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Nach Anschlag auf den CSD in Berlin: Brandenburger Tor leuchtet in Regenbogen-Farben
Aktualisiert:
von Claudia Scheele:newstime
Tausende bei CSD-Mahnwache in Berlin
Videoclip • 51 Sek • Ab 12
Hunderttausende feiern in Berlin friedlich den Christopher Street Day – dann fährt am Rand der Veranstaltung ein Auto in eine Menschenmenge. Was bisher bekannt ist.
Das Wichtigste in Kürze
Beim Berliner CSD ist ein Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren.
Polizei und Generalstaatsanwaltschaft fahndeten nach dem 21-jährigen Abdul B. und ermitteln wegen des Verdachts eines Anschlags.
Der Tatverdächtige ist in Berlin aufgespürt worden und bei dem Polizeieinsatz getötet worden.
+++ Update 23:06 Uhr +++
Brandenburger Tor leuchtet in Regenbogen-Farben
Nach dem Terroranschlag am Rande des CSD setzt Berlin ein Zeichen: Das Brandenburger Tor ist als Symbol für Vielfalt und Toleranz in den Regenbogen-Farben angestrahlt worden. Die Farben gelten als Symbol der queeren Szene. Sie sind seit Sonnenuntergang an das Wahrzeichen in Berlins Mitte projiziert worden.
+++ Update 19:58 Uhr +++
Polizei: Täter mit Stichwaffe auf Einsatzkräfte zugelaufen
Die Polizei schrieb auf "X" über den Täter: "Nach bisherigen Erkenntnissen soll er mit einer Stichwaffe auf unsere Einsatzkräfte zugelaufen sein, daraufhin kam es zum polizeilichen Schusswaffengebrauch durch unser SEK Berlin." Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen sei er am Einsatzort verstorben, meldet die Nachrichtenagentur Reuters weiter.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte Reuters zufolge am Sonntagabend im ZDF kritisiert, dass der mutmaßliche Täter zuvor nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sei. "Das wird ein Teil der Aufarbeitung sein, ob man hier in der Tat mit Bewährungsstrafen arbeiten kann", sagte der CSU-Politiker. "Ich glaube, dass das nicht der richtige Weg ist, wenn man sich das Register der Straftaten anschaut, Unterstützung von Terrorvereinigungen, von all dem, was an Gewalttaten mit dabei ist." Man könne davon ausgehen, dass es sinnvoll gewesen wäre, diese Person in Haft zu nehmen.
Die Behörden stehen Reuters zufolge nach der Tat in der Kritik, weil im Vorfeld keine Hinweise erkannt wurden. Der mutmaßliche Täter – ein in Berlin geborener deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln – war Sicherheitskreisen zufolge als Sympathisant der Extremisten-Miliz Islamischer Staat bekannt und wurde als "Gefährder" geführt. Wegen der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat war er zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Diese wurde jedoch zur Bewährung ausgesetzt und der Täter im Mai aus der Haft entlassen.
Dobrindt verwies darauf, dass die angestrebte Deradikalisierung bei Islamist:innen nicht immer erfolgreich sei. Gefährder:innen müssten unter Beobachtung und Kontrolle stehen. "Es geht schlichtweg darum, dass man auch die Bewegungsfreiheit einschränken kann von diesen Personen," so Dobrindt. Wenn sie deutsche Staatsbürger:innen seien, könnten sie nach den Haftstrafen im Land bleiben. "Falls sie keine deutschen Staatsbürger sind, muss darauf hingewirkt werden, dass die Abschiebung stattfindet", forderte der Innenminister.
+++ Update 19:23 Uhr +++
Attentäter bei Polizeieinsatz erschossen
Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des CSD in Berlin ist der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Das bestätigte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die Senatsinnenverwaltung. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.
