Er rief das Kriegsrecht aus
Nach Aufstand in Südkorea: Ex-Präsident Yoon Suk Yeol zu lebenslanger Haft verurteilt
Veröffentlicht:
von Jana WejkumMit der Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 2024 löste Yoon eine schwere Staatskrise aus. (Archivfoto)
Bild: Kim Hong-Ji/Reuters Pool via AP/dpa
- Anzeige -
- Anzeige -
Mit einem Aufstand stürzte er Südkorea 2024 in eine schwere Staatskrise – angeblich, um es zu schützen. Kritiker:innen sagen: Er habe seine eigene Präsidentschaft sichern wollen. Doch das Gericht sieht nicht alle Anklagepunkte als bestätigt.
Vor dem Gericht fordern tausende Anhänger:innen die Freilassung des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol. Teils schwenken sie die US-Flagge und hoffen auf den politischen Beistand Donald Trumps. Drinnen fällt das Urteil: Yoon soll lebenslang in Haft. Das zentrale Bezirksgericht der Hauptstadt Seoul sieht ihn als schuldig. Er habe einen Aufstand angeführt und damit die Verfassung Südkoreas untergraben.
Der damalige Präsident rief im Dezember 2024 das Kriegsrecht aus und stürzte damit das Land in eine schwere Staatskrise. Seine Schuld hatte Yoon stets zurückgewiesen. Sein Handeln habe zu den Befugnissen des Präsidenten gehört. Gegen das Urteil kann er Berufung einlegen. Es gilt außerdem als realistisch, dass Yoon vorzeitig begnadigt wird.
Kampf gegen Nordkorea als Vorwand?
Im Dezember 2024 spielten sich dramatische Szenen in Südkorea ab. Bewaffnete Soldat:innen riegelten die Nationalversammlung ab, Fenster gingen zu Bruch. Einige Soldat:innen drangen ins Parlament ein, es kam zu Auseinandersetzungen mit Parlamentarier:innen.
Zuvor hatte Yoon das Kriegsrecht ausgerufen – mit der Begründung, die Demokratie vor der Opposition schützen zu wollen. Diese sympathisiere mit dem Nachbarland Nordkorea und sei von Kommunisten unterwandert. Beweise dafür gibt es nicht. Vielmehr wird Yoon vorgeworfen, er habe seine Präsidentschaft sichern und die Opposition handlungsunfähig machen wollen. Diese hatte zuvor seine Gesetzesvorhaben blockiert.
Um seine Handlungen zu legitimieren, soll der Ex-Präsident laut Anklage einen Konflikt mit Nordkorea absichtlich provoziert haben. Er habe im Herbst 2024 eine geheime Drohnenaktion durchführen lassen. Nordkorea reagierte jedoch nicht darauf.
Die Eskalation wurde dadurch abgewendet, dass die Abgeordneten des Parlaments schon nach wenigen Stunden per Abstimmung das Kriegsrechtsdekret aufheben konnten. Daraufhin wurde Yoon seines Amtes enthoben, festgenommen und angeklagt.
- Anzeige -
- Anzeige -
Staatsanwaltschaft forderte Todesstrafe
Für seine Handlungen forderte die Staatsanwaltschaft im Schlussplädoyer Mitte Januar, dass Yoon die Todesstrafe erhalten solle. Sie begründete das damit, dass Yoon die Verhängung des Kriegsrechts lange geplant hatte, um die Verfassungsordnung Südkoreas auszuhebeln. Er habe damit "enormen Schaden und großes Leid für Staat und Gesellschaft" verursacht und danach keine Reue gezeigt.
Diesen Punkt sah das Gericht als nicht bestätigt an: Zwar habe Yoon einen Aufstand verursacht, aber nicht von langer Hand geplant, eine dauerhafte Diktatur zu etablieren.
Dass die geforderte Todesstrafe vollstreckt worden wäre, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Ein inoffizielles Moratorium sorgt in Südkorea dafür, dass seit 1990 niemand mehr hingerichtet wurde.
Auch in den News:
Hochrangige Politiker müssen in Haft
Yoon war bereits in einem anderen Prozess wegen Behinderung der Justiz zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er habe erwiesenermaßen belastendes Beweismaterial vernichtet und den Sicherheitsdienst des Präsidenten missbraucht, um sich seiner Verhaftung zu widersetzen.
Mehrere hochrangige Politiker aus Yoons Kabinett wurden wegen der Kriegsrechtsaffäre zu hohen Haftstrafen verurteilt. So erwartet Ex-Ministerpräsident Han Duck Soo eine 23-jährige Gefängnisstrafe.
Die Opposition, gegen die Yoon mutmaßlich mit dem Aufstand vorgehen wollte, ist gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Seit Sommer 2025 regiert der links-zentristische Präsident Lee Jae Myung. Der langjährige Rivale Yoons war während der Staatskrise noch Oppositionsführer.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
- Anzeige -
- Anzeige -
Mehr entdecken

Wegen Ärger mit Epstein-Files?
Bill Gates erscheint doch nicht beim indischen KI-Gipfel

Laut YouGov
Umfrage: Trump unbeliebtester US-Präsident, Melania bei First Ladies fast Schlusslicht

Massive Umstrukturierung
DB Cargo baut 6.200 Arbeitsplätze in Deutschland ab

Royals unter Druck
Epstein-Affäre: Ex-Prinz Andrew festgenommen

Unfälle und Einsätze
Erst Glätte, dann Frühlingswetter: Hier wird es jetzt richtig weiß

Berlin
Reichstagsgebäude zeitweise gesperrt: Gas-Alarm löst Großeinsatz aus
