Sanktionen zeigen Wirkung

Teure Kriegsführung: Russlands Wirtschaft gerät ins Wanken

Veröffentlicht:

von Max Strumberger

Kremlchef Wladimir Putin hat zuletzt Probleme der russischen Wirtschaft eingeräumt.

Bild: SNA


Westliche Sanktionen, ein angeschlagener Ölsektor und eine heimliche Inflation weit über den offiziellen Zahlen setzen Russland stark zu. In nur wenigen Monaten könnte die Krise voll durchschlagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Russlands Wirtschaft gerät spürbar ins Wanken.

  • Sanktionen, sinkende Energieeinnahmen und steigende Kriegs­kosten ziehen die Staatskasse in die Tiefe.

  • Nun warnt selbst der Staatsapparat vor einer Krise.

Russlands Wirtschaft gerät offenbar zunehmend unter Druck. Sanktionen des Westens, ein vergleichsweise niedriger Ölpreis sowie ukrainische Angriffe auf Förder- und Infrastruktur treffen den Kern von Moskaus Einnahmequelle. Zusätzlich belasten US-Maßnahmen gegen die Energieriesen Rosneft und Lukoil die russische Wirtschaft. Für den Kreml ist das schon jetzt mehr als ein Warnsignal – es wird zur massiven Belastung für den Staatshaushalt.

Doch die eigentliche Zerreißprobe könnte noch bevorstehen. Einer der wichtigsten Abnehmer russischen Öls, Indien, steht unter erheblichem Druck aus Washington. US-Präsident Donald Trump drängt Neu-Delhi demnach dazu, kein russisches Öl mehr zu importieren. Gleichzeitig erwägt die EU laut einem Bericht der Washington Post, im Rahmen ihres 20. Sanktionspakets ein umfassendes maritimes Dienstleistungsverbot zu verhängen – betroffen wären etwa Versicherungen für Schiffe, die russisches Öl transportieren. Darüber hinaus soll der russischen Schattenflotte der Zugang zum Mittelmeer verboten werden. Für Moskau wäre das ein weiterer tiefer Einschnitt in die Exportmöglichkeiten.

Mit der Anhebung der Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent versucht die Regierung, zusätzliche Einnahmen von rund 13 Milliarden Euro zu generieren und damit die wachsenden Haushaltslöcher zu stopfen. Doch Ökonomen und Beobachter warnen: Die höhere Steuerlast könnte den ohnehin schwächelnden privaten Konsum weiter ausbremsen – mit unkalkulierbaren Folgen für die Konjunktur.

Preise für Lebensmittel explodieren

Besonders drastisch zeigt sich die Krise im Alltag vieler Bürger:innen. Schon vor der Steuererhöhung hatten zahlreiche Menschen Mühe, ihre Lebenshaltungskosten zu stemmen. Nach Angaben der unabhängigen "Moscow Times" gaben im Oktober 2025 rund 31 Prozent der Bevölkerung an, sie könnten sich keine Lebensmittel mehr leisten. Die im Exil erscheinende Onlinezeitung "Meduza" berichtet, dass sich die Lage seither nicht entspannt habe – im Gegenteil: Leser:innen aus Russland schildern, dass die Preise für viele Grundnahrungsmittel regelrecht davongelaufen seien.

Demnach sollen Lebensmittel wie Gemüse, Milchprodukte, Fleisch oder Käse im Vergleich zu vor zwei Jahren im Schnitt um etwa 30 Prozent teurer geworden sein, in manchen Fällen sogar deutlich darüber. Offiziell weist die Regierung zwar eine Inflation von sechs Prozent aus, doch Berichte aus der Bevölkerung und von Unternehmern deuten auf eine deutlich höhere reale Teuerung hin. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben zwar nicht, doch sie fügen sich in ein Gesamtbild wachsender wirtschaftlicher Spannungen.


Der Staatsapparat vor einer Krise.

Wie ernst die Lage eingeschätzt wird, zeigen Hinweise aus dem russischen Staatsapparat selbst. Laut der Washington Post warnen russische Finanzbeamte in zunehmend dringlichen Schreiben an Präsident Wladimir Putin vor einer möglichen Wirtschaftskrise bis zum Sommer. Sinkende Einnahmen könnten demnach das Haushaltsdefizit stark ausweiten – es sei denn, die Regierung greife zu weiteren Steuererhöhungen. Parallel wächst der Druck auf das Bankensystem, das mit hohen Zinsen und einer politisch erzwungenen Kreditvergabe an Unternehmen zur Kriegsfinanzierung konfrontiert ist.

Auch in der russischen Hauptstadt werden die Belastungen sichtbar. Ein Moskauer Geschäftsmann spricht von einer Krise, die in "drei oder vier Monaten" voll durchschlagen könnte. Die reale Inflation liege deutlich über den offiziell angegebenen sechs Prozent, obwohl der Leitzins bereits bei 16 Prozent stehe. Als Warnsignale nennt er die höchste Zahl an Restaurantschließungen in Moskau seit der Pandemie sowie Entlassungen von Tausenden Beschäftigten, die den steigenden Kosten zum Opfer fallen.

Hinzu kommt: Der russische Staat hat einen großen Teil seiner finanziellen Reserven offenbar bereits angezapft. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung, die sich auf eine interne Analyse der Bundesregierung beruft, machen Energieeinnahmen nur noch rund 22 Prozent des Staatshaushalts aus – früher waren es bis zu 50 Prozent. Der Staatsfonds soll nur noch etwa 42 Milliarden Euro umfassen und damit nur noch über die Hälfte der Mittel im Vergleich zu Kriegsbeginn verfügen. Gleichzeitig fließen dem Bericht zufolge 40 Prozent aller Staatsausgaben in den Krieg. Je länger der Konflikt andauert, desto deutlicher wird: Der Preis für Putins Kurs steigt nicht nur an der Front, sondern auch im Inneren des Landes.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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