+++ Update 19:14 Uhr +++
Medienbericht: Attentäter ist tot
Der verdächtige Abdul B. ist nach einem Bericht des "Spiegel" in Berlin-Spandau aufgespürt und beim Zugriff von der Polizei erschossen worden. Die Lage sei noch unklar. Es soll einen Schusswechsel gegeben haben. Die Polizist:innen wurden von dem mutmaßlichen Terroristen angegriffen und schossen zurück, meldete die "Bild"-Zeitung. Der Einsatz fand in einer Spandauer Kleingartenanlage statt, berichtet der Sender RBB.
+++ Update 16:23 Uhr +++
Hubig: Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen
Die Bundesanwaltschaft wird die Ermittlungen zu dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) übernehmen. Das kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) an.
+++ Update 15:19 Uhr +++
Söder fordert nach Amokfahrt Härte: "Aber Lebensfreude nicht nehmen lassen"
CSU-Chef Markus Söder hat "alle Härte" bei der Aufklärung der Amokfahrt beim Christopher Street Day (CSD) gefordert, aber vor falschen Konsequenzen gewarnt. "Wir dürfen uns deswegen nicht die gesamte Lebensfreude nehmen lassen", sagte Bayerns Ministerpräsident am Sonntag im ZDF-Sommerinterview. Man versuche es gerade in Bayern mit der richtigen Balance aus Sicherheit auf der einen Seite und "natürlicher Liberalität" auf der anderen Seite. Der Anschlag in Berlin sei deshalb so schlimm, weil die CSD-Veranstaltung Ausdruck von Lebensfreude, Freiheit und Toleranz gewesen sei. Deshalb handele es sich um einen "bewussten Anschlag auf die Freiheitsidee unseres Landes und deswegen muss auch mit aller Härte dagegen vorgegangen werden", sagte Söder.
+++ Update 12:50 Uhr +++
Klöckner ordnet Trauerbeflaggung an
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat nach dem Angriff am Rande des Berliner CSD Trauerbeflaggung auf halbmast für den Bundestag angeordnet. Die CDU-Politikerin erklärte, sie sei "zutiefst erschüttert". Weiter sagte sie: "Wer Menschen attackiert, die für Freiheit, gleiche Rechte und Vielfalt einstehen, greift die Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens an, der tritt die Menschenwürde mit Füßen."
Klöckner betonte zudem, die Verfassung schütze das Recht, frei und ohne Angst zu leben und für die eigenen Überzeugungen einzutreten. "Wir treten daher jenen entschlossen entgegen, die unsere Freiheit und unsere Art zu leben mit Terror beantworten", erklärte sie. Ihre Gedanken seien bei den Opfern, deren Angehörigen und allen, die die Tat miterleben mussten.
+++ Update 12:38 Uhr +++
Acht Charité-Patienten außer Lebensgefahr
Nach der Attacke am Rande des CSD in Berlin hat die Charité einen Überblick zum Zustand der von ihr versorgten Patienten gegeben. "Die Charité hat gestern Nacht acht auf dem CSD verletzte Menschen versorgt, vier konnten inzwischen entlassen werden", schrieb ein Sprecher des Klinikums. Vier weitere Patienten werden ihm zufolge aktuell auf Intensivstationen behandelt. Es bestehe "zum jetzigen Zeitpunkt keine Lebensgefahr".
Am Samstagabend war ein weißer Van in der Nähe des Potsdamer Platzes plötzlich in eine Menschenmenge gefahren. Laut Polizei erlitt eine Frau tödliche Verletzungen. Neben ihr gab es nach Angaben von Feuerwehrsprecher Dominik Pretz 16 Verletzte, von denen 3 lebensbedrohlich, 8 schwer und 5 leicht verletzt wurden. Die lebensbedrohlich und schwer verletzten Menschen wurden alle in Krankenhäuser gebracht.
+++ Update 10:49 Uhr +++
Steinmeier verurteilt CSD-Bluttat als "Angriff auf offene Gesellschaft"
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich erschüttert über die Gewalttat beim Berliner Christopher Street Day gezeigt. "Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben", sagte Steinmeier am Sonntag bei einem Besuch im nordrhein-westfälischen Hamm laut vorab verbreitetem Redetext. Die Teilnehmenden des CSD in Berlin hätten "friedlich und fröhlich" feiern und "ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben" setzen wollen, sagte Steinmeier.
