Personalumbau in der Union

Nach Spahns Rücktritt: Wer wird sein Nachfolger?

Veröffentlicht:

von Fabia Söllner

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Wer tritt Spahns Nachfolge an?

Videoclip • 01:10 Min • Ab 12


Nach dem Rücktritt von Jens Spahn soll es schnell gehen: Die Nachfolge soll bald geklärt werden. Es könnte in den nächsten Tagen aber um mehr als das gehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Friedrich Merz will die Nachfolge von Jens Spahn an der Fraktionsspitze schnell regeln.

  • Thorsten Frei gilt als aussichtsreichster Kandidat für den Fraktionsvorsitz.

  • Der Personalwechsel könnte weitere Umbesetzungen in Bundesregierung und Kanzleramt auslösen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) möchte nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn rasch für Klarheit sorgen. Gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder will er zeitnah einen Vorschlag für die Nachfolge vorlegen. Gleichzeitig könnte der Wechsel an der Spitze der Fraktion weitere personelle Veränderungen nach sich ziehen.

Im ZDF-Sommerinterview erklärte Merz, dass dies eine Gelegenheit sein könne, die Zusammensetzung der Bundesregierung noch einmal zu überdenken. In den Spekulationen über mögliche Neubesetzungen werden derzeit mehrere Namen genannt.

Thorsten Frei: Chef des Bundeskanzleramts (CDU)

Als aussichtsreichster Kandidat für den Vorsitz der Unionsfraktion gilt derzeit Kanzleramtschef Thorsten Frei. Der 52-Jährige bringt viel Erfahrung mit, da er in der vergangenen Legislaturperiode als Parlamentarischer Geschäftsführer eng mit dem damaligen Fraktionschef Friedrich Merz zusammenarbeitete. Bereits nach der Bundestagswahl 2025 wurde Frei als möglicher Fraktionschef gehandelt, wechselte schließlich jedoch ins Kanzleramt.

Dort konnte er bislang nicht vollständig überzeugen. Innerhalb der Union wird ihm von einigen vorgeworfen, sich stärker auf öffentliche Auftritte als auf die Koordinierung der Regierungsarbeit zu konzentrieren. Viele Parteimitglieder sehen seine Stärken deshalb eher in der Fraktionsführung. Sollte Frei den Vorsitz übernehmen, hätte Merz einen engen Vertrauten an der Spitze der Bundestagsfraktion und könnte zugleich das Kanzleramt personell neu aufstellen. Der Wechsel würde dem Bundeskanzler die Möglichkeit bieten, neben politischen Reformen auch personelle Veränderungen vorzunehmen, um der Koalition neuen Schwung zu verleihen.

Carsten Linnemann: CDU-Generalsekretär

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wird ebenfalls als möglicher Kandidat für den Fraktionsvorsitz gehandelt. In seiner bisherigen Rolle in der Parteizentrale stand er jedoch meist im Schatten von Parteichef Friedrich Merz und konnte sich politisch nur begrenzt profilieren. Die Leitung der Bundestagsfraktion könnte ihm daher neue Möglichkeiten eröffnen.

Seine Chancen gelten allerdings als eher gering. Innerhalb der Partei nehmen ihm einige noch immer übel, dass er nach der Bundestagswahl 2025 auf einen Ministerposten verzichtete, weil ihm die Zuständigkeiten des Wirtschaftsministeriums nicht weit genug gingen. Ob Linnemann überhaupt Interesse an einem Wechsel hat, ist bislang unklar. Als Generalsekretär stehen ihm ohnehin schwierige Monate bevor: Sollten bei den Landtagswahlen im September wichtige Ministerpräsidentenämter verloren gehen, könnte dies die CDU zusätzlich unter Druck setzen und parteiinterne Diskussionen verschärfen.

Auch in den News:

Alexander Dobrindt: Bundesinnenminister (CSU)

Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wird als möglicher Kandidat für den Fraktionsvorsitz genannt. Er zählt zu den erfolgreichsten Ministern der schwarz-roten Bundesregierung und hat vor allem in der Migrationspolitik Akzente gesetzt. Zudem gilt er als erfahrener Vermittler, der die Zusammenarbeit innerhalb der Koalition fördert. Durch seine langjährige Tätigkeit als Vorsitzender der CSU-Landesgruppe verfügt er bereits über umfangreiche Erfahrung in der Führung der Unionsfraktion.

Gerade seine erfolgreiche Arbeit als Innenminister spricht jedoch gegen einen Wechsel. In seiner jetzigen Funktion nimmt Dobrindt eine zentrale Rolle innerhalb der Bundesregierung ein. Als wichtigster Vertreter der CSU im Kabinett koordiniert er die Interessen seiner Partei und trägt maßgeblich dazu bei, das Gleichgewicht innerhalb der Koalition zu sichern. Deshalb erscheint ein Verbleib im Innenministerium derzeit wahrscheinlicher als ein Wechsel an die Spitze der Fraktion.

Günter Krings: stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion (CDU)

Unter den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden wird vor allem Günter Krings als möglicher Kandidat gehandelt. Er ist innerhalb der Unionsfraktion für die Bereiche Inneres, Recht und Verbraucherschutz zuständig und steht zudem an der Spitze der einflussreichen nordrhein-westfälischen Landesgruppe.

Für den Fraktionsvorsitz gilt Krings allerdings nicht als Favorit. Stattdessen wird sein Name vor allem im Zusammenhang mit der Leitung des Kanzleramts genannt – für den Fall, dass Thorsten Frei an die Spitze der Unionsfraktion wechselt. Krings verfügt durch seine frühere Tätigkeit als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium über Regierungserfahrung und gilt als Politiker, der eher im Hintergrund arbeitet als die öffentliche Bühne sucht. Diese Eigenschaften würden gut zu der Rolle eines Kanzleramtschefs passen, der die Abläufe innerhalb der Bundesregierung koordiniert und im Hintergrund die Fäden zusammenhält.

Nina Warken: Bundesgesundheitsministerin (CDU)

Unter den Frauen in der Union wird derzeit vor allem Gesundheitsministerin Nina Warken als mögliche Kandidatin für den Fraktionsvorsitz genannt. Sie hat zuletzt die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung auf den Weg gebracht und steht nun vor der nächsten großen Aufgabe: der Reform der Pflege, die sich noch in der Vorbereitungsphase befindet.

Trotzdem gelten ihre Chancen auf den Fraktionsvorsitz als eher gering. Zum einen ist sie mit den anstehenden Reformvorhaben im Gesundheitsressort stark eingebunden, zum anderen gibt es mehrere prominente männliche Bewerber, die in den Spekulationen derzeit als aussichtsreicher gelten.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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