Suche mit bloßen Händen

Görlitz nach dem Hauseinsturz: Drei Vermisste – Hunde finden kein Lebenszeichen

Aktualisiert:

von Christopher Schmitt

:newstime

Mehrfamilienhaus in Görlitz eingestürzt

Videoclip • 01:09 Min • Ab 12


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Helfer:innen drehen jeden Stein um, Hunde klettern über den Schutt – doch nehmen kein Lebenszeichen wahr: Nach dem Einsturz eines Mehrfamilienhauses in Görlitz werden drei Menschen vermisst.

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Innenstadt von Görlitz ist am Montagabend (18. Mai) ein Mehrfamilienhaus eingestürzt.

  • Laut Polizei gibt es nach dem Vorfall noch drei Vermisste – die Suche nach zwei Frauen und einem Mann läuft auf Hochtouren.

  • Ein Gasleck wird als Grund für den Einsturz vermutet, am Dienstagmorgen (19. Mai) tritt immer noch Gas aus.

Spürhunde haben nach dem Einsturz eines Gründerzeithauses im sächsischen Görlitz keine Lebenszeichen mehr unter den Trümmern wahrgenommen. "Die Hunde schlagen bei Lebenszeichen an, was sie gestern auch gemacht haben", erläuterte der Einsatzleiter der Feuerwehr Görlitz, Remo Kölzsch – am Dienstag (19. Mai) hätten sie bislang aber nicht angeschlagen.

Noch immer werden drei Menschen vermisst. Die Einsatzkräfte arbeiten sich mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg. "Der Einsatz von großen Baggern würde die verschütteten Menschen mehr gefährden", betonte Kölzsch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Eine große Gefahr bei der Rettungsaktion sei, dass sich nach wie vor Gas in den Hohlräumen befinden könnte.

"Jeder Stein, jedes Brett muss per Hand angehoben werden, um eventuelle Hohlräume, in denen sich Gas angesammelt haben könnte zu entdecken", hatte Kölzschs Kollege Sebastian Schramm gesagt.

Suche nach zwei Frauen und einem Mann

Das Haus war am frühen Montagabend (18. Mai) eingestürzt. Vermisst werden noch zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und ein Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit im Alter von 48 Jahren, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte. Zwei der ursprünglich fünf Vermissten waren kurz nach Mitternacht aufgetaucht – die beiden Feriengäste waren noch auf der Anreise.

Die genaue Ursache steht noch nicht fest. "Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus", sagte der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. "Es war eine lange und herausfordernde Nacht. Die Lebensrettung steht an erster Stelle", betonte der CDU-Politiker. Insgesamt waren am Vortag 140 Einsatzkräfte am Unglücksort. Unterstützung komme von allen Seiten, auch aus dem benachbarten Polen. Zudem seien Höhenretter:innen und auch Hundestaffeln im Einsatz.

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Gasaustritt noch nicht gestoppt

Nach Polizeiangaben tritt auch am Dienstagmorgen (19. Mai) noch immer Gas aus: Die Gefahr sei noch nicht gebannt. In der Nacht waren fünf Hunde im Einsatz – nach Feuerwehrangaben krochen sie in kleinste Höhlen. Der Einsatz werde mindestens den ganzen Tag, zur Not auch die kommende Nacht andauern. Die Überlebenschance liege bei diesen Temperaturen bei 72 Stunden, sagte Raik Schulze, Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Görlitz.

Man sei dabei, eine Lösung für das Problem des ausstehenden Gases zu finden, betonte Schramm. Unklar sei, in welchem Umfang Gas noch ausströmt. Baustatiker:innen waren inzwischen vor Ort, Häuser links und rechts der Einsturzstelle können später wieder bezogen werden, aber nicht, bevor die Personensuche abgeschlossen ist. Von den 54 Leuten, die von der Evakuierung betroffen sind, sind vier in einer städtischen Villa untergebracht.

Nach dem Zusammensturz des Gebäudes in der James-von-Moltke-Straße unweit des Görlitzer Bahnhofs war die Unfallstelle zunächst weiträumig evakuiert und abgesperrt worden. In dem eingestürzten Haus befanden sich nach Angaben der Polizei Miet- und Ferienwohnungen.

Polizeisprecherin: "Ständig Messgeräte im Einsatz"

Der Tagesanbruch erleichtere die Suche etwas, hatte Polizeisprecherin Anja Leuschner am Dienstagmorgen gesagt. So müsse das Technische Hilfswerk die Trümmer weniger ausleuchten. "Wir haben ständig Messgeräte im Einsatz", sagte Leuschner mit Blick auf die Gaskonzentration in der Luft. Eine erneute Explosion sei aber nicht zu erwarten. Die Suche müsse auch deshalb mit viel Vorsicht durchgeführt werden, um mögliche Hohlräume in den Trümmern nicht zu zerstören, so Leuschner.

Zwei von fünf Vermissten aufgetaucht

Zwei der ursprünglich fünf Vermissten waren kurz nach Mitternacht aufgetaucht. Die Feriengäste seien noch auf der Anreise gewesen. "Sie hatten das Glück, dass sie noch nicht da waren", so Leuschner.

Derzeit liefe an der Unfallstelle die Vermisstensuche auf Hochtouren, betonte Leuschner. Die Spürhunde kletterten auf die Trümmer und zeigten an, wenn sie etwas bemerkten. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks standen vor dem eingestürzten Gebäude und riefen: "Hier ist das THW, können Sie uns hören?". Am Einsturzort hielt sich zu dieser Zeit auch ein Mann auf, der seine Frau in dem eingestürzten Haus vermutete.

Nach Angaben des Ordnungsamtes handelt es sich bei dem Haus um ein Gebäude der Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen, die ein Tochterunternehmen der Stadt Görlitz ist.

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Schaulustige wurden von Einsturzstelle ferngehalten

Nach dem Einsturz hatte die Polizei mindestens drei Häuser evakuiert. Außerdem wurde der Ort des Geschehens so abgesperrt, dass Schaulustige das Haus nicht mehr sehen konnten. Dennoch waren Menschen gekommen, die an der Absperrung standen und die Lage beobachteten. Der Oberbürgermeister von Görlitz, Octavian Ursu (CDU), machte sich am Einsturzort ein Bild von der Lage.

Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands, sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57.000 Einwohner:innen. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt. Wegen der historischen unzerstörten Altstadtkulisse ist die Stadt auch ein gefragter Drehort für internationale Filmproduktionen.


Verwendete Quellen

Nachrichtenagentur dpa

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