Russlands Machthaber
Putin in China – trotz Haftbefehl: Wohin kann der Kreml-Chef ohne Festnahme reisen?
:newstime
Das würde passieren, wenn Putin nach Deutschland reist
Videoclip • 04:35 Min • Ab 12
Ein internationaler Haftbefehl wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in der Ukraine schränkt Putins Bewegungsfreiheit massiv ein – jetzt reist er nach China. Welche Länder er besuchen kann, ohne festgenommen zu werden.
Auf Donald Trump folgt Wladimir Putin: Russlands Machthaber reist am Dienstag (19. Mai) – begleitet von einer Delegation aus Ministern und Managern staatlicher und privater Konzerne – nach China. Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow folgt der Besuch auf Einladung des chinesischen Staats- und Parteichefs Xi Jinping. Die privilegierte strategische Partnerschaft beider Mächte solle ausgebaut werden. Diese umfasst zuvorderst Wirtschaft, Militär, Diplomatie und Kultur.
Jedoch ist Putins Treffen mit Xi keine Selbstverständlichkeit. Von Seiten des Internationalen Strafgerichtshofs wurde ein Haftbefehl gegen den Kreml-Chef erlassen. Doch in China, das das Römische Statut nicht ratifiziert hat, hat er nichts zu befürchten.
Wohin darf der Kreml-Chef noch reisen, ohne festgenommen zu werden?
Nordkorea: Ein Besuch bei Kim Jong-un
Putin besuchte im Jahr 2024 Nordkorea und traf sich mit Kim Jong-un. Beide Machthaber unterzeichneten ein Abkommen über gegenseitigen militärischen Beistand, das eine klare Front gegen den Westen bildet – einen "gewaltigen Vertrag", sagte Kim Jong-un. In Nordkorea, das Putin auch mit Soldaten im Ukraine-Krieg unterstützte, muss sich Russlands Machthaber offensichtlich keine Sorgen um eine Verhaftung machen.
Belarus: Enge Verbündete
Belarus und Russland pflegen enge Beziehungen, und Machthaber Lukaschenko steht fest an Putins Seite. Gemeinsam haben sie bereits eine Atomwaffenübung als Reaktion auf angebliche Provokationen der USA und ihrer Verbündeten durchgeführt. Belarus bleibt für Putin wohl ein sicherer Hafen.
Indien: Nur scheinbare Neutralität
Kreml-Chef Wladimir Putin ist erst im Dezember 2025 nach Indien gereist und wurde in Delhi von Premierminister Narendra Modi empfangen. Es war die erste Visite des russischen Präsidenten in dem bevölkerungsreichsten Staat der Erde seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Nach einem gemeinsamen privaten Abendessen folgte das 23. indisch-russische Gipfeltreffen. Die beiden Staaten einigten sich auf ein wirtschaftliches Kooperationsprogramm bis 2030.
Indien gibt sich im Ukraine-Konflikt offiziell neutral, ist aber weiter ein wichtiger Abnehmer russischen Öls und der Rüstungsindustrie. Die Beziehungen sind traditionell gut, Russland unterstützt Indien aber auch in dem Bemühen um mehr internationales Gewicht.
Türkei und Iran: Militärische Zusammenarbeit
Trotz historischer Spannungen arbeiten Russland und die Türkei aktuell eng zusammen, insbesondere in den Bereichen Energie, Handel und Tourismus. Diese Zusammenarbeit macht die Türkei zu einem weiteren sicheren Reiseziel für Putin. Das Gleiche gilt für den Iran: Die Islamische Republik hat sich zu einem der wichtigsten militärischen Unterstützer Russlands entwickelt und steht fest an Putins Seite.
Venezuela: Enger Verbündeter auf der Kippe?
Unter Ex-Staatspräsident Nicolás Maduro hatte Venezuela enge Beziehungen zu Russland aufgebaut – dann ließ ihn die USA im Januar 2026 verhaften. Die Amtsgeschäfte führt aktuell Delcy Rodríguez, die ehemalige Vizepräsidentin. Zwar hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow Rodríguez Russlands Solidarität telefonisch zugesichert, doch auch US-Präsident Trump lobte ihre "großartige Arbeit".
Inwiefern Venezuela für Putin noch ein sicherer Hafen ist, bleibt offen. Aktuell ist eine Reise aufgrund des politischen Umbruchs schwer vorstellbar.
Südafrika: Ein Graubereich
Südafrika hat das Römische Statut zwar ratifiziert, jedoch gab es in der Vergangenheit Diskussionen über die Umsetzung von Haftbefehlen gegen Staatsoberhäupter. Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland sind eng, was eine Verhaftung Putins eher unwahrscheinlich macht.
Weitere sichere Länder für Putin
Andere Länder, in denen Putin nicht mit einer Verhaftung rechnen muss, sind zum Beispiel Saudi-Arabien, Syrien, Kasachstan, Vietnam oder auch Kuba. Diese Länder haben nämlich das Römische Statut nicht unterzeichnet und sind daher nicht verpflichtet, den Haftbefehl gegen Putin zu vollstrecken.
Das Römische Statut
Das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs ist ein Vertrag, der die Gründung und das Funktionieren des Internationalen Strafgerichtshofs regelt. Es wurde 1998 verabschiedet und trat im Jahr 2002 in Kraft. Viele Länder haben das Statut ratifiziert, aber es gibt auch einige, die es nicht getan haben.
Länder, die das Römische Statut ratifiziert haben, sind verpflichtet, diesen Haftbefehl umzusetzen. In Deutschland und vielen anderen Ländern würde Putin daher sofort verhaftet werden und an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert werden.
Viele Länder haben das Römische Statut nicht unterzeichnet. Andere haben es unterschrieben, aber bisher nicht ratifiziert. Ratifizieren bedeutet, dass ein Staat einen bereits unterzeichneten internationalen Vertrag offiziell bestätigt und bindend macht - er verpflichtet sich, ihn einzuhalten. Und wieder andere Länder lehnen das Römische Statut sogar ab.
Unterzeichnung des Römischen Statuts, ohne bisherige Ratifizierung: Ägypten, Algerien, Angola, Armenien, Bahamas, Bahrain, Eritrea, Guinea-Bissau, Haiti, Iran, Jamaika, Jemen, Kamerun, Kirgisistan, Kuwait, Marokko, Monaco, Mosambik, Oman, Salomonen, São Tomé und Príncipe, Simbabwe, Syrien, Thailand, Ukraine, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate.
Ablehnung des Römischen Statuts: USA, China, Irak, Israel, Katar, Libyen, Russland, Sudan.
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