Die Lage im Überblick
Waffenruhe gescheitert: USA und Iran steuern auf neue Eskalation zu
Veröffentlicht:
von Fabia Söllner:newstime
USA eskalieren Angriffe auf Iran
Videoclip • 01:08 Min • Ab 12
Nach dem Tod von zwei US-Soldaten hat das amerikanische Militär nach eigenen Angaben Vergeltungsangriffe auf Ziele im Iran gestartet. Gleichzeitig kündigt auch der Iran Gegenmaßnahmen an.
Das Wichtigste in Kürze
Nach dem Tod zweier US-Soldaten haben die USA ihre Luftangriffe auf den Iran verstärkt.
Der Iran hat das Rahmenabkommen mit den USA ausgesetzt.
Experten warnen, dass die Eskalation den Konflikt auf weitere Staaten in der Golfregion ausweiten könnte.
Nach dem Tod von zwei US-Soldaten durch iranischen Beschuss und den darauffolgenden amerikanischen Luftangriffen wächst die Gefahr einer weiteren Eskalation. Beide Seiten kündigen Vergeltung an. Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom griff das amerikanische Militär bereits in der achten Nacht hintereinander Ziele im Iran an. Damit sollten unter anderem die iranischen Revolutionsgarden für Angriffe auf US-Soldaten in Jordanien zur Rechenschaft gezogen werden.
Auch Irans oberster Führer, Ajatollah Modschtaba Chamenei, drohte den USA mit Gegenmaßnahmen. In einer veröffentlichten Erklärung kündigte er an, das iranische Volk und die sogenannte Widerstandsfront würden den Vereinigten Staaten eine deutliche Antwort erteilen. Chamenei selbst ist bislang noch nicht öffentlich aufgetreten.
16 tote US-Soldaten gemeldet
Erstmals seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar meldete das US-Militär wieder Todesopfer durch iranische Angriffe. Nach Angaben des Regionalkommandos Centcom kamen am Freitag zwei US-Soldaten in Jordanien ums Leben, als sie gemeinsam mit Verbündeten versuchten, iranische Raketen- und Drohnenangriffe abzuwehren. Ein weiterer Soldat gilt weiterhin als vermisst. Damit erhöht sich die offiziell bestätigte Zahl der im Krieg getöteten US-Soldaten auf 16.
US-Medien berichten zudem, dass der Iran seine Angriffstaktik angepasst habe. Demnach setzt Teheran Raketen ein, die mit sehr hoher Geschwindigkeit fliegen und während ihres Anflugs ihre Flugbahn verändern können. Nach Einschätzung von US-Vertreter:innen wächst deshalb die Sorge, dass der Iran bei der Entwicklung oder Zielsteuerung dieser Waffen Unterstützung aus China oder Russland erhalten könnte.
Trump äußert sich zu Todesfällen
Der Tod der beiden US-Soldaten erhöht den innenpolitischen Druck auf Präsident Donald Trump, da der Krieg in den USA zunehmend auf Kritik stößt. Gegenüber dem Fernsehsender NewsNation bezeichnete Trump die Todesfälle als sehr tragisch und betonte erneut, dass der Iran seiner Ansicht nach keine Atomwaffen besitzen dürfe.
Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums kamen seit der jüngsten Eskalation mit den USA mindestens 50 Menschen ums Leben. Zudem seien über 500 weitere Personen bei den amerikanischen Angriffen verletzt worden. Die iranische Regierung veröffentlicht dabei üblicherweise nur Zahlen zu zivilen Opfern. Informationen über mögliche Verluste der eigenen Streitkräfte werden offiziell nicht bekannt gegeben.
US-Raketenangriff nahe Gheschm
Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom richteten sich die jüngsten Luftangriffe erfolgreich gegen militärische Einrichtungen des Irans. Dabei seien unter anderem Küstenüberwachungs- und Luftabwehrsysteme sowie Lager für Raketen und Drohnen zerstört worden. Ziel der Einsätze sei es auch, Irans Möglichkeiten einzuschränken, die Schifffahrt in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu gefährden, über die ein großer Teil des weltweiten Handels mit Öl, Gas und Düngemitteln abgewickelt wird.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete unterdessen, dass mehrere Raketen in der Nähe der Insel Gheschm im Persischen Golf eingeschlagen seien. Weitere Informationen zu den Einschlägen wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Iran wendet sich von Abkommen ab
Zudem erklärte Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi laut der Agentur Fars, dass Teheran das Mitte Juni mit den USA vereinbarte Rahmenabkommen ausgesetzt habe und sich nicht länger daran gebunden sehe. US-Präsident Donald Trump reagierte darauf gelassen und erklärte gegenüber NewsNation, dies sei ihm "völlig egal".
Das Abkommen hatte vorgesehen, innerhalb von 60 Tagen eine endgültige Vereinbarung zur Beendigung des Krieges auszuhandeln und die Straße von Hormus wieder vollständig für den Schiffsverkehr zu öffnen. Eine seit Anfang April geltende Waffenruhe war zuletzt von Trump für beendet erklärt worden. Seit Anfang Juli haben sich die Kämpfe erneut deutlich verschärft.
Auch in den News:
Emirate ruft zu Eskalationsstop auf
Angesichts der zunehmenden Spannungen riefen die Vereinigten Arabischen Emirate zu einem sofortigen Ende der Kämpfe und einer schnellen Rückkehr zu diplomatischen Gesprächen auf. In einer Mitteilung auf der Plattform X forderte das Außenministerium einen Stopp der Eskalation sowie größtmögliche Zurückhaltung, um eine weitere Ausweitung der Gewalt und eine Destabilisierung der Region zu verhindern. Die USA und den Iran erwähnte die Regierung dabei nicht ausdrücklich.
Auch der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz sieht die Entwicklung mit Sorge. Seiner Einschätzung nach geraten die Ereignisse zunehmend außer Kontrolle. Das fehlende Vertrauen zwischen Washington und Teheran, die nachlassenden Vermittlungsbemühungen und die Tatsache, dass die Kommunikation inzwischen vor allem über militärische Aktionen stattfindet, erhöhten das Risiko einer weiteren Eskalation deutlich. Die Chancen auf eine Entspannung der Lage seien dagegen immer geringer.
Experte: Ausweitung des Konflikts mit dramatischen Folgen
Nach Einschätzung des israelischen Iran-Experten Danny Citrinowicz haben sowohl das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump als auch die Machtdemonstration Teherans während der Trauerfeier für den getöteten Staatschef Ali Chamenei die Führung der Revolutionsgarden in ihrer Haltung bestärkt. Demnach könnten sie überzeugt sein, im eigenen Land genügend Rückhalt zu genießen und auf die amerikanischen Angriffe mit noch schärferen Maßnahmen reagieren zu müssen.
Citrinowicz warnt deshalb, dass es unter diesen Bedingungen immer schwieriger werde, die Eskalation einzudämmen. Zudem bestehe die Gefahr, dass auch die mit den USA verbündeten Golfstaaten stärker in den Konflikt hineingezogen werden. Sollte sich die Lage nicht grundlegend ändern, könnte der Konflikt in eine noch gefährlichere Phase eintreten, die sich für beide Seiten zunehmend schwer kontrollieren lässt.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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