Insolvenz trotz voller Hantelbänke
Wie Corona-Hilfen jetzt Fitnessstudios in die Pleite treiben könnten
Aktualisiert:
von Claudia ScheeleZwei beliebte Fitnessketten haben Insolvenz angemeldet.
Bild: Oliver Dietze/dpa
Die Fitnessketten orthofit und Get Fit aus dem Main-Kinzig-Kreis haben Insolvenz angemeldet. Auslöser sind Rückforderungen von Corona-Hilfen – der Trainingsbetrieb soll nach Angaben der Geschäftsführung aber ganz normal weiterlaufen.
Das Wichtigste in Kürze
Die orthofit GmbH und die Get Fit – Preiswert Trainieren GmbH haben wegen Rückforderungen von Corona-Soforthilfen und Überbrückungshilfe III Insolvenz angemeldet.
Betroffen sind sieben direkt betriebene Studios, unter anderem in Bad Soden-Salmünster, Wächtersbach und Oberursel, Franchise-Studios der Marke Get Fit laufen unabhängig weiter.
Alle Studios bleiben nach Unternehmensangaben geöffnet, der Trainingsbetrieb soll normal weiterlaufen, während mit Investor:innen über eine Sanierung und die langfristige Sicherung des Geschäfts verhandelt wird.
Die orthofit GmbH aus Bad Soden-Salmünster und die Get Fit – Preiswert Trainieren GmbH mit Sitz in Wächtersbach haben beim Amtsgericht Hanau Insolvenzanträge gestellt. Beide Unternehmen begründen den Schritt mit Rückforderungen staatlicher Corona-Soforthilfen und der Überbrückungshilfe III, die zu erheblichen Liquiditätsproblemen geführt und letztlich zur Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaften beigetragen hätten.
Nach Angaben der Geschäftsführung waren die Anträge wegen gesetzlicher Vorgaben nicht zu vermeiden. Geschäftsführer Eugen Leibman sagte der "Bild", "Auslöser sind Rückforderungen im Zusammenhang mit Corona-Soforthilfen und der Überbrückungshilfe III, die das Unternehmen finanziell überfordert haben".
Rückforderungen aus Corona-Zeit bringen Studios ins Wanken
Die Anträge betreffen insgesamt sieben Fitnessstudios, die direkt von den beiden Gesellschaften betrieben werden und bereits vor der Corona-Pandemie eröffnet wurden. Genannt werden unter anderem Standorte in Bad Soden-Salmünster, Wächtersbach, Steinau an der Straße, Sinntal, Birstein und Oberursel (alle in Hessen). Für diese Studios geht es nun im laufenden Verfahren um die Frage, ob sie saniert oder verkauft werden können.
Leibman betont zugleich, dass es sich um eine begrenzte Zahl von Standorten handelt. Der Franchisebetrieb sowie sämtliche Studios von Franchisenehmer:innen seien von den Insolvenzanträgen nicht betroffen und würden regulär weitergeführt. Mit allen Franchise-Standorten komme die Marke auf 43 Studios in mehreren Bundesländern; persönlich sei er an 17 Standorten beteiligt.
Trainingsbetrieb läuft weiter – Mitglieder sollen nichts merken
Für Mitglieder und Beschäftigte verspricht die Geschäftsführung weitgehende Stabilität. In einer Mitteilung heißt es, alle betroffenen Fitnessstudios blieben geöffnet, der Trainingsbetrieb laufe uneingeschränkt weiter. Gegenüber der "Bild" gab Leibman Entwarnung: "Alle Studios bleiben geöffnet. Der Trainingsbetrieb läuft ganz normal weiter." Auch Öffnungszeiten und Angebote sollen demnach vorerst unverändert bleiben.
Hinter den Kulissen arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben an Lösungen. Löhne und laufende Kosten werden im Insolvenzverfahren in der Regel über spezielle Regelungen wie das Insolvenzgeld abgesichert, Details dazu nannte die Geschäftsführung bislang nicht. Klar ist aber: Für die Kund:innen sollen Verträge und Mitgliedschaften zunächst unverändert weiterlaufen – Beiträge sollen wie gewohnt eingezogen werden, solange der Betrieb aufrechterhalten wird.
Auch in den News:
Gespräche mit Investor:innen und Hoffnung auf Sanierung
Parallel zu den Insolvenzanträgen laufen Gespräche mit potenziellen Investor:innen. Beide Unternehmen sprechen von "konstruktiven" Verhandlungen. Ziel sei es, eine Sanierung zu ermöglichen und den Geschäftsbetrieb dauerhaft zu sichern. "Beide Unternehmen befinden sich in intensiven Gesprächen mit Investoren", so Leibman. Man strebe an, sämtliche Standorte langfristig zu erhalten.
Der Geschäftsführer gibt sich optimistisch: "Ich bin überzeugt, dass es eine Lösung geben wird und wir weitermachen können." Konkrete Details zu möglichen Investor:innen oder zu einzelnen Studios liegen bisher nicht vor. Das Amtsgericht Hanau hat vorläufige Insolvenzverwalter eingesetzt, die nun gemeinsam mit der Geschäftsführung die wirtschaftliche Lage prüfen und Sanierungsoptionen ausloten. Für die Mitglieder heißt das: Wichtig ist es, Informationen der Studios im Blick zu behalten – akut droht ihnen nach derzeitigem Stand aber kein Trainingsstopp.
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Verwendete Quellen:
T-Online: "Fitnessstudio-Ketten melden Insolvenz an"
Bild: "Bekannte Fitnessstudio-Kette meldet Insolvenz an"
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