Scheidender Ministerpräsident
"Ich weiß nicht, ob ich noch so lange lebe": Winfried Kretschmann wird bei Lanz deutlich
Veröffentlicht:
von Natascha Wittmann:newstime
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Videoclip • 59 Sek • Ab 12
Bei "Markus Lanz" blickte Winfried Kretschmann nicht nur auf seine eigenen Krisenjahre zurück, sondern er analysierte auch die Gegenwart. Der Grünen-Politiker forderte dabei, Deutschland müsse endlich entschlossener handeln und massiv in die Infrastruktur investieren.
Bei "Markus Lanz" ging es am Dienstagabend (12. Mai) um ein Thema, das viele Menschen umtreibt: den immer schärferen Ton in der Politik und die Frage, ob Schwarz-Rot überhaupt noch geschlossen wirkt. Auslöser war ein Satz von Bundeskanzler Friedrich Merz, der sich im "Spiegel" über den Umgang mit seiner Person beschwert hatte: "Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen." Lanz nahm dies als Einstieg, um über Respekt und das politische Klima in Deutschland zu sprechen. Mit in der Runde: Winfried Kretschmann. Der langjährige Ministerpräsident von Baden-Württemberg zog nach 15 Jahren im Amt eine persönliche Bilanz. Er gehe zwar "zufrieden aus dem Amt", doch "ein Großteil" seiner Zeit an der Spitze sei "von schweren Krisen geprägt" gewesen. Besonders die Corona-Pandemie habe sich bei ihm eingebrannt.
Lanz fragte interessiert nach: "Ist der Eindruck richtig, dass wir uns in Corona irgendwie verloren haben als Gesellschaft?" Kretschmann bestätigte dies und wurde deutlich: "Ein Teil hat sich verloren. (...) Verschwörungserzählungen haben sich ausgebreitet bis hin in Kreise und Personen, wo ich das selbst für völlig undenkbar gehalten hätte." Gleichzeitig stellte der Grünen-Politiker klar, dass er seine Entscheidungen von damals nicht bereue. Über die strengen Maßnahmen sagte er: "Da habe ich mir echt nichts vorzuwerfen, das muss ich klipp und klar sagen. Ich werde oft aufgefordert, mich zu entschuldigen. In der Situation habe ich richtig gehandelt."
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Kretschmann kritisiert Schwarz-Rot: "Das ist einfach schlechtes Handwerk"
Als Lanz das Gespräch auf die Gegenwart lenkte, ging es schnell um die Stimmungslage nach Corona, und darum, dass der Ton bei einigen Politiker:innen inzwischen "deutlich rauer" geworden sei. Journalistin Melanie Amann stimmte zu und richtete ihren Blick auf Merz: "Dieser Mann kreist um sich selbst und ich weiß nicht, ob er dem Druck gewachsen ist, den dieses Amt mit sich bringt." SPD-Politiker Stephan Weil stellte sich derweil auf die Seite von Merz und sagte, dass "auch Bundeskanzler als Menschen (...) Anspruch auf Respekt haben und das teilweise völlig verloren gegangen ist".
Weil schob nach: "Er macht ja vielleicht auch mehr richtig, als so im Allgemeinen öffentlich diskutiert wird". Winfried Kretschmann wiederum nahm weniger den Menschen Merz ins Visier, sondern das Auftreten der Koalition insgesamt. Seine Kritik fiel scharf aus: "Man streitet nicht dauernd öffentlich herum. Man stellt nicht Forderungen auf, von denen man weiß, dass der Koalitionspartner das gar nicht machen wird. Das ist einfach schlechtes Handwerk!" Auch die Wirtschaftslage in Baden-Württemberg beschrieb er alarmiert. Das Bundesland stecke demnach in einer "einigermaßen dramatischen" Situation, denn: "Wir haben einen massiven Arbeitsplatzabbau."
Kretschmann: "Wir müssen jetzt in die Infrastruktur investieren"
Zum Schluss wurde Kretschmann grundsätzlicher: Viele Menschen seien in Deutschland nach wie vor "im Sicherheitsdenken" und hätten "irgendwie das Gefühl dafür verloren", "dass dieser Wohlstand hart durch Produktivitätsfortschritte" erarbeitet werden müsse. Seine Warnung? "Wir sind nicht einfach selbstverständlich eine führende Industrienation".
Trotzdem setzte er auf einen Ausweg nach vorn: "Wir müssen jetzt in die Infrastruktur investieren. Das kostet Geld, aber auf mittlere Sicht werden wir alle anderen hinter uns lassen. Ich weiß nicht, ob ich noch so lange lebe." Lanz reagierte prompt: "Sie leben noch ganz lange hoffentlich!"
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