland über Probleme beim Laden von Telegram geklagt.

  • Medien berichteten daraufhin, dass die Geschwindigkeit des Messengers  gedrosselt wird.

An zwei Tagen hintereinander ist der Messengerdienst Telegram in Russland an zwei Tagen hintereinander deutlich gedrosselt worden. Das berichtet die "Frankfurter Rundschau" am Mittwoch (11. Februar) unter Berufung auf das Institute for the Study of War (ISW). Demnach drosselt Russland Telegram, um damit eine Sperre zu testen. Wie es in dem täglichen Bericht des US-Thinktanks mit Sitz in Washington hieß, meldeten Überwachungsplattformen für Online-Dienste am Morgen des 9. Februar einen starken Anstieg von Beschwerden über Telegram. Nachdem am Abend die Zahlen zunächst gesunken seien, stiegen sie am Morgen des 10. Februar erneut.

Auch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) greift der Kreml bei Kommunikationsdiensten aktuell härter durch. Die russische Telekom-Aufsichtsbehörde Roskomnadsor hat demnach weitere Beschränkungen gegen verschiedene Messenger-Dienste angekündigt, darunter auch Telegram. Die Anbieter verstießen weiterhin gegen russische Gesetze, ließen Personendaten ungeschützt und unternähmen nichts gegen Betrug und die Nutzung ihres Services zu kriminellen und terroristischen Zielen, teilte die Behörde der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit. Daher werde Roskomnadsor schrittweise weitere Beschränkungen einführen.

Geschwindigkeit von Telegram in Russland stark gedrosselt

Wie dpa weiter meldet, hatten sich zuvor Nutzer:innen in Russland über Probleme beim Laden von Telegram beschwert. Darufhin berichteten Medien, dass Roskomnadsor Maßnahmen zur Geschwindigkeitsdrosselung des Messengers ergriffen habe. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete unterdessen, dass seit Jahresbeginn sieben administrative Verfahren gegen Telegram anhängig sind. Der Messenger soll Aufforderungen zum Löschen extremistischer oder pornografischer Inhalte nicht nachgekommen sein.

In dem ISW-Bericht heißt es weiter, dass die staatliche Aufsichtsbehörde Roskomnadsor dem Blatt Kommersant bestätigt hat, dass Telegram eingeschränkt werde. Die Behörde habe erklärt, man wolle das Unternehmen zur Einhaltung russischer Gesetze zwingen, so die "Frankfurter Rundschau". Telegram müsse russische Bürger:innen vor Betrug schützen. Zudem solle die Plattform Bedingungen schaffen, um Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen. Bereits im August 2025 hätten die russischen Behörden begonnen, Anrufe über Telegram einzuschränken. Die Drosselung am 9. und 10. Februar stellt dem ISW zufolge jedoch einen deutlich stärkeren Schritt dar.


Auswirkungen auf Kommunikation im Ukraine-Krieg möglich

Russische Militärblogger haben sich nach Aussage der ISW-Expert:innen über die Einschränkungen beschwert. Sie befürchten mögliche Folgen für die militärische Führung und Steuerung von Einheiten. So habe ein Militärblogger erklärt, die Verlangsamung von Telegram werde einen "tiefgreifenden" negativen Einfluss auf die militärische Kommunikation haben. Ein anderer habe die Entscheidung der Behörden als "ungeschickt" bezeichnet, da Telegram eine "Lebensader" für die militärische Kommunikation sei. Die Drosselung werde demnach die Zusammenarbeit zwischen Luftabwehreinheiten und beweglichen Verbänden erschweren, die bei ukrainischen Drohnenangriffen kooperieren müssten.

Hingegen meldete das oppositionelle Medium Verstka unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld der russischen Präsidialverwaltung, die Drosselung sei ein "Test". Demnach könnten die Behörden könnten Telegram vor der Wahl zur Staatsduma im September 2026 vollständig blockieren. Die Wahlen zum Unterhaus des russischen Parlaments finden landesweit statt. Verstka zufolge befürchtet der Kreml eine negative Reaktion im Inland, falls die Partei "Einiges Russland" 70 Prozent der Stimmen erhalte. Eine Quelle berichtete, wegen der Stimmung vor der Wahl und wegen der Haltung zum Krieg in der Ukraine sei eine vollständige Blockade möglich. Eine andere Quelle erklärte jedoch, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei.


Kreml an Telegram-Nutzerdaten interessiert

Nach Informationen von dpa hat der Konflikt zwischen Telegram und den russischen Behörden eine lange Geschichte. Telegram-Gründer Pawel Durow lebt seit 2014 nicht mehr in Russland. Seine Ausreise soll mit der Weigerung zusammenhängen, persönliche Daten von Telegram nutzenden Demonstrant:innen in der Ukraine an den russischen Geheimdienst weiterzugeben. Später gab es wegen des Streits um den Zugang zu Nutzerdaten mehrere Anläufe russischer Behörden, Telegram auszubremsen.

Seit Kriegsbeginn haben die russischen Behörden die Kontrolle und Zensur im Internet noch einmal drastisch verschärft. So sperrte Roskomnadsor im vergangenen Sommer Anrufe über WhatsApp und Telegram, die in Russland seither nur noch mit Hilfe eines Virtual Private Network (VPN) möglich sind. Zeitgleich brachte Russland den Messenger Max auf den Markt. Während offizielle Stellen diesen als sicher bewerben, gab es bereits zahlreiche Klagen über Betrugsversuche bei der Nutzung.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

fr.de: "Putin schränkt Telegram ein - Militärblogger warnen vor Folgen"

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