:newstime-Interview
Infektiologe zum Ebola-Ausbruch: Gefahr der Weiterverbreitung "als sehr hoch einzuschätzen"
Veröffentlicht:
von Christopher Schmitt:newstime
Ebola-Ausbruch: Experte erklärt
Videoclip • 06:46 Min • Ab 12
Die WHO ist nach dem Ebola-Ausbruch in Zentralafrika alarmiert. Im :newstime-Interview ordnet ein Tropenmediziner die Sterblichkeit und Verbreitungsgefahr ein.
Das Wichtigste in Kürze
Nach dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ordnet der Infektiologe Dr. Thorsten Feld die Lage ein.
Der Tropenmediziner warnt: Die Gefahr einer Ausbreitung in Nachbarländer sei "sehr hoch" – eine Einschleppung nach Europa hingegen "sehr gering".
Feld erläutert, was man bereits über den neuen Ebola-Strang weiß und warum die Übertragungswahrscheinlichkeit mit dem Fortschreiten der Krankheit wächst.
Auf den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda hat die WHO mit der Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands reagiert. Wie wahrscheinlich ist es nun, dass sich das Virus weiter ausbreitet? "Die Gefahr ist als sehr hoch einzuschätzen", erklärt Infektiologe und Tropenmediziner Dr. Thorsten Feld vom Universitätsklinikum Düsseldorf gegenüber :newstime.
Neuesten Angaben zufolge gibt es 131 vermutete Ebola-Todesfälle und 513 Ebola-Verdachtsfälle im Kongo. "Wir können davon ausgehen, dass ein relevanter Teil der Infizierten, der Kontaktpersonen, noch nicht identifiziert ist, noch nicht isoliert ist, noch nicht quarantänisiert ist", so Feld am Montag (18. März). Bei einer hohen Mobilität in dieser Region müsse man auch mit einem Einschleppen in andere Regionen sowie in Nachbarländer rechnen.
Zwar gebe es laut Feld Ebola-Ausbrüche, die bereits nach kurzem beendet werden könnten, wenn früh reagiert werde und der Ausbruch in einer abgeschotteten Region auftrete. "Hier ist es so, dass wir hier jetzt schon eine beträchtliche Zahl von Fällen haben, mit einer gewissen Ausbreitung auch ins Nachbarland Uganda." Demnach sei "die Hoffnung, dass dieser Ausbruch wirklich schnell vorüber ist, relativ gering im Moment". Über Jahre könnten sich die Ausbrüche noch hinziehen.
Da der Kontakt mit Körperflüssigkeiten für eine Ansteckung vonnöten ist, seien aktuell vor allen Dingen Familienangehörige sowie Mitarbeitende des Gesundheitswesens hohem Risiko ausgesetzt. Dies helfe bei der Eindämmung.
Sterblichkeit bei Ebolaviren "generell sehr hoch"
Da der Ausbruch erst vor kurzem ausgerufen wurde, sei die Informationslage dem Experten zufolge sehr lückenhaft. "Aber was klar ist, ist, dass der Ausbruch absolut besorgniserregend ist."
Im Kongo wurde die seltene Bundibugyo-Variante des Virus festgestellt, für das es keine spezifische Therapie oder zugelassene Impfung gibt. Über den neuen Strang wisse man grundsätzlich noch nicht viel, so Feld. Allerdings sei "die Sterblichkeit bei Ebolaviren generell sehr hoch". Hier sei das aktuelle Virus mit einer Sterblichkeit von 25 bis 50 Prozent eher am unteren Ende zu finden.
Zum Vergleich: Das Zaire Ebola Virus, das für die letzten großen Ausbrüche verantwortlich war, hatte eine dramatische Sterblichkeitsrate von über 90 Prozent.
Wieso bricht das Virus immer wieder aus?
Obwohl es zuvor bereits 17 Ebola-Ausbrüche im Kongo gab, seien laut dem Tropenmediziner immer unterschiedliche Regionen betroffen gewesen. Zudem lasse die Wachsamkeit nach Monaten und Jahren nach. Außerdem seien "die Gesundheitssysteme schlecht ausgestattet", unterstreicht Feld. Da es eine Vielzahl von anderen Erkrankungen gebe, welche Infektionen und fieberhafte Krankheitsbilder verursachten, werde der Ebola-Verdacht oft erst spät gestellt.
Mit dem internationalen Gesundheitsnotstand sorge die WHO für erhöhte Aufmerksamkeit. Die Weltgesundheitsorganisation nehme den Ausbruch ernst und setze alle Hebel in Bewegung, um diesen zu kontrollieren. Heißt: Infektionen aufzuklären, Kontaktfälle zu finden, die Antwort auf den Ausbruch international zu koordinieren und Ressourcen zu mobilisieren. Laut WHO-Chef Tedros Adhanom sollen am Dienstag (19. Mai) unabhängige Expert:innen zudem in einem Notfallausschuss an Empfehlungen infolge der Geschehnisse arbeiten.
Auch in den News:
Gefahr in Deutschland "sicherlich sehr gering"
Wie wahrscheinlich ist es, sich auch hierzulande zu infizieren? In Deutschland und Europa sei die Gefahr einer Eintragung und Weiterverbreitung "sicherlich sehr gering", betont Feld – das sehe auch die WHO so. Das führt der Tropenmediziner darauf zurück, dass "Ebola relativ schwer übertragbar ist" – und nicht durch die Luft. Enger Kontakt
Übertragungsrisiko steigt mit Krankheitsverlauf
Ebola zählt zu den Zoonosen und wird von Fledermäusen und Wildtieren auf Menschen übertragen, in der Regel vor Ort. Bei schweren Erkrankungen, die häufig auftreten, kann das Virus dann von Mensch zu Mensch übertragen werden. "Und hierfür ist ganz allermeist und in der Regel ein enger Kontakt erforderlich. Es muss einen direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten geben", so Infektiologe Feld. Ebola-Erkrankte hätten "gerade in den späten Phasen der Erkrankung Übelkeit, Erbrechen haben, Blutungen haben, sodass dann das Risiko dieser Übertragung recht hoch ist".
In frühen Phasen, in der Inkubationszeit und in der Anfangsphase der Symptomatik sei das Übertragungsrisiko hingegen recht gering.
Verwendete Quellen
Nachrichtenagentur dpa
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