Brief an Norwegens Premier

Grönland-Eklat: Ist das der wahre Grund für Trumps Aggression?

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von Joachim Vonderthann

Der ausgebliebe Friedensnobelpreis könnte US-Präsident Trumps aggressives Vorgehen gegenüber Grönland erklären.

Bild: Daniel Torok/White House/dpa


Die aggressiven Gebietsansprüche von Präsident Trump gegenüber Grönland bringen die Grundfeste der US-europäischen Beziehungen ins Wanken. Steckt dahinter vor allem verletzte Eitelkeit?

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Streit um Grönland belastet das Verhältnis zwischen den USA und Europa schwer.

  • Vor dem Hintergrund seiner Ansprüche auf die Arktis-Insel schreibt Donald Trump einen Brief an Norwegens Ministerpräsidenten Støre.

  • Weil er den Friedensnobelpreis nicht erhalten hat, fühle er sich nicht mehr verpflichtet, "ausschließlich an Frieden zu denken", so der US-Präsident.

Auch Sicht von US-Präsident Donald Trump hätte den Friedensnobelpreis im vergangenen Jahr nur einer verdient gehabt: er selbst. Doch das norwegische Nobelkomitee entschied sich bekanntlich anders und verlieh die Auszeichnung an die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado. Trump reagierte verschnupft.

Auch dass Machado ihm kürzlich im Weißen Haus ihre Goldmedaille für den Friedensnobelpreis überreichte, stimmte den Republikaner nicht milde. Der Groll über die Entscheidung aus Norwegen könnte sogar eine Erklärung für Trumps aggressives Vorgehen gegenüber Grönland und den europäischen NATO-Verbündeten liefern.

Grönland-Aggression wegen Nicht-Nobelpreis an Trump?

Vor dem Hintergrund des Konflikts um die Arktisinsel Grönland schrieb der US-Präsident jetzt laut Medienberichten an Norwegens Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre: "Angesichts der Tatsache, dass Ihr Land beschlossen hat, mir den Friedensnobelpreis nicht zu verleihen, obwohl ich acht Kriege PLUS beendet habe, fühle ich mich nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken."

US-Präsident fordert "totale Kontrolle" über Arktis-Insel

Zwar stehe Frieden immer im Vordergrund, schrieb Trump weiter. Doch nun könne er darüber nachdenken, was gut und richtig für die Vereinigten Staaten von Amerika sei. Schließlich bekräftigte Trump seine Forderung, dass die USA Grönland kontrollierten müssten: "Die Welt ist nicht sicher, solange wir nicht die vollständige und totale Kontrolle über Grönland haben", schrieb Trump dem Sender PBS und der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge.


Norwegens Premier: "Inakzeptabel"

Der norwegische Ministerpräsident Støre bestätigte der Zeitung "Verdens Gang", dass er Trumps Nachricht am Sonntagnachmittag erhalten habe. "Was den Friedensnobelpreis betrifft, habe ich Trump mehrfach klar erklärt, was allgemein bekannt ist, nämlich dass ein unabhängiges Nobelkomitee den Preis vergibt und nicht die norwegische Regierung." Zugleich wies er am Montag (19. Januar) Trumps Drohung, Zölle wegen der europäischen Verteidigung des zu Dänemark gehörenden Grönlands zu erheben, als "inakzeptabel" zurück.

"Auch wir hatten Boote, die dort gelandet sind"

Trump bezweifelte in dem Schreiben laut "Focus online" auch Dänemarks "Eigentumsrecht" auf Grönland. Es existierten "keine schriftlichen Dokumente", die dies bekunden würden. "Vor hunderten von Jahren" sei ein Boot dort gelandet, schrieb Trump demnach weiter und stellte die Behauptung auf: "Auch wir hatten Boote, die dort gelandet sind."


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Focus online: "Trump: Fühle mich "nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken"

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