Nach Rücktritt
Spahn-Nachfolge: Merz will schnelle Entscheidung noch vor Sommerpause
Veröffentlicht:
von Fabia Söllner:newstime
Unionsfraktionschef Spahn tritt zurück
Videoclip • 03:49 Min • Ab 12
Mit dem Rücktritt von Jens Spahn steht die Union vor der Aufgabe, einen neuen Fraktionsvorsitzenden zu bestimmen. Kanzler Merz strebt eine schnelle Entscheidung vor seinem Urlaub an. Gleichzeitig kursieren zahlreiche Spekulationen über potenzielle Nachfolger.
Das Wichtigste in Kürze
Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion zurückgetreten.
Alexander Hoffmann führt die Fraktion vorübergehend kommissarisch.
Friedrich Merz will die Nachfolge möglichst schnell regeln.
Nach dem Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der Unionsfraktion möchte Bundeskanzler Friedrich Merz die Nachfolge möglichst schnell regeln. Nach Informationen aus dem Umfeld des CDU-Vorsitzenden soll die Entscheidung noch vor seinem für Ende Juli geplanten Urlaub fallen. Innerhalb der Union wird bereits intensiv über mögliche Kandidaten diskutiert. Als aussichtsreichster Nachfolger gilt derzeit Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU).
Kommt Thorsten Frei zurück?
Thorsten Frei gilt derzeit als aussichtsreichster Kandidat für den Vorsitz der Unionsfraktion. Der 52-Jährige war bereits in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer und arbeitete eng mit Friedrich Merz zusammen. Schon nach der Bundestagswahl 2025 wurde er als Fraktionschef gehandelt, wechselte schließlich jedoch ins Kanzleramt. Dort blieb seine Bilanz aus Sicht vieler Unionspolitiker hinter den Erwartungen zurück.
Kritiker:innen bemängeln, dass er sich stärker auf öffentliche Auftritte als auf die Koordinierung der Regierungsarbeit konzentriert habe. Deshalb halten viele die Fraktionsführung für die passendere Aufgabe. Mit Frei hätte Merz zudem einen engen Vertrauten an der Spitze der Fraktion und könnte zugleich das Kanzleramt personell neu aufstellen. Als möglicher neuer Kanzleramtschef wird häufig der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Günter Krings genannt.
Weitere Kandidaten stehen zur Debatte
Neben Frei werden auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann und CSU-Innenminister Alexander Dobrindt als mögliche Nachfolger von Jens Spahn gehandelt. Während Linnemann als weitere Option gilt, spricht bei Dobrindt seine erfolgreiche Arbeit als Innenminister eher gegen einen Wechsel. Zudem hat er bereits gezeigt, dass er auch aus seinem Ministeramt heraus großen Einfluss auf die Arbeit der Koalition ausüben kann.
Traditionell schlagen die Parteivorsitzenden von CDU und CSU den Kandidaten für den Fraktionsvorsitz vor. Friedrich Merz und Markus Söder wollen sich darüber weiter abstimmen. Ob Merz bereits bei der Sitzung des CDU-Präsidiums einen Vorschlag präsentieren wird, ist noch unklar. Die endgültige Entscheidung trifft die Unionsfraktion, möglicherweise in einer Sondersitzung während der Sommerpause. Andernfalls würde die Wahl erst bei der regulären Fraktionssitzung am 8. September stattfinden.
Weshalb eine schnelle Klärung wichtig ist
Eine schnelle Entscheidung über die Nachfolge gilt als wichtig, um anhaltende Personaldebatten zu vermeiden. Andernfalls könnten diese die politische Agenda in den kommenden Wochen bestimmen und den positiven Eindruck überschatten, den die schwarz-rote Koalition mit ihrem Reformpaket vor der Sommerpause vermitteln wollte. Hinzu kommt, dass im September Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stattfinden. Ein längerer Streit um die Fraktionsführung käme für die Union im Wahlkampf ungelegen – zumal die AfD in aktuellen Umfragen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern deutlich vor der CDU liegt.
Auch in den News:
Spahn wegen Leihmutterschaft in der Kritik
Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekannt gegeben, dass sie Eltern eines Sohnes geworden sind. Das Kind, Georg, wurde von einer Leihmutter in den USA ausgetragen. Die Nachricht löste in den folgenden Tagen zunehmend Kritik aus – auch innerhalb der Union.
Hintergrund ist, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und die CDU eine Legalisierung bislang ablehnt. Auch Spahn hatte sich in der Vergangenheit gegen eine Freigabe ausgesprochen. Kritiker werfen ihm deshalb vor, privat ein Verfahren genutzt zu haben, das er anderen Menschen in Deutschland aus politischen Gründen nicht ermöglichen wollte.
Rücktritt per Schreiben
Am Samstag erklärte Jens Spahn in einem Schreiben an die Mitglieder der Unionsfraktion seinen Rücktritt als Fraktionsvorsitzender. Zuvor hatte es ein Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz gegeben. Nach Informationen aus dem Umfeld des CDU-Chefs hatte Merz Spahn dabei zum Rückzug aufgefordert.
Die kommissarische Leitung der Fraktion übernahm anschließend der bisherige stellvertretende Vorsitzende Alexander Hoffmann (CSU). Er kündigte an, die Fraktion bis zur Wahl einer neuen Vorsitzenden oder eines neuen Vorsitzenden zu führen. Zeitdruck sehe er dabei nicht. Im ZDF betonte Hoffmann, die Unionsfraktion bleibe trotz des Führungswechsels uneingeschränkt arbeits- und handlungsfähig.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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