"Wir alle sind erschüttert und entsetzt über den mutmaßlichen Anschlag", sagte der Bundespräsident. "Meine und unsere Gedanken sind heute bei Angehörigen und Freunden der beim Anschlag getöteten Frau und den - zum Teil schwer - Verletzten, denen wir vollständige Genesung wünschen."
+++ Update 10:11 Uhr +++
Klare Worte der Queerbeauftragten
Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), hat nach dem Angriff am Rande des Berliner CSD mehr Zusammenhalt und Sichtbarkeit eingefordert. Auf Instagram schrieb sie: "Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit." Weiter betonte sie: "Das ist unsere Antwort. Und dafür werden wir entschlossen kämpfen."
Koch erklärte außerdem, der Christopher Street Day stehe für "Freiheit, Vielfalt und das Recht, ohne Angst sichtbar zu sein". Dass Menschen ausgerechnet in diesem Umfeld Opfer einer solchen Gewalttat würden, mache fassungslos. Den Anschlag bezeichnete sie als Erschütterung für die gesamte Community. Ihre Gedanken seien bei den Opfern, ihren Familien sowie den Verletzten, denen sie Kraft und eine schnelle Genesung wünschte.
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Verband spricht von dunklem Tag
Der LSVD+ – Verband Queere Vielfalt hat nach dem Angriff am Rande des Berliner CSD seine tiefe Bestürzung ausgedrückt. Auf Instagram schrieb die Organisation: "Der Regenbogen hat heute einen Riss bekommen. Das ist ein dunkler Tag für unsere Community und unser Land." Weiter hieß es: "Unsere Gedanken sind bei allen, die direkt betroffen sind."
Auch der Landesverband Berlin-Brandenburg meldete sich zu Wort und erklärte: "Heute ist ein Tag der Trauer." Die Gedanken seien bei den Verletzten, ihren Angehörigen und allen, die die Ereignisse beim CSD Berlin miterleben mussten. Zugleich bat der Verband darum, keine Spekulationen zu verbreiten, solange noch keine gesicherten Informationen vorliegen.
+++ Update 9:15 Uhr +++
CSD-Moderatorin Ricarda Hofmann hat nach der Attacke in Berlin ihre Bestürzung öffentlich gemacht. Auf Instagram schrieb sie in der Nacht: "Gerade fehlen mir eigentlich die Worte" und weiter: "Was heute passiert ist, hat etwas in mir verändert." Hofmann hatte am Samstag noch das Hauptprogramm des Berliner Christopher Street Days am Brandenburger Tor moderiert.
In ihrem Beitrag betonte sie, sie sei nicht nur als Moderatorin dort gewesen, sondern "als Teil einer Community, die zusammenkommt, um sichtbar zu sein. Um Liebe zu feiern. Um füreinander einzustehen." Wenige Stunden nach dieser Feier sei die Stimmung in Schock und Fassungslosigkeit umgeschlagen.
+++ Update 8:55 Uhr +++
Bestürzung auch in Stuttgart
Die Veranstalter des Stuttgarter Christopher Street Days haben sich nach dem Vorfall in Berlin bestürzt gezeigt. In einem nächtlichen Beitrag auf Instagram hieß es: "Wir sind zutiefst erschrocken und traurig darüber, was heute in Berlin geschehen ist." Weiter erklärten sie, ihre Gedanken und ihr Mitgefühl seien bei den Opfern, den Angehörigen und den Zeug:innen der Tat.
Der Post aus Stuttgart kommt nur wenige Stunden nach der eigenen CSD-Parade in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Dort waren am Samstag Tausende Menschen für die Rechte von LGBTQ±Personen auf die Straße gegangen. Nach dem tödlichen Angriff in Berlin steht die queere Community nun auch in anderen Städten unter Schock.
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+++ Update 8:12 Uhr +++
Reaktion aus dem Kanzleramt
Bundeskanzler Friedrich Merz ist nach Angaben der Bundesregierung unmittelbar nach der Tat informiert worden. Auf der Plattform X schrieb er: "Was für eine abscheuliche Tat in Berlin" und weiter: "Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft." Nach Angaben des Regierungssprechers steht Merz seitdem in engem Kontakt mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und wird von den Sicherheitsbehörden fortlaufend unterrichtet.
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Dobrindt bot den Berliner Behörden Unterstützung des Bundes an und erklärte: "Diese feige, abscheuliche Attacke auf friedlich feiernde Menschen erschüttert mich zutiefst." Seine Gedanken seien bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die die Tat miterleben mussten. Zugleich betonte der Innenminister laut Bundesregierung, man werde alles daransetzen, die Hintergründe der Tat schnell aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
+++ Ursprüngliche Meldung +++
Der Christopher Street Day in Berlin ist am Samstagabend (25. Juli) mit einer tödlichen Gewalttat zu Ende gegangen. Nach Angaben der Polizei fuhr kurz vor 22.00 Uhr ein weißer Kastenwagen im Bereich Tiergarten nahe Potsdamer Platz in eine Menschenmenge. Eine Frau starb noch vor Ort an ihren Verletzungen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden 16 Menschen verletzt, darunter drei lebensbedrohlich, acht schwer und fünf leicht.
Wie Polizeisprecher Florian Nath sagte, war das Fahrzeug über den Ahornsteig parallel zur Lennéstraße unterwegs und habe dort mehrere Menschen angefahren oder umgefahren, bevor es gegen einen Baum prallte. Der Fahrer sei anschließend ausgestiegen und geflüchtet. In der Nacht teilte die Polizei mit, ein mutmaßlicher Tatverdächtiger sei identifiziert worden. Am Morgen veröffentlichten Polizei und Generalstaatsanwaltschaft ein Fahndungsfoto des 21 Jahre alten Abdul B.
Polizei fahndet nach 21-jährigem Verdächtigen
Die Behörden warnen, der Gesuchte sei möglicherweise bewaffnet und gefährlich. Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Berlin ermitteln laut Mitteilung "aufgrund des Verdachts eines Anschlags". Polizeisprecher Nath sagte zudem, der Mann sei polizeibekannt und werde "der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet".
Nach der Tat lief in Berlin eine großangelegte Fahndung. Der Bereich um den Tatort wurde abgesperrt, der Tiergarten unter anderem mit Wärmebildtechnik abgesucht. Der CSD wurde abgebrochen, Besucher:innen am Brandenburger Tor wurden aufgefordert, das Gelände ruhig zu verlassen. Auch zwei für Sonntag geplante Veranstaltungen wurden abgesagt.
Auch in den News:
Was bekannt ist – und was noch offen bleibt
Nach Angaben der Polizei prüfen die Ermittler:innen außerdem, ob es nach der Fahrt eine zweite Tatphase gab. Dabei geht es um den Verdacht, dass Menschen möglicherweise zusätzlich mit einer Stichwaffe verletzt wurden. Zeugen hätten von am Boden liegenden Opfern mit Stichverletzungen berichtet, sagte Nath. Bestätigt ist das bislang aber nicht.
Unklar sind auch weiter der genaue Ablauf und das Motiv der Tat. Offen ist zudem, ob der Gesuchte allein handelte oder ob es mögliche Kompliz:innen gab. Die Polizei erklärte, Zeug:innen hätten dazu unterschiedliche Aussagen gemacht. Auch die Rolle des Fahrzeugs ist noch nicht vollständig geklärt.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach von einem "Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft". Für die queere Community ist die Tat ein Schock: Was als großes Fest für Vielfalt, Demokratie und Toleranz gedacht war, endete in Trauer, Angst und einer der größten Fahndungen der letzten Monate in Berlin.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Nachrichtenagentur Reuters
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